VBE: Profilierungsversuche zu Lasten des Kultusministers schaden auch der Schule
Wenn die mitregierende FDP jetzt auf ihrem Parteitag in Mannheim lautstark den Kultusminister angreife, müsse sie sich fragen lassen, was sie bisher in der Koalition für die Bildungspolitik bewirkt habe, moniert der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Rudolf Karg, denn selbst innerhalb der FDP sei die Marschrichtung in Sachen Schule noch nicht ganz klar, wolle Goll nicht das, was Noll wolle. Wie solle da Klarheit und Stringenz in die gemeinsame CDU/FDP-Bildungspolitik kommen, fragt der VBE-Chef.
13.07.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDie öffentlichen Angriffe der FDP auf den Kultusminister sollten vielleicht, so die Vermutung des VBE, von der möglicherweise eigenen Inkompetenz ablenken, von den fehlenden überzeugenden Argumenten oder zumindest vom mangelnden Durchsetzungsvermögen innerhalb der Regierungskoalition.
Kultusminister Helmut Rau sei nicht der "Master of Disaster", als der er so gerne von seinen politischen Gegnern, neuerdings vom Rechnungshof und mitunter auch von den eigenen "Parteifreunden" hingestellt werde, versichert VBE-Chef Karg. "Alle wollen eine optimale Bildungspolitik, aber die darf halt nicht viel mehr kosten."
Diesen Anspruch wirklich voll zu befriedigen, käme der Quadratur des Kreises gleich. Das Dilemma, in dem Rau stecke, sagt Karg, sei das, was auch der Lehrerschaft mitunter zu schaffen mache: Die meisten Kritiker schöpften ihre guten Ratschläge lediglich aus dem Erfahrungsschatz der oft schon lange zurückliegenden eigenen Schulzeit. Da glaubt jeder, in der Bildungspolitik als Experte mitreden zu können. Und während der eine hü schreit, fordert der andere lautstark hott!
Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, sieht man an der Verwaltungsreform im Schulbereich. Auch da wurde der Rat der Fachleute vom damaligen Ministerpräsidenten Teufel wider besseren Wissens weggewischt. Jetzt wird die Reform bei der Schulaufsicht wieder rückabgewickelt, was zum zweiten Mal vielerorts Ärger hervorruft. Und nun hat die mitregierende FDP gegen alle Expertenmeinungen verhindert, dass die ehemaligen vier Oberschulämter aus den Regierungspräsidien wieder ausgegliedert werden können. Wieder musste etwas nur halbherzig angegangen werden, weil die FDP bremste.
Kritiker behaupten zurzeit, dass eine ins Gespräch gebrachte Senkung des Klassenteilers den Hauptschulen nichts bringen würde, da lediglich zehn Prozent der Klassen mehr als 25 Schüler hätten. "Wer so argumentiert, zeigt, dass er noch nie eine Hauptschulklasse mit bis zu 33 Schülern längere Zeit eigenverantwortlich unterrichtet hat", schimpft der VBE-Vorsitzende. Statistik sei das eine, aber der Alltag das andere. "Was nützt es den Lehrern und Schülern einer sehr großen Hauptschulklasse, wenn im Nachbarort eine andere Hauptschule mangels Schülerzahlen optimale Unterrichtsbedingungen hat?"
Der VBE appelliert an die Regierungskoalition, in Fragen der Bildungspolitik auf Querschüsse und Schnellschüsse - auch von Seiten des Schnelldenkers und Schnellsprechers Günther Oettinger - vorerst zu verzichten, ein tragfähiges, zukunftweisendes Gesamtpaket aus einem Guss zu schnüren und dies erst nach gelungener Vollendung der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Profilierungsversuche zu Lasten des Kultusministers gehen auch immer zu Lasten der Schule, warnt der VBE. Rau könne nur das "verkaufen", was CDU und FDP bereit seien, auf den Markt zu werfen. Bunte Bildungskataloge nützten nichts, wenn nachher das Angebotene nicht geliefert werden könne, bringt Karg es auf den Punkt. Und Schule könne in der Tat gar nicht gut genug sein. Gute Ware habe jedoch ihren Preis. Die Gesellschaft müsse wissen, was ihr optimale Bedingungen an den Schulen wert seien.
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