Schülerzahlen: Demografischer Wandel erreicht die Schulen früher
Die Bildungsministerkonferenz hat die aktuelle Vorausberechnung der Zahlen der Schüler:innen sowie der Absolvierenden bis 2040 zur Veröffentlichung freigegeben: Bis 2029 gibt es noch rund 270.000 Schüler:innen mehr – bis 2040 knapp 700.000 weniger als 2025.
18.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Sekretariat der KultusministerkonferenzNach der Modellrechnung wirkt sich die bereits in der vergangenen Vorausberechnung erkennbare demografische Wende früher und stärker auf die Schulen aus. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen steigt zunächst von rund 11,27 Millionen im Jahr 2025 auf rund 11,54 Millionen im Jahr 2029. Danach geht sie zurück. Für das Jahr 2040 weist die aktuelle Modellrechnung rund 10,58 Millionen Schülerinnen und Schüler aus. Das wären etwa 694.000 oder 6,2 Prozent weniger als 2025.
Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus: „Die Entwicklung der Schülerzahlen verläuft je nach Region und Schulart sehr unterschiedlich. Während die Zahlen an manchen Schulen bereits zurückgehen, steigen sie andernorts noch über Jahre. Deshalb müssen wir genau hinschauen, wann und wo Lehrkräfte, Räume und Bildungsangebote gebraucht werden. Vorausschauende Bildungsplanung bleibt damit eine zentrale Aufgabe der Länder.“
Die Kurve dreht früher
In der Vorausberechnung des vergangenen Jahres war der Höchststand der Schülerzahlen noch für 2032 erwartet worden. Die aktuelle Modellrechnung weist ihn bereits für 2029 aus. Für das Jahr 2040 liegt die nun vorausberechnete Schülerzahl rund 677.000 unter dem Wert der vorangegangenen Modellrechnung. Grund dafür sind insbesondere die seit 2021 deutlich sinkenden Geburtenzahlen. Diese Entwicklung ist nun umfassender in den Bevölkerungsvorausberechnungen der Länder berücksichtigt, auf denen die Berechnung der Schülerzahlen aufbaut. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben rund 654.300 Kinder geboren. Das waren 3,4 Prozent weniger als 2024 und zugleich die niedrigste Geburtenzahl seit 1946.
Bei der Vorausberechnung handelt es sich nicht um die Vorhersage einer feststehenden Zukunft, sondern um eine Status-quo-Modellrechnung: Sie zeigt, wie sich die Schülerzahlen unter den gegenwärtigen demografischen Bedingungen und bei unverändertem Wahl- und Übergangsverhalten entwickeln würden. Für die nächsten Jahre sind die Ergebnisse vergleichsweise belastbar, weil die betreffenden Jahrgänge bereits geboren sind oder sich im Schulsystem befinden. Je weiter der Blick reicht, desto stärker hängen die Zahlen von Annahmen etwa zu Geburten, Migration und Bildungsverhalten ab. Die Werte für 2040 sind daher ein Planungssignal, keine Vorhersage. Die Berechnungen dienen den Ländern insbesondere als Grundlage für die Planung des Personalbedarfs, der schulischen Infrastruktur und der Bildungsangebote.
Große Unterschiede zwischen den Regionen
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. In den westdeutschen Flächenländern steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler zunächst bis 2029 um 3,4 Prozent. Im Jahr 2040 dürfte sie 3,6 Prozent unter dem Niveau von 2025 liegen. In den ostdeutschen Flächenländern wird bis 2040 ein deutlich stärkerer Rückgang um rund 21 Prozent erwartet. In den Stadtstaaten steigt die Schülerzahl zunächst bis 2028 leicht an und dürfte 2040 rund 5,3 Prozent niedriger liegen als 2025.
Schulstufen entwickeln sich zeitversetzt
Auch die einzelnen Bildungsbereiche erreichen ihre Höchststände zu unterschiedlichen Zeitpunkten. In der Primarstufe geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis 2040 voraussichtlich um 14,8 Prozent zurück. In der Sekundarstufe I steigt sie zunächst bis 2031 um 8,3 Prozent und sinkt anschließend. Im Jahr 2040 dürfte sie 6,3 Prozent unter dem Niveau von 2025 liegen. In der Sekundarstufe II wird der Höchststand erst 2035 erwartet. Auch die beruflichen Schulen dürften bis zur Mitte der 2030er-Jahre noch wachsende Schülerzahlen verzeichnen.
Abschlüsse bleiben eine zentrale Aufgabe
Die Zahl der Abgehenden allgemeinbildender Schulen ohne Ersten Schulabschluss steigt nach der Modellrechnung zunächst von rund 63.600 im Jahr 2025 auf rund 68.200 im Jahr 2032. Bis 2040 dürfte sie auf etwa 59.600 zurückgehen. Ihr Anteil an allen Absolvierenden und Abgehenden allgemeinbildender Schulen sinkt damit voraussichtlich von 8,4 auf 7,5 Prozent.
Aus diesen Zahlen lässt sich nicht ableiten, wie viele junge Menschen dauerhaft ohne Schulabschluss bleiben. Ein erheblicher Teil entfällt auf Schülerinnen und Schüler aus Förderschulen, von denen wiederum viele einen landesrechtlich geregelten Abschluss in den Förderschwerpunkten Lernen oder Geistige Entwicklung erwerben. Zudem holen viele Jugendliche später an beruflichen Schulen einen allgemeinbildenden Schulabschluss nach.
Hintergrund
Grundlage sind die Bevölkerungsvorausberechnungen und Schülerzahlen, die von den Ländern für diesen Berechnungsdurchgang bereitgestellt wurden, sowie die zuletzt beobachteten Eintritts-, Übergangs- und Abgangsquoten. Die Modellrechnung bildet damit den für diesen Berechnungsdurchgang verfügbaren Datenstand ab. Unvorhersehbare Veränderungen etwa der Geburtenentwicklung, der Migration oder des Bildungsverhaltens können erst in späteren Berechnungsdurchgängen berücksichtigt werden. Die Vorausberechnung wird deshalb regelmäßig fortgeschrieben.
Die vollständige Vorausberechnung finden Sie hier.
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