Viele Medien - wenig Kompetenz

(bikl/idw) Das Computerspiel zum Film, die Internetseite zur Fernsehserie, das Buch zum Sammelkartenspiel - was Kinder und Jugendliche begeistert, wird längst in mehreren Medien gleichzeitig vermarktet. Und wie kommen diese Angebote bei den potenziellen Nutzern an? Das wird gegenwärtrig am Lehrstuhl für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig erforscht.

03.05.2005 Artikel

Das "Medienkonvergenz Monitoring" will in einem ersten Schritt die Konvergenzen (also Verknüpfungen zwischen den einzelnen Medien) erfassen und im zweiten Schritt dieses Angebot aus der Sicht der Nutzer betrachten. "Bisher wurde die Frage der Konvergenz lediglich aus der wirtschaftlichen Perspektive betrachtet", erklärt Iren Schulz, die das Projekt koordiniert. Nachdem die Medienwissenschaftler unter Leitung von Prof. Bernd Schorb seit dem Start des Projekts im Jahr 2003 Medientrends wie den Musiktausch im Internet, LAN-Partys und Sammelkartenspiele wie "Yu-Gi- Oh" und "Magic - The Gathering" genauer beleuchtet haben, steht derzeit der Mobilfunk im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Handys: Telefonieren ist Nebensache

Die aktuellen Handys sind vielseitig nutzbare Multimediageräte und die Anbieter stellen mehr und mehr Dienste bereit, die das Mobiltelefon eher als Vehikel benutzen: Dazu gehören unter anderem die inzwischen gängigen Kameras, eigens fürs Handy gedrehte GZSZ-Folgen, Livestreams vom Fußball oder Klicks ins Internet. Als unangefochtener Spitzenreiter behauptet sich im Moment die Vermarktung von Musik via Handy, vor allem als Download von Klingeltönen und Songs. Das Heikle, für Kinder und Jugendliche oft schwer Überschaubare dabei sind die finanziellen Konsequenzen: Nicht selten hängen am ersten Download langfristige und kostspielige Abonnements. Inzwischen wird aus Sicht des Jugendmedienschutzes diskutiert, das Telekommunikationsgesetz zu ändern, um Heranwachsende vor teuren Handy-Diensten zu schützen.

Teure Töne und Spiele

Derweil machen die "Betroffenen" ihre eigenen Erfahrungen, wie das Monitoring verdeutlicht: Aus Neugier auf die vor allem in den Werbepausen der Musiksender ausgestrahlten Angebote versuchten die Heranwachsenden, sich Töne, Spiele und andere Informationen auf ihr Handy zu laden. "Ihre Bewertungen", so Iren Schulz, "fallen allerdings besonders wegen der undurchsichtigen Darstellung von Download- und Vertragsbedingungen negativ aus." Die Medienwissenschaftlerin erzählt von Laura, die in einem Interview meinte: "Wer drauf reinfällt, hat Pech." Das 15-jährige Mädchen würde es grundsätzlich verbieten, dass Jugendliche Mobilfunkverträge abschließen können: "Die müssen erstmal lernen mit dem ganzen Geld umzugehen und die verdienen ja auch noch nichts. Und wenn du im Internet surfst, dann ist eine Stunde sehr viel Geld auf dem Handy."

Kompetenz statt Verbot

Klar ist: Mit den heute 8- bis 19-Jährigen, die im Laufe des Monitorings befragt werden, ist die erste Generation herangewachsen, zu deren Alltag Computer, Gameboy, Internet so selbstverständlich gehören wie Fernsehen zum Alltag ihrer Eltern und Radio zu dem ihrer Großeltern gehörten. Allein mit Beschränkungen und Verboten, so die Erfahrung von Iren Schulz aus den Fragebögen und Interviews mit den Kindern und Jugendlichen zur Mediennutzung, ist überteuerten Angeboten oder gefährdenden Inhalten allerdings nicht wirksam zu begegnen. Sie verweist auf das Internet, wo weder das Sperren von Webseiten noch die Installierung von Filtersoftware noch Altersbeschränkungen den Zugang zu problematischen Portalen tatsächlich verhindern. Die Leipziger Medienwissenschaftlerin plädiert für einen "kritischen und kompetenten Umgang mit Medien". Und der muss erlernt werden.

Deswegen dienen die Ergebnisse des Monitorings nicht allein der medienpädagogischen Forschung. Sie fließen zugleich in die Beratung von Eltern und Erzieher/innen ein. Medienpädagogische Erkenntnisse in die Ausbildung von Lehrer/innen einzubinden, gehört aus Sicht von Iren Schulz zu den erforderlichen Schritten. "Je mehr Digitalisierung in die Medien Einzug hält, umso mehr ist Medienkompetenz gefordert."

Weitere Informationen

www.medienkonvergenz-monitoring.de


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