Zusammenspiel von Hallenbad und Schule: umweltfreundliche Alternative für Altbau

Schulfrust statt Lernlust? Bei Schulgebäuden, die älter als 30 Jahre sind, kann dieses Gefühl bei den Pennälern schon aufkommen. Denn der Zahn der Zeit nagt an diesen Gebäuden und lässt Fensterrahmen und Fassaden alt aussehen. Zudem wird viel Strom und Wärme vergeudet und führt die Schulen zu hohen Ausgaben bis hin zu Überlegungen zum Abriss. Eine umweltfreundliche Alternative steht jetzt dem Schul- und Sportzentrum in Lohr am Main bevor: Modernisierung mit dem Ziel 80 Prozent weniger Energieverbrauch und nahezu Passivhausstandard. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt die Planung des Vorhabens mit 125.000 Euro. Heute hat DBU-Abteilungsleiter Umwelttechnik, Dr. Wulf Grimm, das Bewilligungsschreiben an den Vorsitzenden des Zweckverbandes Schul- und Sportzentrum Lohr und Ersten Bürgermeister der Stadt, Ernst Prüße, übergeben.

18.01.2010 Pressemeldung Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Das Schulzentrum in Lohr wurde in den 70er Jahren erbaut, nach Plänen des so genannten "Kasseler Modells" - eine typische Bauweise der 60er und 70er Jahre, bei der Fertigteile aus Stahlbeton ein schnelles Errichten von Gebäuden ermöglichten. Auf der Grundfläche von rund 25.000 Quadratmetern befinden sich eine Hauptschule, ein Gymnasium, eine unterteilbare Turnhalle und ein Hallenbad. Vor allem die äußeren Betonbrüstungen und -stützen sind heute, rund 30 Jahre später, sanierungsbedürftig. Auf Wärmedämmung wurde damals kein Wert gelegt: "Die Ausgaben für Heiz- und Stromkosten sind beträchtlich", sagte Geschäftsführer des Zweckverbandes, Uli Heck. Der Verbrauch für Wärme und Strom in der Schule entspreche dem Bedarf von etwa 180 bis 190 Einfamilienhäusern.

"Mit Hilfe der DBU kann nun ein Konzept für den Umbau der Schule nach Passivhausstandard entwickelt werden", sagte Grimm heute. Moderne Heizungs- und Lüftungstechnik in Kombination mit der Nutzung erneuerbarer Energien soll künftig das Schulbild des großen Komplexes in Lohr prägen. Grimm: "Auch auf den ersten Blick nicht erkennbare bautechnische Lösungen können zum Ziel führen." So könnte beispielsweise die höhere Rücklauftemperatur des Schwimmbades zur Heizung in Schule und Turnhalle genutzt werden. Die Anpassung an den jeweiligen Wärmebedarf könne sich so verbessern. Auch die 'kostenlosen Energieträger', wie Sonne und Erdwärme, sollen für die Planung unter die Lupe genommen werden. In der Planung sei auch eine dem Passivhausstandard entsprechende Hausfassade, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Wärmepumpe, die mit regenerativ erzeugtem Strom laufen soll, vorgesehen. Ein kohlendioxidneutraler Betrieb solle so für die Schule ermöglicht werden. "Insgesamt sollen hier einmal rund 80 Prozent weniger Energie als zuvor verbraucht werden", so Grimm. Der Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid könne dadurch ebenfalls um 80 Prozent gemindert werden. Potentiale der Biomassenutzung werden geprüft.

Die Schulräume sollen darüber hinaus an Barrierefreiheit und heutige pädagogische Konzepte angepasst werden. "Der Frontalunterricht ist heute durch neue Medien, kleinere Gruppen und andere Unterrichtsmethoden abgelöst worden", sagte Grimm. Die energetischen Grundsätze und die damit verbundenen umweltrelevanten Auswirkungen sollen dann auch im Unterricht bearbeitet und vertieft werden.

"Mit dem vorgesehenen Konzept geht nicht nur eine Schule mit der klimafreundlichen Instandsetzung eines öffentlichen Gebäudes als gutes Vorbild voran", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde, "sondern es werden auch Lehrer und Schüler für erneuerbare Energien sensibilisiert". Da der Konstruktionstyp "Kasseler Modell" in ähnlicher Bauweise an rund 150 weiteren Standorten zu finden sei, könnten die Ergebnisse bundesweit auf eine Vielzahl ähnlicher Schul- und Verwaltungsbauten übertragen werden. Brickwedde: "Damit ist das Vorhaben modellhaft für andere Sanierungsprojekte."


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