Berufsbildung braucht eine Lobby
Durch die Zusammenkunft von Pädagogen aus aller Welt erwarten wir einen raum- und kulturübergreifenden Austausch von Erfahrungen, verbunden mit der Sensibilisierung für neue Fragestellungen und dem festen Willen die gesellschaftliche Verankerung des Berufs der Lehrerin, des Lehrers nachhaltig zu verbessern.
13.07.2007 Pressemeldung Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. (BLBS)Diesem Ziel dienen die informativen Seminarprogramme zum Wissensaustausch, die Diskussion und Verabschiedung der eingereichten Resolutionen und die Begegnungen bei den festlichen Abendveranstaltungen.
Als Fachverband für die Berufsbildung wollen wir die zentralen Themen des Kongresses aus unserer spezifischen Sicht vertiefen und nach Partnern suchen, die in der Berufsbildung einen Schlüssel für wirtschaftliche und demokratische Entwicklung sehen.
Dabei geht es natürlich auch um das vertiefte Kennenlernen verschiedener Berufsbildungssysteme anderer Länder. Der BLBS sieht in der Lehrerbildung, in der gesellschaftlichen Anerkennung pädagogischer Berufe und in dem Ausbau des (Berufs-) Bildungssystems zentrale Zukunftsfragen eines Landes.
Bildung für alle heißt für uns auch Berufsbildung für alle. Berufliche Schulen mit Lehrern, die diesem Schultyp sein unverwechselbares Profil geben, sind notwendig, um wettbewerbsfähig zu werden und zu bleiben. Eine Lehrerbildung auf höchstem Niveau und eine ständige Weiterentwicklung auch der Fachkompetenz der Lehrerinnen und Lehrer durch ständige Fortbildungsmaßnahmen sind notwendig. Berufsbildung wie wir sie verstehen ist mehr als fachliche Qualifikation, sie muss auch im Dienst einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung stehen und neben der Fachkompetenz auch Personal- und Sozialkompetenz fördern.
Damit ist sie sehr viel mehr als nur "Training on the job". Allgemeinbildung und berufliche Bildung müssen also eng miteinander verzahnt sein. Sicherzustellen ist, dass die Jugendlichen nach dem Abschluss der allgemeinen Bildung nahtlos in die Berufsbildung übertreten können, um ihren individuellen Bildungsprozess mit dem Ziel der Beschäftigungsfähigkeit fortzusetzen. Das Berufsbildungssystem muss aber auch selbst attraktiv und durchlässig sein, indem es die Möglichkeit des differenzierten Erwerbs von qualifizierten Abschlüssen auf unterschiedlichen Stufen bietet und den Erwerb höherer Bildungsabschlüsse ermöglicht.
Der Bildungsanspruch beruflicher Schulen umfasst auch die interkulturelle Erziehung, die Erziehung zu Toleranz, Demokratie und Gewaltfreiheit. Berufliche Bildung muss die Mobilität von Schülern, Auszubildenden und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fördern, da die Arbeitswelt schon längst international ist. Der BLBS als anerkannte und kompetente Fachgewerkschaft setzt den Fokus ihrer Verbandsaktivitäten auf Europa, ohne ihre Solidarität bei den weltweiten gesellschaftlichen Problemen zu vernachlässigen.
Die Fragen der Beruflichen Bildung müssen auch in der Bildungsinternationalen stärker thematisiert werden. Der BLBS wird mit Nachdruck darauf hinarbeiten, dass ein funktionierendes Berufsbildungsnetzwerk innerhalb einer europäischen Gewerkschaftspolitik der Bildungsinternationalen und des Europäischen Gewerkschaftskomitees für Bildung und Wissenschaft (EGBW) entsteht. Der BLBS freut sich, dass es gelungen ist, gemeinsam mit der französischen Lehrergewerkschaft Snetaa (le premier syndicat de l´enseignement professionell), die die Lehrer an beruflichen Schulen in Frankreich vertritt, eine deutsch-französische Resolution zur beruflichen Bildung auf einem Weltkongress einzubringen.
Die Präambel der gemeinsamen Resolution betont, dass es keinen elitären Bildungsanspruch geben darf, der die berufliche Bildung ausblendet oder ihren Stellenwert nicht anerkennt. Gleichwertigkeit, Durchlässigkeit und öffentliche Verantwortung sind wichtige Forderungen für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung.
Die Resolution fordert u. a., dass ein zeitgemäßes System beruflicher Bildung das Recht junger Menschen auf eine freie Wahl der beruflichen Ausbildung akzeptiert und von der Wirtschaft entsprechend viele Ausbildungsplätze angeboten werden müssen und der Staat für genügend Lehrkräfte im Schulsystem Sorge tragen muss.
Als Gastgeber insbesondere für Kolleginnen und Kollegen aus dem internationalen Umfeld der beruflichen Bildung freuen wir uns auf interessante Begegnungen, kollegiale Gespräche und eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Willkommen in Berlin!
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