VBE: Die Bildungspolitik versucht, schulische Unzuläng­lichkeiten durch wohlklingende Begriffe zu verbrämen

Je mehr es in der Bildungslandschaft drunter und drüber geht, je lauter Eltern und Lehrpersonal ihren Unmut über offensichtliche Missstände arti­kulieren, desto wohlklingendere Begriffe werden von der Kultusbürokratie aus dem Hut gezaubert, ist man sich beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sicher. Mängel und Schwächen im Schulsystem werden aus finanziellen Gründen selten offensiv angegangen, sondern oft nur in des "Kaisers neue Kleider" gehüllt und dann als Erfolg verkauft.

30.10.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Nicht nur die Eltern, auch die Lehrkräfte werden mit einer Flut "klug klingender Worthülsen" überschüttet, die Fortschritt vorgaukeln sollen, in Wahrheit jedoch oft nur Tünche für ein instabil gewordenes System sind. So zumindest äußern sich immer mehr Betroffene, behauptet der VBE-Sprecher. Ob Paradigmen­wechsel, Niveaukonkretisierungen oder Bildungsstandards, Evaluation, Input-Output-Steuerung oder Balanced Scorecard, ob Kompetenzen, Kerncurriculum, oder Kontingentstundentafel: die "Macher" des neuen Bildungszeitalters gene­rieren - wie in der Werbebranche üblich – gescheit klingende Schlagworte, die aber alle im Alltag erst noch beweisen müssen, dass sie inhaltlich etwas wert sind und die Qualität der Schule auch wirklich voranbringen.

Ganz oben auf der Wunschliste der Lehrer, Eltern und Schüler dagegen steht die Einrichtung kleinerer Klassen: 33 Kinder und Jugendliche in einer Lerngruppe seien heute pädagogisch nicht mehr zu verantworten, sagt nicht nur der VBE.

Der sogenannte Ergänzungsbereich, aus dem die untere Schulaufsicht Stütz- und Förderkurse, AG-Stunden und Vorhaben aus dem Erweiterten Bildungsangebot der Hauptschule (EBA) den einzelnen Schulen zuweist, wurde durch die teil­weise Umwidmung in Krankheitsvertretungsstunden auch in diesem Schuljahr wieder erheblich geschwächt. "Wie sollen Schulen verlässlich "Profil" entwi­ckeln, wenn ihnen dafür die Möglichkeit im kreativen Bereich beschnitten wird?", fragt der VBE-Sprecher. Daher erinnere das Verteidigen der scheinbar so erfolgreichen Bildungspolitik im Südweststaat immer mehr an das Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Dort werde der in Wahrheit nackte Regent auch nur in schöne Worte eingehüllt: "Seht doch die herrlichen Stofffarben! Schaut die einmaligen Muster!"…und all die angeblich so Weisen applaudieren dazu.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden