Von Baden-Württemberg lernen

"Die durch die Qualitätsoffensive Hauptschule angestrebten Veränderungen machen eine wissenschaftliche Begleitung zwingend erforderlich. Die baden-württembergische Landesregierung macht vor, wie es sein muss", erklärte Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres.

06.08.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

In ihrem Papier zur Qualitätsoffensive Hauptschule vom 14.01.08 betont die nordrhein-westfälische Landesregierung, sie habe die Chancen der Hauptschule, "sich im Wettbewerb mit anderen Schulformen zu behaupten, verbessert." Diese Behauptung ist bisher nicht belegt. Unbestritten ist, dass die Landesregierung viel Geld in die Hand nimmt, um die Hauptschule zu stützen.

Zu kritisieren ist allerdings, dass eine Qualitätsoffensive Hauptschule in Gang gesetzt wurde, ohne den Ist-Zustand an den Hauptschulen im Vorfeld wissenschaftlich erfasst zu haben. Nur so wäre es möglich, in der Folge die Wirkung der getroffenen Maßnahmen auch tatsächlich überprüfen zu können.

Das Vorgehen der Landesregierung ist nicht professionell.

Baden-Württemberg hat dagegen ein hochkarätig besetztes Wissenschaftlerteam mit einer Längsschnittstudie zur Kompetenzentwicklung von Haupt- und Realschülern beauftragt. An dieser Studie ist u. a. Jürgen Baumert beteiligt. Die Wissenschaftler beobachten den tatsächlichen Leistungszuwachs der Schüler in Lesen, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Dabei werden auch Komponenten untersucht, die möglicherweise negative Effekte auf die Leistungsentwicklung haben, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Schülerschaft. Die Untersuchung wird parallel an Mittelschulen in Sachsen durchgeführt, um Vergleichsmöglichkeiten auch mit anderen Strukturen zu haben.

"Bereits die erste PISA-Studie hat die Schulformen als differenzielle Entwicklungsmilieus ausgemacht. Sie kam zu dem Schluss, dass es keinesfalls gleichgültig ist, welche Schulform ein Kind besucht. In diesem Zusammenhang können hier weitere Daten sehr nützlich sein", so der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Es reiche nicht aus, Maßnahmen in Gang zu setzen und zu behaupten, die in Gang gesetzten Maßnahmen zeigten die gewünschte Wirkung. Der VBE fordert deshalb die Landesregierung auf, eine vergleichbare Studie auch für NRW in Auftrag zu geben.

Die Landesregierung betont immer wieder, keine "ideologische Schulstrukturdebatte" führen zu wollen. Das betont der baden-württembergische Kultusminister auch.

"Dann ist es aber nur konsequent, sich gezielt um empirisch abgesicherte Daten zu kümmern, um aus diesen die Maßnahmen abzuleiten, die wirklich nötig sind", so Beckmann. "Die Landesregierung muss das bisher Versäumte schleunigst nachholen."


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