didacta-Podcast

„Viele Probleme, die in Schule sichtbar werden, sind gar kein Problem von Schule“

Deutschland hat ein Problem mit Bildungsungleichheit. Daran hat sich in den letzten 25 Jahren wenig geändert. Warum das so ist, wo Ungleichheiten entstehen und wie unser Bildungssystem alle Kinder besser mitnehmen könnte, erklärt Kai Maaz im didacta-Bildungspodcast.

16.06.2026 Bundesweit Artikel Anna Petersen
  • Bild von Kai Maaz mit dem didacta-Podcast-Logo. © fotorismus für DIPF Kai Maaz leitet das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Bildungssysteme und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Gemeinsam mit Moderatorin Anna Petersen wirft der Bildungsforscher einen Blick auf Ganztagsausbau und Startchancenprogramm, Selektion nach Schulformen, Sprachstandserhebungen und insbesondere den Bildungsauftrag von Kita. Kai Maaz bezieht sich dabei auch auf Ergebnisse des neuen nationalen Bildungsberichts, den der Soziologe mitverantwortet und der am 15. Juni veröffentlicht wurde.

Das Gespräch führte Anna Petersen am 11. Juni 2026.

Anna Petersen: Herr Professor Maaz, wenn Sie den Status quo der Bildungsungleichheit in Deutschland in einem Satz beschreiben müssten, wie würde der lauten?

Prof. Kai Maaz: Der Status quo zur Bildungsungleichheit in Deutschland, der lässt sich relativ leicht in einem Satz beschreiben, nämlich: Wir stehen da, wo wir vor 25 Jahren standen. Wir haben ausgeprägte soziale Ungleichheiten, sowohl bezogen auf den Zugang zu Bildungseinrichtungen als auch auf die erreichten Kompetenzstände. Und das nicht nur da, wo die großen Bildungsstudien in der Schule stattfinden, sondern auch davor und danach.

Hier können Sie die aktuelle Folge des didacta-Podcasts anhören:

Wenn wir auf die neuesten Ergebnisse des nationalen Bildungsberichts schauen und natürlich auch auf andere Studien: Gibt es für Sie einen aktuellen Befund oder Trend zur Bildungsbenachteiligung, der Sie – neben dem, was Sie gerade gesagt haben – besonders beunruhigt?

Nun ja, [es] beunruhigt mich zum einen die Situation, dass wir in den letzten 25 Jahren zwar sehr viel im System verändert haben und auch sehr viel investiert haben, um Bildungsungleichheit abzubauen, aber die Effekte ähnlich groß sind wie vor 25 Jahren. Das finde ich eigentlich besorgniserregend, weil ich sehe im System, das gar nicht mal zu wenig unternommen wird, sondern es gibt sehr viele Programme, sehr viele Maßnahmen, sehr viele Förderungen. Aber die Frage ist: Zahlen sie alle auf das gleiche Ziel ein? Und da, glaube ich, sollten wir in Zukunft besser hinschauen, dass die Maßnahmen, die wir entwickeln, die implementiert werden, auch wirklich ineinandergreifen und dass sie nicht erst da ansetzen, wo Ungleichheiten in den Studien sichtbar werden. Das ist ein großes Problem bildungspolitischer Aktivitäten: Man sieht in Studien ein Problem, beispielsweise in der Sekundarstufe I oder in der Grundschule. Also entwickelt man Förderprogramme für die Sekundarstufe I oder für die Grundschule. Wir wissen aber, dass das Problem viel, viel früher angeht. Und wenn wir das nicht aufnehmen, dann werden wir den Ungleichheiten immer hinterherrennen. Wir werden also nicht vor die berüchtigte Welle kommen, sondern immer dahinter bleiben. […]

Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify, Apple, Podcast.de und Deezer.



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