Zum VBE-Schulleitertag am 09.02.2008: Tausendsassa oder Schlüsselfigur?

Etwa 350 Grund- und Hauptschulen in NRW sind inzwischen ohne Schulleiter. Darauf wies der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann auf dem diesjährigen VBE-Schulleitertag, der am Wochenende in Leverkusen mit ca. 300 Teilnehmer/innen aus ganz NRW stattfand, hin. Manche Stellen müssten mehrmals ausgeschrieben werden, bis sich überhaupt jemand bewerbe, stellte Beckmann im Beisein von Günter Winands, Staatssekretär im Schulministerium, fest. Von Auswahl könne überhaupt keine Rede mehr sein.

11.02.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Winands betonte in seinem Einführungsreferat, dass der Schulleitung eine entscheidende Schlüsselrolle in einer sich verändernden Schule zukomme. Der Staatssekretär wörtlich: "Das Funktionieren jeder Einrichtung hängt wesentlich von den Führungskräften ab. Das gilt auch für die Schule." Eigenverantwortung von Schule bedinge einen Rollen- und einen Mentalitätswechsel. Das gelte für Schulleitung und Schulaufsicht gleichermaßen.

Schulleiterinnen und Schulleiter sollen in eigenverantwortlichen Schulen laut Landesregierung Entwicklungsmotor sein und das Organisations-, Personal- und Qualitätsmanagement vorantreiben. Das wäre in der zur Verfügung stehenden Zeit kaum zu leisten, kritisierte Beckmann. In kleinen Schulen müssten sie zusätzlich zu ihren Leitungsaufgaben bis zu 20 Stunden unterrichten und hätten zum Teil nur an ein bis zwei Tagen pro Woche die Unterstützung einer Sekretärin für Verwaltungsarbeiten.

Das Amt des Schulleiters/der Schulleiterin ist inzwischen in NRW ein Wahlamt. Die Schulkonferenz wählt den künftigen Schulleiter zunächst für fünf Jahre. Nach erfolgreicher Wahl erwartet den frischgebackenen Schulleiter häufig als erste "Motivation" eine Beförderungssperre von 18 Monaten. Dafür darf oder er oder sie aber im Gegenzug der Motor der Schulentwicklung sein.

"Auf die Politik übertragen hieße das, dass die Schulministerin ihr Amt 18 Monate lang zu ihrem alten Gehalt als Schulrätin ausgeübt hätte, einen Teil der Arbeiten aus ihrer vorherigen Tätigkeit als Ministerin weiterführen und Verwaltungsarbeiten teilweise selbst übernehmen müsste", so Beckmann weiter. "Dafür bekäme sie dann aber im Gegenzug ein umfangreicheres Ressort zugeteilt."

Mit dem Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes am 01.08.2006 wurden alle Schulen in NRW mit einem Federstrich zu eigenverantwortlichen Schulen erklärt. Dass die Schulen eigenverantwortlich handeln sollen, hält der VBE für eine richtige und unverzichtbare Entwicklung. "Aber das ist, wie der Modellversuch selbständige Schule gezeigt hat, nicht zum Nulltarif zu haben", so Beckmann.

"Wer zudem die Besten für die Leitungspositionen in den Schulen will, muss auch etwas anzubieten haben", so Beckmann weiter. "Wenn das Gehalt eines Schulleiter in einer kleinen Schule im Schnitt 500 Euro brutto über dem eines Lehrers liegt, und er oder sie dies erst Monate nach der Funktionsübernahme erhält, kann man nicht von finanziellen Anreizen sprechen. Es macht die Funktion auch nicht attraktiver, dass ständig neue Aufgaben hinzukommen, ohne dass die dafür notwendigen Zeitressourcen zur Verfügung gestellt würden."

Die Arbeitsbereiche von Schulleiterinnen und Schulleitern sind für die Öffentlichkeit ein ebenso dunkler Fleck wie die Tätigkeitsfelder und die Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, hat der VBE NRW in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Prof. Bernhard Sieland von der Universität Lüneburg mit der Erfassung dieser Arbeitsbereiche und dem damit verbundenen Zeitaufwand beauftragt. Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulformen können in einem Online-Tagebuch ihre persönlichen Arbeits- und Zeitabläufe sammeln und diese mit anderen vergleichen. Sie sollen dabei zum einen Hilfestellungen für ihr eigenes Zeitmanagement bekommen. Zum anderen geht es dem VBE darum, Arbeitsabläufe, Tätigkeitsfelder und Zeitfaktoren in der Schulleiterfunktion so zu erfassen, dass sie transparent werden und die Basis für Verhandlungen mit der Landesregierung über konkrete Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Schulleitungen bilden können.

"Wir werden die Landesregierung mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontieren und Taten einfordern", so Beckmann abschließend.

Das Schulleiter-online-Tagebuch ist ab Montag, den 11.2.08 für alle Schulleitungsmitglieder in NRW zugänglich. Klicken Sie hier.


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