VBE sieht mit Sorge die schwindende Fachlichkeit: "Nur noch Guggenmusik an Grund- und Hauptschulen?"
Schräge Töne, Kreativität und viel Individualismus sind bei der traditionellen Guggenmusik jetzt in den närrischen Tagen besonders gefragt. Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sorgt man sich, wenn im Musikunterricht an den Grund- und Hauptschulen verstärkt nur noch Improvisationen und Dissonanzen den Ton angeben, da in Folge des durch die neuen Fächerverbünde geschickt kaschierten Musiklehrermangels Profession und Fachlichkeit immer mehr auf der Strecke bleiben.
01.02.2009 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergGuggenmusik steht für schräge, schrille, bewusst "falsch" gespielte Töne, die laut Internet-Lexikon "Wikipedia" häufig von Laienmusikern produziert werden, die nicht nach Noten spielen, da sie diese "sowieso nicht lesen können".
Auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt, sieht der VBE im Bereich des Musikunterrichts an Grund- und Hauptschulen die Zeit der "Guggenmusik", des schrägen Laienspiels, gekommen. Mit den neuen Bildungsplänen 2004 wurde Musik in der Grundschule vom Fächerverbund MeNuK (Mensch, Natur und Kultur) geschluckt, ging in der Hauptschule im Verbund MSG (Musik, Sport, Gestalten) unter. So fällt immer weniger auf, dass eigentlich immer mehr "echte" Musiklehrer fehlen und letztendlich die Fachlichkeit auf der Strecke bleibt. Um interdisziplinär arbeiten zu können, ist aber zunächst ein solides Fachwissen nötig.
Dieses Manko scheint man zwischenzeitlich auch im Kultusministerium erkannt zu haben. So dürfen angehende Referendare an Stelle eines Sozial- oder Betriebspraktikums jetzt auch einen "musikpraktischen Nachweis" erbringen. Das ist nach Auffassung des VBE zwar eine nette Geste, bringt aber nicht den Durchbruch, der für eine solide fachliche Aufwertung des musisch-ästhetischen Bereiches dringend erforderlich wäre. Während an den Schulen Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen eine unangefochten sichere Stellung einnehmen, gelten Musik und Kunst gerne als schmückendes Beiwerk. Der VBE setzt sich dafür ein, dass Profis nicht nur für den kognitiven Bereich zuständig sind, sondern auch in "Nebenfächern" unterrichten. Schulen benötigen nicht nur gute Deutschlehrer, sondern gleichfalls qualitativ hochwertig ausgebildete Musikpädagogen. Das wirkt auch einer schleichenden "Verkopfung" des Unterrichts entgegen.
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