Forderung

Streit um Lehrerstellen beenden

Saarland: Angesichts der Auseinandersetzung in der Regierungskoalition um zusätzliche Lehrerstellen sieht sich die Landeselterninitiative für Bildung in ihrer Kritik bestätigt, dass es eine "falsche Prioritätensetzung bei knappem Geldbeutel" sei, mehr Steuergelder für zusätzliches Lehrerpersonal in der Nachmittagsbetreuung einzusetzen.

02.07.2019 Saarland Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V. Saarland
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Die Hausaufgabenbetreuung dort könne statt von Lehrkräften mit Staatsexamen auch von anderem pädagogischem Personal übernommen werden, wie es etwa der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) schon 2017 für die Grundschulen vorgeschlagen hat. Dort würden rund 80 Lehrerstellen im Nachmittag gebunden, die dringend am Schulmorgen benötigt würden, so der SLLV damals. 

Die Landeselterninitiative für Bildung befürchtet, dass das von Bildungsminister Commerçon eingeleitete System von Qualitätsverbesserungen allgemein und von Entwicklungsunterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen ("ein richtiger Kurs"), das von den Schulen nur mit mehr Personal an Bord zu halten sein werde, in Gefahr gerät, wenn die notwendigen Stellen nicht zur Verfügung gestellt würden. Für qualitative Schul- und Unterrichtsentwicklung, für die dafür notwendige Beratung und Fortbildung und für die Bewältigung der zugenommenen Herausforderungen, die von allen Bildungspolitikern bestätigt werden, bei noch dazu zukünftig steigenden Schülerzahlen, brauchten die Schulen einfach mehr Fachpersonal, was einhellige Meinung sei von Lehrerorganisationen, Landeselterninitiative für Bildung, Gesamtlandeselternvertretung sowie Landesschülervertretung. Zumal sich das Saarland personell immer noch nicht auf den Durchschnitt der Bundesländer hin bewegt habe.

Angesichts der sozialen Probleme an den Schulen könne man im Übrigen, so die Elterninitiative, nur den Kopf schütteln, wenn im Verantwortungsbereich des Sozialministeriums keine Verstärkung der Schulsozialarbeit geplant würde. Der Rechnungshof habe sogar gefordert, Sozialarbeit als "Regelleistung" an den Schulen zu etablieren und Lehrer-, Eltern- und Schülerorganisationen sähen mindestens eine Stelle pro Schule als notwendig an.

Information zum Vergleich des Saarlandes mit den anderen Bundesländern:
Das Saarland (Land, Kreise, Kommunen) stellt an öffentlichen Bildungsausgaben am zweitwenigsten von allen Bundesländern bereit und hat weiterhin Nachholbedarf. Bezogen auf die Schulformen liegt das Saarland mit den Ausgaben je Schüler bei den Grundschulen zwar im vorderen Mittelfeld, bei den Gymnasien nur im hinteren Drittel und ist bei den Gemeinschaftsschulen sogar auf den letzten Platz zurückgefallen. Bei den beruflichen Schulen stagniert das Land auf dem viertletzten Platz.
Betrachtet man die Schüler-Lehrer-Relation, zeigt sich, dass das Land bei den Grundschulen auf einen guten zweiten Platz gerückt ist, doch im Sekundarbereich II hinterherhinkt. Zwar erreichen die Gymnasien bundesweit noch Platz 5, jedoch stehen die Gemeinschaftsschulen und beruflichen Vollzeitschulen auf dem zweitletzten Platz der Bundesländer.
Das Saarland ist an beruflichen Schulen mit einer Quote von 33 % Ausbildungsabbrüchen schlechter als der Bundesdurchschnitt (Bundesdurchschnitt 28,7 %). Beim Anteil erfolgreicher Absolventen von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen an allen Abgängern dieser Einrichtungen liegt das Saarland mit 80,7 % auf dem drittletzten Platz.

(Quelle: eigene Auswertungen aus öffentlich zugänglichen Quellen, einzusehen auf unserer Internetseite unter "Kennzahlen zur Bildungspolitik", Stand Februar 2019)

Hintergrund:
Zu Beginn der Haushaltsklausur der Landesregierung am 17. Juni 2018 hatten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Landeselterninitiative für Bildung, die Gesamtlandeselternvertretung sowie die Landesschülervertretung eine Resolution übergeben. Adressaten: der Ministerpräsident, der Finanzminister, die Sozialministerin und der Bildungsminister. Die Organisationen hatten in der Resolution festgestellt, dass das Saarland an öffentlichen Bildungsausgaben am zweitwenigsten von allen Bundesländern bereitstelle. Damit müsse Schluss sein. Die Landesregierung wurde aufgefordert, in den Haushalten 2019 und 2020 insgesamt 400 Lehrerstellen mehr einzuplanen. Zudem müsse sie den Trägern die notwendigen Mittel bereitstellen für Schulsozialarbeit mit mindestens einer Stelle pro Schule, für mehr Schulpsychologen und für qualifizierte Schulassistenten, die die Lehrkräfte bei technischen Aufgaben entlasten. 

Auszug aus dem Koalitionsvertrag (S. 50)
Qualitativ hochwertige Angebote im Ganztagsbereich
Wir wollen Eltern unabhängig von der unterschiedlichen pädagogischen Ausrichtung von Gebundenen und Freiwilligen Ganztagsschulen ein qualitativ hochwertiges Angebot machen. Deshalb werden wir prioritär dafür sorgen, dass die in den Richtlinien vorgesehenen fünf Lehrerwochenstunden pro Gruppe im Nachmittagsbereich personalisiert werden. Für den Ausnahmefall, dass es phasenweise Schwierigkeiten mit der Personalisierung gibt, muss den Trägern zur Qualitätssteigerung im Nachmittagsbereich vorübergehend der finanzielle Gegenwert als Budget zur Verfügung gestellt werden.
Ziel ist es darüber hinaus, im Rahmen eines Schulversuchs ein neues Modell für den Nachmittag zu erarbeiten. Hierfür wird von der Koalition zeitnah eine Arbeitsgruppe eingesetzt mit dem Ziel, für das Schuljahr 2018/2019 ein Konzept vorzulegen. Den Modellschulen soll ein Budget (Lehrerwochenstunden und Finanzmittel) zur Verfügung gestellt werden, um ein flexibles und qualitativ hochwertiges Angebot zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse zu entwickeln. 


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