Zumeldung

PISA 2025 – Leistungsdefizite werden an den beruflichen Schulen spürbar

Die veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sind aus Sicht des Verbands der Lehrkräfte an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) ein deutliches Warnsignal. Deutschlands 15-Jährige erreichen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte, die für Deutschland in PISA-Studien bislang gemessen wurden.

10.09.2026 Bayern Pressemeldung Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern e.V.
  • Gruppe junger Erwachsener im Unterricht. © Adobe Stock Gerade die beruflichen Schulen sind mit einer zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler konfrontiert.

Für den VLB ist klar: Die Folgen dieser Entwicklung werden auch in den beruflichen Schulen ankommen.

Deutschland erreicht 2025 im Durchschnitt 464 Punkte in Mathematik, 465 Punkte im Lesen und 486 Punkte in den Naturwissenschaften. Besonders kritisch ist die Entwicklung bei den leistungsschwächeren Jugendlichen. Gegenüber 2015 ist ihr Anteil in Mathematik um 17 Prozentpunkte, beim Lesen um 15 und in den Naturwissenschaften um 10 Prozentpunkte gestiegen.

„PISA endet nicht mit dem Schulabschluss. Die Folgen kommen an den beruflichen Schulen an“, erklärt VLB-Landesvorsitzender Pankraz Männlein. Wer Schwierigkeiten hat, einen Text sicher zu verstehen, mathematische Zusammenhänge zu erfassen oder Informationen kritisch zu bewerten, nimmt diese Schwierigkeiten nur allzu oft mit in Ausbildung und Beruf.

Berufliche Schulen dürfen nicht zur Reparaturwerkstatt werden

Lesen, Rechnen und Problemlösen sind keine Kompetenzen, die mit dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule ihre Bedeutung verlieren. Sie bilden vielmehr die Grundlage für berufliches Lernen und berufliche Handlungskompetenz.

„Die beruflichen Schulen dürfen nicht zur Reparaturwerkstatt des allgemeinbildenden Schulsystems werden“, so Männlein. „Natürlich greifen unsere Lehrkräfte vorhandene Defizite auf und unterstützen junge Menschen dabei, diese auszugleichen. Aber dafür braucht es Zeit, Personal und geeignete Rahmenbedingungen.“

Gerade die beruflichen Schulen sind mit einer zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler konfrontiert. Unterschiedliche Schulabschlüsse, Bildungsbiografien, Sprachkenntnisse und individuelle Lernvoraussetzungen treffen dort unmittelbar auf die Anforderungen von Ausbildung und Beruf.

Dabei sieht der VLB gerade in der beruflichen Bildung eine besondere Chance: „Unsere Stärke ist die Verbindung von Lernen und konkretem beruflichem Handeln“, erklärt Männlein. Mathematik wird bei einer Kalkulation plötzlich relevant, Lesen bei einer Arbeitsanweisung und Problemlösen bei einem konkreten Kundenauftrag. Berufliche Bildung kann aus Wissen Handlung machen.

KI braucht Kompetenz – nicht Abhängigkeit

Auch die Ergebnisse zur digitalen Welt sind für die beruflichen Schulen von besonderer Bedeutung. PISA 2025 untersucht erstmals das computergestützte Problemlösen. Deutschland liegt dabei ungefähr auf dem OECD-Niveau. Zugleich zeigt die Studie, dass digitale Werkzeuge und KI dann hilfreich sind, wenn sie gezielt eingesetzt werden – nicht, wenn sie eigenes Denken ersetzen.

„Die Frage ist längst nicht mehr, ob junge Menschen KI nutzen. Sie tun es. Die entscheidende Frage ist, ob sie gelernt haben, damit kritisch und fachlich sinnvoll umzugehen“, sagt Männlein.

Gerade die beruflichen Schulen könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen. KI lasse sich unmittelbar mit realen beruflichen Aufgaben verbinden – etwa bei Recherche, Planung, Kalkulation, Programmierung oder Fehleranalyse.

KI darf zum Werkzeug werden, aber nicht zur Krücke, d. h., wer einer KI eine Aufgabe überträgt, muss verstehen, worum es geht, und anschließend beurteilen können, ob das Ergebnis überhaupt stimmt.

Mehr Heterogenität braucht mehr Unterstützung

Der VLB warnt deshalb davor, die Konsequenzen aus den PISA-Ergebnissen lediglich mit neuen Konzepten und zusätzlichen Anforderungen an Schulen und Lehrkräfte beantworten zu wollen. Das beschlossene Stellenmoratorium der Bayerischen Staatsregierung wirkt an dieser Stelle in besonderer Weise kontraproduktiv.

„Mehr Heterogenität verlangt mehr Professionalität – und nicht einfach mehr Aufgaben für die Lehrkräfte“, betont Männlein. Individuelle Förderung, Sprachförderung, Lernbegleitung und der professionelle Umgang mit digitalen Werkzeugen benötigen entsprechende Ressourcen.

Für den VLB ist die aktuelle PISA-Studie deshalb vor allem ein Auftrag, die gesamte Bildungskette in den Blick zu nehmen. „Wir sollten die Ergebnisse der PISA-Studie nicht nur dahingehend interpretierten, was in den Schulen nicht funktioniert. Vielmehr müssen wir fragen, was die Ergebnisse für Ausbildung und Beruf bedeuten. Und dann wird schnell klar: Die beruflichen Schulen sind nicht Teil des Problems – sie sind ein wichtiger Teil der Lösung – so der VLB-Landesvorsitzende.

Angesichts des Fachkräftebedarfs brauche Deutschland junge Menschen, die lesen, rechnen, kommunizieren, Probleme lösen und Verantwortung übernehmen könnten.

„PISA misst, was Jugendliche können. Die beruflichen Schulen müssen zunehmend auffangen, was sie noch nicht können – und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie können, was sie morgen im Beruf können müssen“, fasst Männlein zusammen. Das ist mehr als eine Reparaturaufgabe, das ist Zukunftssicherung!


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