Störenfriede suchen Anerkennung
(bikl/idw) Bekannt ist, dass Schüler, die von Mitschülern beleidigt oder angegriffen werden, darunter leiden. Weniger weiß man über die Täter und über Schüler, die im Unterricht stören. Profitieren sie in irgendeiner Form davon?
19.04.2005 ArtikelWas treibt diese Schüler mit dem ausgeprägten Störverhalten? Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung haben jetzt herausgefunden, dass die Störer tatsächlich einen Prestigegewinn durch ihr Verhalten erzielen - allerdings nur einen kurzfristigen. Aber Eltern und Lehrer sollten wissen, dass die betreffenden Schüler von ihrem Störverhalten auch profitieren, so die Forscher.
"In der Subkultur der Jugendlichen steigert die Missachtung des Lehrers oder das Stören eines langweiligen Unterrichts das Prestige", so Ulrich Trautwein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Trautwein und seine Kollegen Jürgen Baumert und Olaf Köller haben in ihrer Studie "Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter" mehrere tausend Schülerinnen und Schüler von der siebten bis zur zehnten Klasse begleitet.
In der siebten Klasse befragten die Forscher die Schüler, wie oft sie absichtlich den Unterricht störten oder körperliche Gewalt gegen Mitschüler und Gegenstände ausübten. Außerdem sollten sie ihre eigene Durchsetzungsfähigkeit sowie ihre Rolle in der Klassengemeinschaft einschätzen.
Drei Jahre später verglichen die Wissenschaftler die Selbsteinschätzung der Zehntklässler mit den Angaben, die sie als Siebtklässler gemacht hatten. Es zeigte sich, dass sich bei den aggressiven Schülern die eigene Einschätzung der Durchsetzungsfähigkeit erhöht hatte. Besonders profitiert hatten jene Schüler von ihrem Problemverhalten, die sich in der siebten Klasse als nur wenig durchsetzungsfähig bezeichnet hatten. Ähnliche Befunde gab es bei den Unterrichtsstörern: Wer in Klasse 7 häufig den Unterricht gestört hatte, gab in der 10. Klasse an, sich als stärker von den anderen anerkannt zu wissen.
Unterrichtsstörung als Mittel der Imagepflege propagieren, das wollen die Forscher nicht und machen darauf aufmerksam, dass sie nur die "Erfolgreichen" unter den Störern haben untersuchen können. Schüler, die die zehnte Klasse nicht erreichten, fielen nämlich aus der Untersuchung heraus. Gerade unter dieser Schülergruppe waren aber viele Unterrichtsstörer. Ungeklärt ist, wie Jugendliche, die durch Unterrichtsstörung auffielen, sich langfristig entwickeln. "Auch wenn störendes Verhalten zunächst in manchen Fällen durchaus das Selbstbewusstsein und den Status stärken kann, so ist dies keineswegs der aussichtsreichste Weg für eine gute Entwicklung des Jugendlichen", betont Trautwein.
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