Berufsschülerzahl gestiegen

700 Millionen für den Ausbau der berufsbildenden Schulen in Hamburg

Die Zahl der Schüler an berufsbildenden Schulen in Hamburg ist erstmals wieder deutlich gestiegen. Rund 53.100 Schülerinnen und Schüler starten jetzt an den 35 staatlichen berufsbildenden Schulen Hamburgs, rund 2.000 mehr als im Vorjahr.

19.09.2016 Hamburg Pressemeldung Hamburger Senat
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Grund dafür ist der deutliche Anstieg neu zugewanderter Jugendlicher, die in der Berufsvorbereitungsschule für Migranten unterrichtet werden. Der Lehrerbedarf an den berufsbildenden Schulen steigt um rund 260 Vollzeitstellen. Um die Qualität der beruflichen Bildung zu steigern, investiert Hamburg allein 2016 und 2017 rund 200 Millionen Euro in den Bau der berufsbildenden Schulen und bündelt ähnliche Berufsfelder an neuen Schwerpunktschulen. Nachdem 2015/16 bereits vier Fusionsschulen entstanden, starten im Schuljahr 2016/17 vier weitere neue Schulen für die Bereiche „Wirtschaft/Verkehrstechnik“, „Wirtschaft/Sozialpädagogik“, „Industrietechnik/Gebäude- und Elektrotechnik“ sowie für „Gesundheit/Pflege/Frisöre/Maskenbildner“.

Hamburgs berufsbildende Schulen bieten zahlreiche Bildungsgänge an. Schwerpunkt im beginnenden Schuljahr ist die Berufsausbildung für rund 74 Prozent aller Schüler (rund 39.200; Schuljahr 2015/16: 38.566). Hingegen hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die nach der Schule mit einem speziellen Bildungsgang auf eine künftige Ausbildung vorbereitet werden, auf jetzt rund 6.200 um rund 34 Prozent gesteigert (Schuljahr 2015/16: 4.636). Fast die Hälfte dieser Schülerinnen und Schüler sind Flüchtlinge. Rund 3.400  weitere Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot der berufsbildenden Schulen, um nach der mittleren Reife oder nach einer Ausbildung das Abitur oder die Fachhochschulreife zu erlangen (Schuljahr 2015/16: 3.499). Mit rund 4.390 (Schuljahr 2015/16: 4.447) ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in den Berufsschulen einer beruflichen Weiterbildung nachgehen, annähernd gleich groß geblieben (Prognosewerte vorbehaltlich der Schuljahresstatistik 2016/17).

Senator Ties Rabe: „Hamburg ist als Ausbildungsstandort attraktiv für junge Menschen aus Hamburg, aber auch aus anderen Bundesländern. Um die berufliche Ausbildung zu stärken, werden Hamburgs berufsbildende Schulen erheblich umgestaltet. Um die Berufsausbildung zu verbessern, werden von den ursprünglich 44 Berufsschulen Schritt für Schritt 23 Schulen zu 11 neuen, verbesserten und zukunftsfähigen Schulen zusammengelegt. Der Prozess begann im Schuljahr 2014/15 und wird im Schuljahr 2017/18 abgeschlossen sein. Die Umstrukturierung wird durch ein umfangreiches Bauprogramm flankiert. Insgesamt investiert Hamburg bis zum Jahr 2027 mehr als 700 Millionen Euro in die Erneuerung der berufsbildenden Schulen. Hamburgs Berufsschulen bieten mit mehr als 250 Ausbildungsberufen vielfältige Angebote; dazu gehören zum Beispiel die rund 500 angehenden Schifffahrtskaufleute, für die Hamburg der größte Ausbildungsstandort in Deutschland ist. Mit der Umsetzung des Schulentwicklungsplans werden die Berufsschulen weiter gestärkt, denn ähnliche Berufe und Bildungsgänge werden fachlich gebündelt. Dadurch bleiben alle Ausbildungsberufe, auch solche mit geringen Ausbildungszahlen, erhalten. Von 2015 bis 2017 führen wir deswegen die 44 berufsbildenden Schulen zu 32 Schulen zusammen. Auch in diesem Schuljahr starten planmäßig vier Fusionsschulen.“

Rainer Schulz, Geschäftsführer des HIBB: „Das Jahr 2015 war geprägt durch die stark gestiegene Zahl neu zugewanderter Jugendlicher. Von September 2015 bis Ende Juli 2016 wurden rund 1.800 jugendliche Flüchtlinge zügig und erfolgreich in Bildungsangebote der Berufsvorbereitung aufgenommen. Das haben die berufsbildenden Schulen mit großem Engagement gemeistert. Seit Februar 2016 haben wir für neu zugewanderte Jugendliche das neue Schulangebot der dualisierten Ausbildungsvorbereitung (AvM Dual) mit integrierter Sprachförderung geschaffen: Nach einer mehrmonatigen intensiven Vorbereitungsphase lernen die Jugendlichen gleichzeitig in der Schule und in einem Betrieb, wo sie ein mehrmonatiges Praktikum absolvieren und durch betriebliche Integrationsbegleiter unterstützt werden. Dieses Angebot hat bundesweit Vorbildcharakter. Der HIBB-Jahresbericht 2015 erläutert zudem Maßnahmen an den berufsbildenden Schulen, durch die der MINT-Bereich gestärkt wird, dazu gehört der neue Profilschwerpunt „Ingenieurwissenschaften“ an Technischen Gymnasien und die Reform der Technischen Fachschulen in Hamburg.“

Neue Schulen im Schuljahr 2015/16


Im Schuljahr 2016/17 starten vier neue Schulen, die aus acht früheren Schulen hervorgegangen sind:

  • In Bergedorf startet am Standort Billwerder Billdeich die neu organisierte „Berufliche Schule Wirtschaft, Verkehrstechnik und Berufsvorbereitung – Bergedorf“ (BS 7) mit dem Schwerpunkt Büro- und Personalmanagement, Verkehrstechnik und Berufsvorbereitung.
  • In Borgfelde startet die „Berufliche Schule Burgstraße“ (BS 12) mit den Schwerpunkten Pflege, Gesundheit, Frisöre und Maskenbildner. Allein in der Altenpflege hat sich in Hamburg die Schülerzahl seit 2000 auf jetzt rund 1.340 mehr als verdoppelt. Die Burgstraße bietet für die Pflegeberufe einen modernen berufsschulischen Lernort.
  • In Wilhelmsburg beginnt die neue „Berufliche Schule Anlagen und Konstruktionstechnik am Inselpark“ (BS 13) mit den Schwerpunkten technische Gebäudeausrüstung, Industrieproduktion, -konstruktion und -fertigung sowie erneuerbare Energien.
  • In Harburg startet am Standort Göhlbachtal die neue „Berufliche Schule Hamburg-Harburg“ (BS 18) mit den Schwerpunkten Büromanagement, Sozialpädagogik mit Beruflichem Gymnasium. Mit dem modernen Neubau ist ein leistungsstarkes berufliches Schulzentrum für mehr als 1.500 Schülerinnen und Schüler entstanden.


Insgesamt investiert Hamburg allein in den Um- und Neubau dieser vier neuen Schulen 139 Millionen Euro. Die Leitungen und Kollegien der Schulen haben den Fusionsprozess begrüßt, aktiv gestaltet und hieraus wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Schulen und Bildungsgänge gewonnen. Auch die Ausbildungsbetriebe und Sozialpartner unterstützen die jeweiligen Fusionen und haben im Rahmen ihrer Arbeit in den Schulvorständen und Lernortkooperationen die Prozesse mitgestaltet und begleitet. Die Schulen erhalten eine optimierte Größe, die ihre Entwicklungsperspektive auch mittelfristig sichert.

Weitere Baumaßnahmen zum Schuljahr 2016/17


Darüber hinaus werden zum neuen Schuljahr weitere berufsbildende Schulen umfangreich saniert oder neu gebaut. Dazu gehört die Berufliche Schule Eidelstedt (BS 24), deren Dependance im Niekampsweg nach modernsten pädagogischen Aspekten für die Berufsvorbereitungsschule neu gebaut wurde (rund 8 Millionen Euro). Die Staatliche Fachschule für Sozialpädagogik (FSP 1, Standort Wagnerstraße) erhielt einen Ersatzneubau für rund 1.100 Schülerinnen und Schüler, auch für die stark nachgefragte Erzieherausbildung (rund 24 Millionen Euro). In die Erneuerung des kompletten schulischen Campus an der Uferstraße mit historischem Schumacherbau wurden insgesamt rund 42 Millionen Euro investiert. Auch die Staatliche Fachschule für Sozialpädagogik Altona (FSP 2, Standort Max-Brauer-Allee) erhielt den Anforderungen entsprechend einen Erweiterungsbau mit Kantine/Mehrzweckraum und Klassenräumen (Bauvolumen rund 3 Millionen Euro).

Weitere Veränderungen in den berufsbildenden Schulen


Die beruflichen Gymnasien Farmsen und Wilhelmsburg, Fachrichtung Technik, starten ab dem Schuljahr 2016/17 mit einem neuen fächerübergreifenden Profilschwerpunkt „Ingenieurwissenschaften“. Der Schwerpunkt ist interdisziplinär gestaltet und macht betriebliche Geschäfts- und Arbeitsprozesse in den Ingenieurwissenschaften begreifbar. Technisch interessierte Jugendliche profitieren, weil sie einerseits eine technische Grundbildung erwerben, andererseits werden sie in ingenieurwissenschaftliches Denken und Handeln eingeführt und erwerben damit eine solide Grundlage für Studium oder Ausbildung.

Die Technischen Fachschulen Hamburgs tragen mit ihrem Fortbildungsangebot zur Fachkräftesicherung in technischen Berufen bei, insbesondere auf der mittleren Führungsebene. Davon machen durchschnittlich mehr als 1.100 Fachschülerinnen und Fachschüler Gebrauch. Sie profitieren jetzt von einem umfangreichen Reformprozess. Zukünftig orientieren sich die Lernfelder des Bildungsplans deutlicher an den beruflichen Geschäfts- und Arbeitsprozessen im Bereich der Technik und gleichermaßen an individuellen und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Ansprechpartner

Hamburger Senat

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