Schulbaukongress in Kiel: Räumliche Gestaltung entscheidend für erfolgreiches Lernen

Nicht nur der Unterricht, auch die räumliche Gestaltung der Schulen ist entscheidend für den Lernerfolg und den sozialen Zusammenhalt von Schülerinnen und Schülern. Wie ein anregendes und gesundes Bildungsumfeld geschaffen und finanziert werden kann, das eigenständiges und gemeinschaftliches Lernen und Leben in der Schule gleichermaßen ermöglicht, darüber haben heute mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schulbaukongresses "Schule - Ort des Lebens und Lernens" in Kiel diskutiert. Zu der Veranstaltung hatten das Bildungsministerium, das Finanzministerium und die Investitionsbank Schleswig-Holstein eingeladen.

07.02.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave betonte, dass die veränderten pädagogischen Anforderungen mit längerem gemeinsamen Lernen, individueller Förderung und zunehmender Ganztagsbetreuung sich auch auf den Schulbau auswirken müssten. "Forschendes, handlungsorientiertes Lernen - allein oder in Gruppen - ersetzt zunehmend den altbekannten Frontalunterricht. Und wir trennen uns mehr und mehr von der Vorstellung, dass Kinder immer und überall zur gleichen Zeit und im selben Alter das Gleiche lernen müssen. Die Arbeit in Projekten, im Epochenunterricht - fächerübergreifend, klassenübergreifend, jahrgangsübergreifend - prägt zunehmend den Alltag an unseren Schulen", sagte Erdsiek-Rave. Schul- und Klassenräume sollten den damit einhergehenden Funktionalitäten, Möglichkeiten zum Austausch und Rückzug, aber auch gesundheitlichen Aspekten wie einer geringen Lärmbelastung gerecht werden. "Das können zum Beispiel Räume sein, die sich den unterschiedlichen Nutzungen anpassen, Kommunikationsflächen, Lernecken für stilles Lernen oder eine Bibliothek."

Die Ministerin appellierte an alle Beteiligten, an wirtschaftlich machbaren Lösungen für die Schulen vor Ort mitzuarbeiten. Dabei könnten in den kommenden Jahren unter anderem Kapazitäten genutzt werden, die infolge der rückläufigen Schülerzahlen frei werden. Auf kommunaler Seite gelte es, auch im eigenen Interesse über neue Wege der Schulbaufinanzierung nachzudenken, etwa durch eine Neugestaltung des Schullastenausgleichs. Erdsiek-Rave: "Für die Kommunen ist die Schule ein sozialer Standortfaktor mit wirtschaftlichen Auswirkungen: Wo eine Schule ist, siedeln sich junge Familien an."

Finanzminister Rainer Wiegard betonte die Bedeutung der Partnerschaft zwischen privaten Investoren und der öffentlichen Hand, um den über viele Jahre aufgelaufenen Sanierungsbedarf im Bereich öffentlicher Bauwerke aufzulösen und auch Neubauvorhaben wirtschaftlicher zu gestalten: "Die Folgen der langjährigen Krise der öffentlichen Finanzen ist sichtbar und spürbar: Straßen werden nur notdürftig geflickt, Bauvorhaben werden regelmäßig verschoben und Schulen müssen dringend saniert und modernisiert werden. So schätzt man den Bau- und Sanierungsbedarf in Schleswig-Holstein allein bei den Schulen auf rund 400 Millionen Euro."

Die Landesregierung habe daher die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, ÖPP-Projekte zu erleichtern. "Mit dem Gesetz zur Erleichterung Öffentlich Privater Partnerschaften haben wir eine Vielzahl von Unklarheiten und rechtlichen Hürden beseitigt", so der Finanzminister. Die Vorgaben zur Wirtschaftlichkeitsberechnung wurden klar gestellt, das Veräußerungsverbot für kommunale Liegenschaften wurde gelockert und Fördermittel können direkt an Private ausgezahlt werden.

Das Gesetz gebe klare Vorgaben, wie die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte zu berechnen sei. Für die Nutzung von ÖPP in Bereichen, für die eine Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden kann, sprechen, so Wiegard, vor allem zwei Vorteile: "Erstens: Es wird eine echte Kostentransparenz hergestellt. Bei einem ÖPP-Projekt sind alle Seiten darauf angewiesen, die Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens über den gesamten Lebenszyklus zu betrachten und nicht nur bis zur Schlüsselübergabe. Zweitens: Jeder Partner bringt seine Kompetenzen ein. Lasst die Verwaltung verwalten, lasst Architekten planen, lasst Baugewerbe und Handwerk bauen und lasst die Banken finanzieren. Lasst einfach jeden das tun, was er am besten kann." Es gebe gute Beispiele im Land die belegten, dass eine solche Zusammenarbeit im Schulbereich bereits funktioniert oder gute Realisierungschancen hat. Wiegard: "Damit kann beispielsweise im Schulbau das eigentliche Ziel von ÖPP erreicht werden: Unseren Kindern mehr und bessere Bildung anzubieten und sie damit fit für die Zukunft zu machen."

Dr. Klaus Rave, Vorstand der Invesitionsbank erklärte: "Mit dem ÖPP-Kompetenzzentrum bei der IB gibt es eine fachkundige und erfahrene Anlaufstelle in Schleswig-Holstein bei allen Fragen zum Thema ÖPP. Noch in diesem Jahr wird unser Referenzprojekt eröffnet: der Neubau des Gymnasiums Schwarzenbek. Eine Partnerschaft zwischen privaten Investoren und der Stadt sichert hier den Betrieb für die nächsten 25 Jahre."

Städte und Gemeinden erhalten Beratung insbesondere in Fragen der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit von ÖPP-Projekten. Auf Wunsch kann auch die Steuerungsfunktion im Rahmen der Umsetzung übernommen werden. Auf den folgenden Gebieten verfügt das ÖPP-Kompetenzzentrum über ausgeprägte Erfahrungen: Prüfung der ÖPP-Eignung eines Vorhabens, Konzeptentwicklung sowie Durchführung von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für eine Vielzahl kommunaler Hochbauprojekte wie zum Beispiel Schulen, Sporthallen und Kindertagesstätten. Hinzu kommen Erfahrungen bei der Begleitung von Vergabeprozessen.


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