Schulleiter brauchen gute Bedingungen
(red) Was brennt den Schulleitern unter den Nägeln - zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Fortbildung? Antworten dazu vom Bundesvorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Der VBE ist Mitveranstalter des ersten Deutschen Schulleiterkongresses. Rund 1200 Schulleiter haben sich angemeldet und werden in dieser Woche in Düsseldorf bei mehr als 50 Vorträgen und Workshops mit nationalen und internationalen Referenten erwartet.
14.03.2012 ArtikelHerr Beckmann, was macht den Beruf ´Schulleiter` aus?
Udo Beckmann: Der Schulleiter hat wie kaum ein anderer - insbesondere vor dem Hintergrund der eigenverantwortlichen Schule - die Möglichkeit, Schule zu gestalten. Das kann er nicht allein, dazu braucht er ein Kollegium, das er motiviert, das mit ihm geht. Aber er ist schon eine wesentliche Schaltstelle in diesem System.
Also ein ganz besonderes Amt?
Udo Beckmann: Die Anforderungen an Schulleiter haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. Das heißt, die Herausforderungen sind sehr groß geworden. Die Schulleiter sind gefordert im Bereich Unterrichtsentwicklung, der Personalentwicklung, der Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Sie müssen beraten, sie müssen coachen, sie müssen Verträge abschließen usw. - eine Riesenpalette an Aufgaben.
Und diese Arbeit wird auch entsprechend honoriert?
Udo Beckmann: Die Bezahlung stimmt in den Grundschulen überhaupt nicht. An Schulen der Sekundarstufe bekommen die Schulleiter ein bis drei Besoldungsstufen mehr als die Kollegen ohne Leitungsverantwortung, jedoch in den meisten Ländern erst nach der Bewährungszeit. Außerdem haben sie noch Unterstützung durch andere Beförderungsämter - das gibt es an Grundschulen nicht. Kein Wunder also, dass es im Grundschulbereich oft schwierig ist, Schulleiterstellen zu besetzen. So bekommt beispielsweise der stellvertretende Leiter einer kleinen Grundschule mit bis zu 360 Schülern einen Zuschlag von 150 Euro in Nordrhein-Westfalen, in anderen Ländern noch weniger. Dafür muss er zusätzliche Verantwortung und Belastung auf sich nehmen - das hat mit Attraktivität nicht viel zu tun. Selbst der Schulleiter einer kleinen Grundschule, der 500 Euro monatlich mehr bekommt, verdient letztlich nur so viel, wie der Berufseinsteiger am Gymnasium. Er hat aber die Verantwortung für die komplette Schule und muss noch bis zu 20 Stunden unterrichten.
Halten Sie das für gerecht?
Udo Beckmann: Das Thema soziales Ranking, das wir bei den Lehrervergütungen haben, spiegelt sich bei den Schulleitungen wider. Hier muss deutlich nachgebessert werden. Wenn ich die Besten in diesem Beruf haben will, dann geht das über mehrere Stellschrauben. Eine ist sicherlich die Bezahlung und die andere, dass dem Aufgabenprofil entsprechend die notwendige Leitungszeit zur Verfügung gestellt wird.
Sie machen nun einen Kongress für Schulleiter aller Schulformen. Aber offensichtlich sind die Probleme doch sehr unterschiedlich. Wie passt das?
Udo Beckmann: In dem eben genannten Feld sind die Probleme tatsächlich unterschiedlich. Aber viele andere Probleme sind relativ gleich: Welche Unterstützung bekomme ich, um Schule anders zu organisieren? Was kann ich im Bereich Personalentwicklung tun? Wer hilft mir dabei und zeigt mir, wie das in anderen Institutionen gemacht wird? Das sind Bereiche, bei denen sich Schulleiter aller Schulformen weitgehend allein gelassen fühlen. Hier wird zu wenig Fortbildung angeboten. Sonst wären auch nicht 1200 Schulleiter aus dem gesamten Bundesgebiet bei uns auf dem Kongress. Sie wollen sich weiterbilden und sie suchen händeringend nach einem Angebot. Das bietet der Kongress. Sie können hier auch über den Tellerrand gucken: in andere Berufssparten, andere Schulleitungen und andere Länder. Wir haben eine ganze Reihe internationaler Referenten. Und der Schulleiterkongress ist keine Eintagsfliege, sondern nur ein Anfang: Er wird auch in den kommenden Jahren stattfinden.
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