VBE: Weiterhin närrische Zeiten in der Bildungspolitik?

Zurzeit laufen an Grundschulen Informationsabende für Eltern von Viert­klässlern, bei denen die Rektoren der weiterführenden Schulen ihre jeweili­ge Schulart vorstellen. Nach Auffassung des Verbandes Bildung und Erzie­hung (VBE) Baden-Württemberg haben bei diesem "Schaulaufen der Rek­toren" die Leiter der Hauptschulen den "Schwarzen Peter" in der Hand. Schuld ist die Landesregierung, die durch verschiedene Ankündigungen und Halbwahrheiten für völlige Verwirrung an der Bildungsfront gesorgt hat. Nicht nur Eltern fühlen sich momentan ziemlich verunsichert.

15.01.2009 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

So soll es künftig Hauptschulen nur noch als Werkrealschulen geben, die zwei­zügig sein müssen. Aufgrund stetig zurückgegangener Schülerzahlen sind die meisten Hauptschulen jedoch einzügig. Einerseits soll es wohnortnahe Angebote geben, andererseits müssen Schulen, um überlebensfähig zu bleiben, fusionie­ren, was Schulschließungen zur Folge haben wird. Nach Aussage einiger Poli­tiker soll es bei den Ankreuzfeldern der Grundschulempfehlung generell keine Hauptschule mehr geben, was aber bedeuten würde, dass diese immer noch be­stehende Schulart keine neuen Schüler mehr bekommt, folglich ausblutet.

Gleichzeitig hält man aber beharrlich an der so genannten Dreigliedrigkeit - die schon lan­ge keine echte mehr ist - fest. Wenn Realschule und Werkrealschule die mittlere Reife anbieten, werden Eltern ihr Kind lieber gleich in der Real­schule anmelden. "Wann kommt das Werkgymnasium?", spötteln Kritiker.

Während in den Tagen vor Fasching so manche Narretei aufgetischt wird, fragen sich die Hauptschulrektoren und -lehrkräfte, ob sie angesichts des bildungspo­litischen Eiertanzes um ihre ungeliebte Schulart lachen oder weinen sollen. Sehr viele fühlen sich wie Clowns, die bekanntlich unter Tränen lachen können.

Der VBE fordert von der Landesregierung endlich eine klare Aussage, wie die baden-württembergische Bildungslandschaft künftig aussehen wird. Der mo­mentane Zustand verunsichert Eltern, Schüler und Lehrer. Und auch so mancher Bürgermeister würde gerne verlässlich wissen, wie es mit "seiner" Schule im Dorf weitergehen kann. Der VBE befürchtet, dass wegen der Kommunalwahlen im Juni derzeit wohl von keiner Seite klärende Worte kommen werden.


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