Philologen-Verband NRW

Vernachlässigte Lehrergesundheit - Fürsorge eingefordert

Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband schlägt Alarm: Untersuchungen weisen seit Jahren darauf hin, dass die psychischen Beanspruchungen im Lehrerberuf und die vielzähligen permanenten Arbeitsbelastungen Lehrerinnen und Lehrer krank machen. Mehr als in jeder anderen Berufsgruppe gehört die überwiegende Zahl der Pädagogen zu einer gesundheitlichen Risikogruppe.

02.03.2012 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Die Statistik sagt, dass in einem Kollegium von 50 Lehrkräften 17 psychosomatische Beschwerden aufweisen, 16 sich permanent selbst überfordern, 14 burnout-gefährdet sind und 12 krankheitsbedingt frühpensioniert werden.

Immer mehr und immer früher gehen Lehrkräfte in Teilzeit, weil für sie der Beruf nicht mehr `in Vollzeit` zu leisten ist. Eine völlig unnormale und ungesunde Entwicklung aus Sicht des Philologen-Verbandes.

"Unser Schulsystem steht vor der Implosion! Die schulpolitisch Verantwortlichen ignorieren die Probleme. Fürsorge – Fehlanzeige! Fahrlässig lässt man zu, dass psychische und psychosomatische Erkrankungen neben Muskel-, Rücken-, Herz- und Kreislauferkrankungen immer größere Kreise ziehen. Statt regelmäßiger, konsequenter und effektiver Förderung von Lehrergesundheit treibt die Schulpolitik die Kolleginnen und Kollegen von einer Reform zur anderen. Ein Projekt jagt das nächste. Man vertröstet auf kleinere Klassen und zumutbare Arbeitsbedingungen in den Schulen. Spitzenbelastungen im Korrekturbereich werden totgeschwiegen; Klagen von Betroffenen damit beantwortet, dass es ja einen überbetrieblichen arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Dienst gebe. Der Umgang mit der extrem hohen arbeitszeitlichen Belastung der Lehrerinnen und Lehrer ist ein Armutszeugnis! Der Philologen-Verband nimmt sich des Problems an und veranstaltet zum wiederholten Mal einen Gesundheitstag in Düsseldorf. Im Mittelpunkt stehen Strategien gegen Dauerstress und Überforderung. Doch kann dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Denn jeder weiß, dass gute Schule nur mit gesunden Lehrkräften zu machen ist", so Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.

Andreas Bartsch, Schatzmeister des Deutschen Philologenverbandes und Geschäftsführer des Philologen-Verbandes in NRW, ergänzt:

"Die Gesunderhaltung der Lehrkräfte und deren Berufszufriedenheit sind Ecksteine für hohe Qualität von Schule und Unterricht. Denn Freude am Lernen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler und Freude am Lehren auf Seiten der Lehrkräfte sind zwei Seiten einer Medaille, die gleichberechtigt nebeneinander stehen müssen".

Im Rahmen des Gesundheitstages werden renommierte Experten in Workshops Techniken vorstellen, um den Berufsalltag optimaler zu organisieren und Erschöpfungsgefahren vorzubeugen. Die Techniken reichen von effektivem Zeitmanagement über bewusste Ernährung bis hin zu Bewegungs- und Entspannungsübungen.

Der Philologen-Verband verlangt, dass das Schulministerium den hohen Belastungen der Lehrkräfte entgegensteuert. Das Konnexitätsprinzip muss gelten, dass neuen Aufgaben zusätzliche arbeitszeitliche Ressourcen entsprechen müssen. "Die Reformeskapaden in den Schulen haben einen Raubbau an der Gesundheit der Lehrkräfte zur Folge. Schulqualität aber ist nur mit motivierten, engagierten, gesunden Lehrerinnen und Lehrern zu leisten!", so Peter Silbernagel.


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