VBE begrüßt, dass auch der Kultusminister Eltern mehr in die Pflicht nehmen will, fordert aber mehr Personal

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg begrüßt, dass neben dem Ministerpräsidenten auch der Kultus­minister Eltern, die bei der Erziehung ihrer Kinder zu nachlässig sind, mehr in die Pflicht neh­men will, hält aber die Dro­hung mit den Jugendamt ange­sichts der hauch­dünnen Personal­decke der Behörde für einen schlechten Witz. Und aus der Finanzierung der Schulso­zialarbeit, die vor Ort wirklich etwas be­wirke und auch präventiv arbeiten könnte, habe sich das Land ohne Skru­pel ver­ab­schiedet.

13.08.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Der VBE unterstützt Kultusminister Helmut Rau, wenn er Eltern verstärkt in die Pflicht nehmen möchte, hält aber die Marschrichtung, verstärkt die Jugendämter mit einzubinden, für wenig durchdacht, weil auch an dieser Behörde die Per­sonalnot weitere Mehrarbeit verhindert. Außerdem sehen sich die meisten Ju­gend­ämter nach Kenntnisstand des VBE zurzeit fast ausschließlich als "Service-Un­ternehmen" für das Kindswohl und nicht als Institution, mit der man Eltern drohen darf, denn das Prinzip der Freiwilligkeit für Hilfsangebote werde von dieser Art von Behörde hoch gehalten. Wenn Schulen nun aufgrund von (vermu­teten) Missständen in bestimmten Elternhäusern verstärkt Kontakt mit Jugend­äm­tern aufnehmen würden, müssten diese auch entsprechend reagieren kön­nen. Dazu fehle aber in der Regel Personal. Wenn Jugendämter handlungsfähig blei­ben und wirkungsvoll arbeiten sollen, müssen sie angemessen mit qualifizierten Mitarbeitern ausgestattet werden. Man dürfe nicht immer umfangreichere oder neue Aufgaben auf die Beschäftigten draufsatteln, aber gleichzeitig - wie im Rahmen der Verwaltungsreform - auf personelle Einsparmöglichkeiten pochen, schimpft der VBE-Chef. Das gehe zu Lasten der Qualität und Effektivität. Auch aus der notwendigen Schulsozialarbeit sei das Land ohne Skrupel ausgestiegen. Viele Behörden seien überfordert, weil das Personal vorne und hinten fehle. Und wenn bei Verdacht auf Vernachlässigung oder Verwahrlosung eines Kindes der "Fall" auf eine lange amtliche Warteliste gesetzt werde, nütze da auch ein neuer Gesetzesentwurf, der den staatlichen Institutionen den Rücken stärken soll, sehr wenig, sagt der VBE-Vorsitzende.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden