Zu wenig Förderung an den Schulen
(redaktion/pm) Förderung wird in Deutschlands Schulen unprofessionell gehandhabt. Das zumindest ist das Ergebnis der neuesten Befragung des Bildungsbarometers des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Landau.
27.08.2008 ArtikelWie wird in unserem Bildungssystem gefördert, wer ist dabei einbezogen, wie kommt die Förderung bei den direkt und indirekt Betroffenen an? Solche und ähnliche Fragen waren Gegenstand der Befragung.
Ein zentrales Ergebnis: Eltern bezeichnen die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften bei der Förderung der Kinder in den Schulen als nur befriedigend. Förderung kann aber nur dann funktionieren, wenn Elternhaus und Lehrkräfte gut miteinander kooperieren.
Sehr bedenklich ist nach Ansicht der Wissenschaftler die Tatsache, dass ein geradezu verschwindend geringer Teil der Eltern überhaupt angeben kann, dass überhaupt ein Förderplan entwickelt wurde. Förderpläne seien aber unverzichtbar. Dieses Ergebnis spreche für eine nichtprofessionelle Handhabung der Förderung in Deutschlands Schulen.
Einer Förderung vorgeschaltet ist üblicherweise Diagnostik, deren Ergebnis entscheidet, ob ein Förderbedarf vorliegt. Hier zeigten sich in der Befragung nur 14,4 Prozent der Lehrkräfte mit diagnostischen Hilfsmitteln vertraut. Damit, so die Schlussfolgerung, fehlt ein wichtiges Baustück bei der Begründung und Kontrolle von Förderung.
Besonders auffällig: Die Lehrkräfte fühlten sich für keinen in der Befragung vorgegebenen Förderbereiche vorbereitet. Das gilt für soziale Kompetenzen ebenso wie für das Lern- und Arbeitsverhalten, Motorik, Bewegung und Sport, aber auch für die Lebensgestaltung und Selbstverwirklichung.
"Das ist insgesamt eine ernüchternde Bestandsaufnahme der Förderung an Deutschlands Schulen. Die Ergebnisse machen deutlich, warum Schule soziale Benachteilungen nicht auffangen kann. Individuelle Förderung ist der Schlüssel zur Verbesserung der Bildung in Deutschland und zur Sicherung von Chancengerechtigkeit", erklärt Prof. Dr. Reinhold S. Jäger vom zepf, das gemeinsam mit der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) das Bildungsbarometer realisiert. "Individuelle Förderung ist die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und eine gelungene Bildungsbiographie. Die durch das Bildungsbarometer aufgezeigten Problembereiche sind markant. Der jetzige Zustand der Lehrerausbildung ist angesichts der notwendigen Förderung nicht hinnehmbar. Dadurch entsteht ein ungeheuerer volkswirtschaftlicher Schaden. Wenn wir heute nicht strategisch die richtigen Weichen stellen und das notwendige Geld für einen Ausbau der Förderung in die Hand nehmen, dann werden wir das Problem fehlender Schulabschlüsse und sozialer Benachteiligung nicht in den Griff bekommen. Ich setze deshalb auf den Bildungsgipfel im Oktober in Berlin!"
Bei der Online-Befragung haben 1510 Personen den Fragebogen vollständig bearbeitet, davon waren 510 Personen in der Funktion von Eltern und 545 Lehrkräfte.
Weiterführende Links
- Bildungsbarometer: Förderung im Bildungssystem (pdf)
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