Vergleichsstudie

INSM-Bildungsmonitor 2026: Sachsen bleibt Bildungssieger

Bayern wird Vize-Meister, Schlusslicht der deutschen Bundesländer bleibt Bremen und fällt am stärksten zurück. Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern, der Bildungserfolg hängt stark von der sozialen Herkunft ab.

14.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)
  • Ein Schüler sitzt an einem Tisch und fasst sich anscheinend verzweifelt in die Haare. © Adobe Stock Der Bildungsmonitor sieht erheblichen Handlungsbedarf - von der frühen Sprachförderung bis hin zu flexiblen Wegen der beruflichen Nachqualifizierung.

Sieger im Bildungsranking der deutschen Bundesländer bleibt auch im INSM-Bildungsmonitor 2026 Sachsen, gefolgt von Bayern. Dahinter folgen Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland. Am Ende des Feldes liegen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schlusslicht bleibt Bremen.

Die jährliche Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand umfangreicher Indikatoren in verschiedenen Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Zugleich untersucht der Bildungsmonitor 2026 im Schwerpunktthema die soziale Mobilität durch Bildung und die Folgen fehlender Berufsabschlüsse für Arbeitsmarkt und Wohlstand.

Bildungsmobilität hat zugenommen, ist aber nach wie vor schwach ausgeprägt

In Ergänzung zur aktuellen PISA-Studie zeigt die diesjährige Sonderauswertung zur Chancengerechtigkeit neben dem kritischen Bild in den Schulen auch eine positive Entwicklung: Der Bildungsaufstieg junger Erwachsener hat von 2004 bis 2014 und von 2014 bis 2024 zugenommen. Vor allem die berufliche Bildung und die Hochschulen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Jugendliche Bildungsaufstiege erreichen können. Nach wie vor hängt der Bildungserfolg in den Schulen aber zu stark von der sozialen Herkunft ab. Gelingt der Zugang zu guter Bildung in Kita und Schule, können sich die Bildungswege heute häufiger vom Elternhaus lösen als früher.

Studienleiter und Bildungsökonom Professor Dr. Axel Plünnecke vom IW erklärt: „Die Daten zeigen, dass Bildung in Deutschland weiterhin Aufstieg ermöglicht und der Bildungsaufstieg in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen hat. Zugleich ist jedoch, wie PISA aktuell wieder zeigt, auch die Bildungsarmut gestiegen. Der Bildungserfolg entscheidet immer stärker darüber, ob Menschen dauerhaft am Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Deshalb müssen wir Bildungsqualität konsequent verbessern und insbesondere diejenigen stärker fördern, die sonst den Anschluss verlieren.“

Ein Fünftel ohne Berufsabschluss gefährdet Fachkräfte und Wohlstand

Neben diesen positiven Signalen macht der Bildungsmonitor 2026 auf ein gravierendes strukturelles Problem aufmerksam: Knapp ein Fünftel (18,8 Prozent) der jungen erwachsenen Bevölkerung verfügt über keinen formalen Berufsabschluss. Die Folgen reichen weit über individuelle Einkommenseinbußen hinaus. Menschen ohne Abschluss tragen ein deutlich höheres Risiko für Arbeitslosigkeit und Armut, haben geringere Aufstiegschancen und sind häufiger von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen.

Gleichzeitig verschärft der hohe Anteil an Menschen ohne Berufsabschluss den Fachkräftemangel und belastet damit die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Der Bildungsmonitor sieht deshalb erheblichen Handlungsbedarf - von der frühen Sprachförderung bis hin zu flexiblen Wegen der beruflichen Nachqualifizierung.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben erklärt: „Trotz einzelner Verbesserungen bei der Sozialen Mobilität ist der neue Bildungsmonitor insgesamt ein Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland. Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern. Es ist beschämend, dass fast ein Fünftel der Menschen ohne Abschluss ist. Wir brauchen gezielte Reformen von der frühkindlichen Bildung bis zur beruflichen Nachqualifizierung, um niemanden zurückzulassen. Da wir kaum Rohstoffe im Boden haben, müssen wir mehr investieren und vor allem viel effizienter investieren, um den Rohstoff Bildung zu heben.“

Konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Bildungsqualität

Aus den Ergebnissen des Bildungsmonitors leitet die INSM vier zentrale Reformprioritäten ab:

  • Gezielte Sprach- und Frühförderung: Verbindliche Sprachtests und frühkindliche Förderung im Kita-Alter, um Chancengleichheit von Beginn an zu stärken.
  • Gezielte Förderung von Risikogruppen: Bildungsinvestitionen stärker auf Schulen mit hohem Förder- und Armutsrisiko konzentrieren, etwa über Programme wie das Startchancenprogramm.
  • Stärkung der beruflichen Nachqualifizierung: Flexible Wege zum Berufsabschluss für junge Erwachsene ohne formalen Abschluss schaffen und bestehende Angebote ausbauen.
  • Datengestützte Qualitätsentwicklung: Schulen mehr Gestaltungsspielraum geben und gleichzeitig regelmäßige, standardisierte Leistungstests zur Qualitätsentwicklung und Identifikation von Förderbedarfen nutzen.

Die Studie mit allen Länderprofilen und dem Schwerpunktthema „Soziale Mobilität durch Bildung“ wird heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.


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