Fachkräftemangel

DIHK und Otto Wolff-Stiftung verleihen Initiativpreis Aus- und Weiterbildung 2010

Fachkräfteengpässe zeigen sich über Branchen, Berufe und Qualifikationsniveaus hinweg. Damit bedroht der Fachkräftemangel die hart erarbeiteten Wettbewerbsvorteile der deutschen Wirtschaft. Gerade im naturwissenschaftlich-technischen Bereich rechnet insbesondere die Industrie mit zunehmenden Problemen: 70 Prozent der Betriebe erwarten hier in den kommenden Jahren einen Fachkräftemangel und befürchten langfristig auch den Verlust von Innovationspotenzialen. Schon heute fehlen der deutschen Wirtschaft rund 400 000 Ingenieure, Meister und gut ausgebildete Facharbeiter und die Zahl wird jährlich um etwa zehn Prozent steigen.

30.09.2010 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Um diesem Mangel entgegenzuwirken, müssen stärker als bislang unausgeschöpfte Potenziale genutzt werden. Dabei steht die zielgerichtete Aus- und Weiterbildung an erster Stelle. Die besten Beispiele dieser praktischen Berufsbildungsarbeit werden heute in Essen mit dem Initiativpreis Aus- und Weiterbildung 2010 ausgezeichnet.

Zu den Siegern zählen der Logistikdienstleister Talke, das ZDF, die Wirtschaftsakademie der Hochschule Aalen sowie das grenzüberschreitende Ausbildungsprojekt Youcomp e.V. Die vier Gewinner konnten sich gegen mehr als 60 andere Bewerber durchsetzen.

Das Themenspektrum der ausgezeichneten Initiativen reicht von der beruflichen Erstausbildung über die innerbetriebliche Qualifizierung bis hin zu den neuen Studienmöglichkeiten für Meister. "Die Beispiele beweisen, dass sich die Wirtschaft zusammen mit Qualifizierungspartnern intensiv um die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und das lebensbegleitende Lernen kümmert", sagt Christoph Obladen, Vorsitzender der Wettbewerbsjury und Leiter Personal bei Heraeus in seiner Begrüßungsrede.

Der Initiativpreis Aus- und Weiterbildung ist eine gemeinsame Auszeichnung von Otto Wolff-Stiftung und Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und soll hervorragende Berufsbildungsprojekte der Unternehmen öffentlich machen. Er wird in diesem Jahr bereits zum 18. Mal vergeben und ist damit einer der renommiertesten Preise im Bereich der Beruflichen Bildung in Deutschland.

Die vier Gewinner:

Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen GmbH – bringt neue Zielgruppen an die Hochschule

Das Projekt trägt dazu bei, dem Ingenieurmangel entgegenzuwirken. Das im Rahmen der Fachkräftediskussion aktuelle Thema "Durchlässigkeit vom Facharbeiter zum Bachelor" wird in Aalen praktisch umgesetzt. Seit einem Jahr studieren berufstätige Meister und Techniker Maschinenbau bzw. Mechatronik. Zwei Studienrichtungen, für die die Nachfrage seitens der Unternehmen groß ist. Damit will man dem wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieuren in der Region Ostwürttemberg gerecht werden. Das Konzept ist innovativ und gut in andere Regionen übertragbar.

Die Unternehmen der Region haben begonnen, das Weiterbildungsangebot aktiv in Ihre Personalentwicklungsstrategie einzubinden. Sie bieten finanzielle Unterstützung an und steigern Ihre Attraktivität als Arbeitgeber, indem Sie Auszubildenden den Weg von der Ausbildung bis zum Hochschulabschluss anbieten. Sie haben so die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter langfristig an ihr Unternehmen zu binden.

Alfred Talke GmbH & Co. KG – investiert in langfristige Nachwuchssicherung

Zielgruppe der Initiative sind Schüler der 9. Klassen von Hauptschulen, die nicht notwendigerweise durch ihre schulischen Erfolge und gute Noten auf sich aufmerksam machen, sondern durch ihre Art und Weise, sich Herausforderungen zu stellen. Wenn sie das im Rahmen der Junior-Akademie erkennen lassen, erhalten Sie am Ende automatisch einen Ausbildungsplatz.

Zentrale Elemente der Talke Junior-Akademie sind 13 Veranstaltungen, die in zweiwöchigem Abstand jeweils nach der Schule stattfinden. Dabei vermitteln innerbetriebliche Ausbilder alles rund um den "Logistikdienstleister Talke" und zu den angestrebten Berufen wie z.B. Fachkraft für Lagerlogistik oder Berufskraftfahrer. Neben der Wissensvermittlung steht das praktische Handeln. Daher werden während der Ferien auch vier Projekttage im Unternehmen angeboten, um die Berufe im Arbeitsalltag kennenzulernen. Talke hat eine attraktive Lösung für Hauptschüler geschaffen, die deren Potenziale weckt. So findet man Auszubildende, die sich auf ihre Ausbildungszeit und auf das Unternehmen freuen. Für beide Seiten entsteht damit eine Win-win-Situation.

Zweites Deutsches Fernsehen – überträgt ein privatwirtschaftliches Personalentwicklungskonzept auf den öffentlich-rechtlichen Bereich

Das ZDF greift die Idee des in der Wirtschaft weit verbreiteten Kompetenzmanagements auf und passt es an die besonderen Erfordernisse einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt an. Anlass war der steigende Bedarf moderner Personalentwicklung im Medienbereich. Bedingt durch die dynamische Entwicklung der elektronischen Medien, haben sich die Qualifikationsanforderungen und Berufsprofile beim ZDF deutlich gewandelt. Durch die Digitalisierung der Fernsehtechnik, das Verhalten der Konsumenten und das sich rasant weiterentwickelnde multimediale Angebot haben sich die Herstellungsprozesse ebenfalls stark verändert.

Beim ZDF-Kompetenzmodell wird zunächst das Idealprofil der erforderlichen Kompetenzen für eine Gruppe erarbeitet und anschließend mit den tatsächlich vorhandenen Kompetenzen der Mitarbeiter, die diese Funktion inne haben bzw. diesen Gruppen zuzurechnen sind, abgeglichen. Ziel ist es, einen maßgeschneiderten wie passgenauen "Persönlichen Entwicklungsplan" für jeden Teilnehmer zu kreieren. Damit verknüpft ist in der Regel ein stufenweise abzuarbeitendes Maßnahmenpaket.

Das ZDF-Kompetenzmodel ist ein rundum geschlossenes Konzept mit gut anwendbaren Tools. Die Initiative wurde professionell aus der Organisation heraus - und nicht durch Berater von außen – entwickelt.

Sonderpreisträger: Young Company of Practise, Youcomp e. V. – baut international Brücken in der Berufsausbildung

Der Youcomp e.V. aus Weiherhammer erhält den Sonderpreis für die Initiative "Erste deutsch-tschechische Fachklasse zum Maschinen- und Anlagenführer". Das deutsch-tschechische Projekt trägt dazu bei, die Attraktivität des regionalen Arbeitsmarktes zu erhöhen und schafft unter dem Aspekt der EU-Osterweiterung zusätzliche Ausbildungsplätze.

In Tschechien gibt es keine duale Ausbildung. Dennoch wird es tschechischen und deutschen Auszubildenden durch das Projekt ermöglicht, einen sowohl in Deutschland als auch in Tschechien anerkannten Ausbildungsberuf zu erlernen. Hierbei können sich die Teilnehmer nicht nur die berufsspezifischen Fähigkeiten, sondern auch die jeweilige Fremdsprache aneignen. Durch die Grenznähe kann die Ausbildung, die teils in Deutschland teils in Tschechien stattfindet, abwechselnd an beiden Orten durchgeführt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter der Adresse www.initiativpreis.de.


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