Ab September wird das Landesmuseum Mainz im großen Stil saniert - Kultur-Staatssekretär Roland Härtel: Herausragendes kulturpolitisches Zeichen

Ab September dieses Jahres wird im Landesmuseum Mainz gehämmert und gebohrt, geschweißt und gepinselt: Der Musen-Tempel im Herzen der Landeshauptstadt wird im großen Stil umgebaut. Im Jahr 2009 soll er sich seinen Gästen in einem völlig neuen und zeitgemäßen Gewand präsentieren.

14.07.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Wir werden mit dieser aufwändigen Sanierung ein Landesmuseum bekommen, das den heute üblichen Standards in hervorragender Weise entsprechen wird", freut sich Roland Härtel, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur. Gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Isabella Fehle, dem Geschäftsführer des Bauherrn, Hubert Heimann vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) und dem ausführenden Architekten Professor Jochem Jourdan stellte Härtel im Rahmen einer Pressekonferenz den Ablauf des Umbaus vor. Dieser wird in zwei Phasen vollzogen.

Es könne überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass das Landesmuseum Mainz einer dringenden Modernisierung bedürfe, meinte Härtel. Einerseits müsse gewährleistet werden, dass die historische Bausubstanz erhalten bleibt. Andererseits brauche man andere Rahmenbedingungen, um die Schätze des Landesmuseums wie auch große Sonderausstellungen besser präsentieren zu können. "Ziel der Sanierungsmaßnahme ist es, ein attraktives Landesmuseum zu bekommen, das den nationalen Wettbewerb mit anderen Museen aufnehmen kann und das den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher deutlich besser gerecht wird, als das heute der Fall ist", betonte der Kultur-Staatssekretär.

Auf dem Hintergrund eines ohnehin vorhandenen Sanierungsbedarfs habe sich das Land entschlossen, das Landesmuseum Mainz umfassend zu erneuern. Dafür investiere das Land rund 38,5 Millionen Euro. "In Zeiten knapper Kassen ist das ein herausragendes kulturpolitisches Zeichen. Das Land macht damit deutlich, welchen Stellenwert es der Kultur beimisst. Darüber hinaus würdigen wir damit die Bedeutung, die das Landesmuseum für die kulturelle Identität der Landeshauptstadt wie der gesamten Region hat", darin sind sich Härtel und Heimann einig.

Härtel begrüßte, dass der LBB als Bauherr mit Professor Jourdan vom Büro Jourdan & Müller in Frankfurt/Main für dieses Projekt einen erfahrenen und renommierten Architekten verpflichtet habe. Jourdan verfüge insbesondere auf dem Gebiet der Museumsarchitektur über sehr viel Know-how, sagte Härtel und verwies beispielsweise auf den Umbau des Städel in Frankfurt.

Wichtig sei dem Kulturministerium, dass das Museum während des gesamten Umbaus zugänglich sei. "Die Besucherinnen und Besucher können auf diese Weise hautnah verfolgen, wie sich das Landesmuseum fortlaufend verändert", so Härtel. Großen Wert lege man auch darauf, die Öffentlichkeit über den Fortgang der Bauarbeiten kontinuierlich zu informieren. Dazu werde es unter anderem einmal pro Jahr einen ansprechend gestalteten, informativen Flyer geben. Die Kampagne der damit beauftragten Agentur ade hauser lacour in Frankfurt trage dazu bei, dem Landesmuseum insgesamt ein neues Gesicht zu geben, so Härtel.

LBB-Geschäftsführer Heimann erläuterte die Rolle des Landesbetriebs als Immobiliendienstleister, der zukünftig ein wesentlich aufgewertetes Museum zur Verfügung stellt. "Die Realisierung der geplanten hohen funktionalen und ästhetischen Qualitäten wird jedoch unter streng wirtschaftlichen Aspekten erfolgen", betonte er.

Heimann verwies darauf, dass die Herrichtung der externen Depots im ehemaligen Pflanzenschutzamt in Mainz-Bretzenheim begonnen habe. Sie seien Voraussetzung für eine termingerechte Auslagerung der vom 1. Bauabschnitt betroffenen Museumsbereiche. Zur Bewältigung der komplexen Bauaufgabe habe der LBB ein gesondertes Projektteam eingesetzt.

Architekt Jourdan stellte ausführlich Details des Umbaus vor. Äußeres Kennzeichen des Landesmuseums sei die Heterogenität seiner verschiedenen Gebäudeteile. Im Zweiten Weltkrieg seien große Teile des jetzigen Landesmuseums stark beschädigt worden. Darunter leide die Bausubstanz bis heute. Ein weiteres Manko sei die unterschiedliche Lage der Niveaus der einzelnen Gebäudeteile. Eine harmonische Raum-abfolge fehle. Ausstellungen aus einem Guss seien deshalb bislang nicht möglich gewesen.

Mit der umfassenden Renovierung, die selbstverständlich die Belange des Denkmalschutzes berücksichtige, werde sich dies ändern. Ein Rundgang über drei Stockwerke ermögliche künftig eine chronologische und barrierefreie Präsentation der Museumsexponate. Ein weiteres Plus: Neue Einrichtungen und Angebote würden die Attraktivität des Museums steigern. Dazu zählten das erweiterte Foyer mit Museums- und Buchshop, neue Räume für Sonderausstellungen, ein neuer Vortrags- und Festsaal für 200 Personen mit multimedialer Präsentationstechnik im Pavillon und ein neues Bistro im 70er-Jahre-Flügel mit Betrieb im begrünten Innenhof mit dem Skulpturengarten. Der Saal und der Gastronomiebereich könnten auch unabhängig vom Museumsbetrieb genutzt werden. Deshalb werde ein zusätzlicher zweiter Eingang von der Schießgartenstraße her geschaffen.

Mit großen Erwartungen schaut auch die Museumsdirektorin Fehle nach vorne. "Im Jahr 2009 werden wir in Mainz über ein Landesmuseum verfügen, das endlich allen zeitgemäßen konservatorischen und museumspädagogischen Kriterien entsprechen wird", begrüßte sie die Umbaupläne. Die dann ungleich bessere Infrastruktur verschaffe Ihrem Haus gänzlich andere Präsentationsvoraussetzungen. "Darüber freuen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich mich natürlich sehr", sagte Fehle. Sie sieht auch große Chancen dafür, dass das Museum nach der vollständigen Sanierung ein Anziehungspunkt für öffentliche Veranstaltungen aller Art sein kann.

Fehle kündigte an, dass während der beiden Umbauphasen jeweils der Teil des Museums zugänglich sei, der nicht umgebaut werde. So seien während der ersten Umbauphase weiterhin zu sehen: die Schausammlung mit Zeugnissen aus der römischen Zeit, die Prinz-Johann-Georg-Sammlung mit antiken und frühchristlichen Altertümern, Porzellan und Keramik der Barockzeit, deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Jugendstilglas, Judaica aus Mainz und Umgebung und Exponate zur Mainzer Stadtgeschichte und Teile der grafischen Sammlung.

Der Umbau des Landesmuseums Mainz im Überblick:

Im ersten Bauabschnitt, der im September dieses Jahres beginnt, wird ein barrierefreier Rundgang durch das gesamte Museum angelegt. Dazu müssen Ausstellungsflächen und Publikumsbereiche umgestaltet werden. Weitere wichtige Maßnahmen sind die Neugestaltung des Haupteingangs, die Einrichtung eines Museumsshops, die Schaffung eines direkten Durchgangs in den Innenhof, der Neubau der Arkade, einer gläsernen Erschließungsspange im Innenhof sowie die Schaffung zusätzlicher Ausstellungsräume im Marstall und der Großen Bleiche.

Die zweite Umbauphase beginnt 2007. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Renovierung der Gebäudeteile im Erdgeschoss des Marstalls, dem 70er-Jahre-Flügel und der Steinhalle. Es entstehen dabei ein Vortrags-, Konferenz- und Festsaal sowie ein Bistro, die über einen separaten Eingang zugänglich sind. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Bauphase ist die Fassadensanierung des 70er-Jahre-Flügels. Weitere Arbeiten betreffen die Instandsetzung der Ausstellungsflächen, die Schaffung neuer Lager- und Technikräume sowie neuer Sanitäranlagen. Diese Umbauphase soll im Herbst 2009 abgeschlossen sein.


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