Hamburg

Unternehmen und Stadtteilschulen werden Partner

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten muss man mitbringen, um an der Konstruktion einer Airbus-Turbine mitzuarbeiten? Was müssen Mechatroniker alles können? Und wie organisiert man den Warenfluss in einem Supermarkt? Antworten auf diese und andere Fragen erhalten Hamburgs Schülerinnen und Schüler jetzt aus erster Hand – in Hamburger Betrieben, Unternehmen und Konzernen, die in der Hansestadt ansässig sind. Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Stadtteilschule wird gefestigt durch eine Kooperationsvereinbarung, die heute von Bildungssenator Ties Rabe, dem Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Frank Glücklich, und dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein e.V. (UVNord), Michael Thomas Fröhlich, unterzeichnet wurde.

07.05.2012 Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

Zwei Ziele werden in der Kooperationsvereinbarung definiert: Die Schülerinnen und Schüler sollen die Realität der Wirtschafts-, Arbeits- und Berufswelt kennenlernen, und die Wirtschaftspartner schaffen ihrerseits die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler den Anforderungen und Strukturen der Arbeits- und Berufswelt und dem Unternehmensalltag begegnen.

Beim Übergang von der Schule in die Berufswelt entscheidet sich das Lebensglück vieler junger Menschen. Doch die Vielfalt der Berufswelt ist für Schülerinnen und Schüler oft fremd und unüberschaubar. Oft müssen Jugendliche zudem schwierige Ausgangsbedingungen beim Übergang von der Schule in den Beruf bewältigen. Weniger als ein Fünftel der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abitur findet sofort einen Ausbildungsplatz.

Deshalb kommt der Kooperationsbereitschaft zwischen Schulen und Unternehmen eine zentrale Bedeutung zu. Gerade für Jugendliche, deren Wege noch nicht so klar sind, kann diese Zusammenarbeit besonders nützlich sein: In den Unternehmen können sie wichtige Kontakte zu Ausbildungsverantwortlichen knüpfen, können Vertrauen aufbauen und Praktika machen, zu denen sie ohne die Zusammenarbeit vermutlich keinen Zugang gefunden hätten.

Bildungssenator Ties Rabe: "Der Hamburger Senat möchte, dass alle Schülerinnen und Schüler das Abitur machen oder eine Ausbildung abschließen. Niemand soll auf der Strecke bleiben. Das ist ein ambitioniertes Ziel, das nur mit starken Partnern erreicht werden kann. Daher hat die heute geschlossene Kooperationsvereinbarung mit der Handelskammer, der Handwerkskammer und dem Unternehmensverband Nord eine große Bedeutung. Weitere Schritte wie zum Beispiel der in ganz Deutschland einmalige Aufbau von Jugendberufsagenturen, die alle Schülerinnen und Schüler in die Berufswelt begleiten, werden folgen."

UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich: "Uns liegen die Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschulen besonders am Herzen. Wir wollen sie durch zahlreiche Praxisangebote so unterstützen, dass sie den Übergang von der Schule in eine duale Ausbildung oder ein Studium erfolgreich bewältigen. Dafür sind insbesondere lang angelegte Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen geeignet. Von ihnen profitieren im Übrigen auch schulische und wirtschaftliche Führungskräfte, wenn sie sich über Fragen der Motivation, Führungsinstrumente etc. austauschen, wie es bereits in unserem Projekt "Partners in Leadership" der Fall ist. Über unser Bildungswerk und unsere Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT begleiten wir derartige Projekte. Zukünftig wollen wir den Dialog zwischen Schulen und Unternehmen in regionalen Arbeitskreisen stärken."

Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg: "Insbesondere für Unternehmen und Berufe, die bei den Jugendlichen nicht auf den ersten Blick im Fokus stehen, ist eine Kooperation die ideale Möglichkeit, die Vielfalt der Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sich im Wettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt positiv abzuheben."

Frank Glücklich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg: "Über die "Serviceagentur Anschluss Handwerk" haben Handwerkskammer und Innungen bereits Kooperationen zwischen rund 300 Betrieben und 60 Stadtteilschulen gestiftet. Das Handwerk ist damit gut aufgestellt, um die heute abgeschlossene Vereinbarung mit Leben zu füllen und mehr direkte Übergänge von der Schule in eine handwerkliche Ausbildung zu erreichen."

Und so sieht die Kooperation der Partner Stadtteilschule, Unternehmen und Behörde praktisch aus:

Die Stadtteilschulen binden die Partnerschaft in den Unterricht und das schuleigene Qualitätsmanagement ein. Sie stehen im regelmäßigen Austausch mit dem Kooperationspartner, erarbeiten gemeinsam mit ihm Zeitpläne, Strukturen, passgenaue Inhalte und Rückmeldeverfahren.

Die Handelskammer Hamburg, die Handwerkskammer Hamburg und der UVNord ermöglichen den Schülerinnen und Schülern der Partnerschule in verschiedenen Jahrgangs- und Entwicklungsstufen Einblicke in den beruflichen Alltag der ihnen angeschlossenen Unternehmen. Dies kann in Form von Infoveranstaltungen, Betriebserkundungen, Praktika geschehen.

Die Behörde für Schule und Berufsbildung stellt die Umsetzung der festgelegten Grundsätze für die Berufs- und Studienorientierung an Stadtteilschulen sicher Diese beinhalten eine qualifizierte Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf den Übergang von der Schule in den Beruf (ab Jahrgang 8) sowie eine individuelle Begleitung. Darüber hinaus werden die Schülerinnen und Schülern sowie die Eltern und Sorgeberechtigten in Zusammenarbeit mit den berufsbildenden Schulen und außerschulischen Partnern beraten und unterstützt.

Aktuelle Beispiele bereits bestehender Kooperationen:

Beispiel 1: Ida Ehre Schule und Olympus

In der allgemeinen Berufsorientierung (Jahrgang 11) werden jährlich rund 120 Schülerinnen und Schüler über die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten bei Olympus informiert. Personalreferenten, Auszubildende und Abteilungsleiter des Unternehmens kommen dazu in die Schule. Spätestens zu Beginn des Jahrgangs 13 hat sich herauskristallisiert, welche Schülerinnen und Schüler sich für eine Ausbildung bei Olympus interessieren – und auch geeignet sind. Ein Bewerbungstraining schließt die gemeinsamen Aktivitäten ab.

Beispiel 2: Otto-Hahn-Schule und Airbus

Die Kooperationspartner arbeiten seit gut zwei Jahren zusammen. Der besondere Schwerpunkt ist die Förderung des Interesses für technische Ausbildungen und Studiengänge. Dabei stehen besonders die Mädchen im Fokus. Mehrere Projekte in verschiedenen Klassenstufen und Profilen wurden durchgeführt, Praktika und Ausbildungsplätze wurden vermittelt. Seminare zur Berufsorientierung runden das Angebot ab.

Beispiel 3: Stadtteilschule Lohbrügge und die Firma HKE

Bei größeren Baumaßnahmen an der Schule gehört es zum Prinzip, nach Praktikumsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler (Jahrgang10) zu fragen. Eine kleine Kooperation mit großer Wirkung: Jugendliche halfen der Firma HKE bei Elektroinstallationsarbeiten zur Raumsteuerung, verlegten u.a. Kabelkanäle. Zum Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten kam hier der Stolz, hier etwas für die eigene Schule geleistet zu haben.


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