Niedersachsen

Vergleichsarbeiten auf dem Prüfstand

(red/pm) Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ruft Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund dazu auf, sich stärker um Schulangelegenheiten zu kümmern. Schulen hingegen will er von Bürokratie entlasten, etwa indem die Vergleichsarbeiten nicht mehr verpflichtend sind.

07.07.2010 Artikel
  • © mk.niedersachsen.de

Der Lernerfolg von Kindern hänge stark davon ab, ob in den Familien entsprechende Anreize gesetzt würden, sagte Althusmann im Interview mit dem Kirchenboten, Wochenzeitung des Bistums Osnabrück (Ausgabe vom 11. Juli). "Das gilt nicht nur, aber häufig für Familien mit Migrationshintergrund. Ich appelliere besonders an türkische Familien, sich stärker in den Schullalltag einzubringen." Althusmann reagiert damit auf die Ergebnisse der jüngsten Schulländervergleichsstudie. Danach besuchen in Niedersachsen Kinder der Mittelschicht bei gleicher Leistungsfähigkeit zehnmal so oft das Gymnasium wie Kinder sozial schwacher Familien.

Der Minister schlägt ein Lotsensystem an Schulen speziell für Migranten vor. An jeder Schule solle es einen Lehrer oder anderen Ansprechpartner für ausländische Eltern geben. "Die Eltern sollen wissen: Das ist mein Ansprechpartner für alle Bildungsfragen meines Kindes."

Gerade an Haupt- und Realschulen sowie an den Gesamtschulen sollten die Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens und damit die Ausbildungsreife gestärkt werden. "Meines Erachtens sollten wir das übende Lernen verstärken. Stichwort: üben, üben, üben." Um dafür mehr Unterrichtszeit zu gewinnen, will der Unionspolitiker Lehrer von Bürokratie entlasten. So werde überlegt, die bundesweiten Vergleichsarbeiten in den Jahrgängen drei und acht "nicht mehr bei jedem Durchgang für alle Schulen verbindlich, sondern freiwillig" durchführen zu lassen. Die Arbeiten bedeuten für Schulen einen hohen organisatorischen Aufwand. Derzeit tauschten sich die Kultusministerien über das Thema aus.

Auch werde für die Lernentwicklungsberichte viel Aufwand getrieben. In ihnen halten Lehrer den Lernfortschritt des Kindes fest und reichen ihn von Schule zu Schule weiter. Althusmann: "Ich habe den Eindruck, dass die Berichte im Alltag manchmal nicht sinnvoll genutzt werden. Vielleicht sollten wir bei den Berichten Vorgaben erarbeiten, die den Lehrern die Arbeit erleichtern."


Weiterführende Links

  • Kirchenbote: Eltern & Schule

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