Fremdes vertraut machen: Neue Konzepte helfen beim Lernen der Weltsprache Chinesisch

Die chinesische Sprache gewinnt weltweit an Bedeutung, auch in Deutschland steigt die Zahl der China-Interessierten. Doch wer mit dem Chinesischlernen beginnt, betritt in vielerlei Hinsicht Neuland. Dagmar Zißler-Gürtler, Sinologin und Beraterin für interkulturelle Kommunikation, hat mit dem neuen Sprachkurs Plus Chinesisch (Lextra/Cornelsen) nun ein innovatives Konzept entwickelt, das Anfängern den Einstieg erleichtert. Die Autorin beantwortete einige Fragen rund um das Erlernen der chinesischen Sprache.

15.10.2009 Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbH

1. Immer mehr Menschen weltweit lernen Chinesisch. Welche Motivation und Gründe gibt es für deutsche Lerner, sich mit der Sprache auseinanderzusetzen?

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Chinas in Europa - während für Deutschland als einer Exportnation die boomende Wirtschaft Chinas wiederum eine entscheidende Größe im globalen Markt ist. China nimmt heute (wieder!) eine herausragende Rolle in der internationalen Wirtschaft und Politik ein und wird diese Position weiter ausbauen, so die Prognosen für die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts.

Chinesisch ist nicht nur hinsichtlich der Anzahl an Muttersprachlern die Nummer eins, sondern nach Englisch auch bereits die zweitwichtigste Sprache der Welt, wenn man neben den wirtschaftlichen Aspekten z. B. die Nutzung im World Wide Web zugrunde legt. Chinesischkenntnisse machen sich in vielfacher Hinsicht bezahlt: Der Lerner erhält nicht nur Zugang zur größten Sprachgemeinschaft weltweit, sondern auch zu einer der wichtigsten Verkehrs- und Handelssprachen. Und nur über die Sprache erschließt sich auch die Fülle der chinesischen Kultur, eine der ältesten Weltzivilisationen, die das abendländisch geprägte Denken ernorm bereichern kann.

2. Chinesisch gilt als schwer zu lernende Sprache. Mit welchen Besonderheiten sehen sich Anfänger konfrontiert?

Mit Chinesisch treffen die Lerner gewissermaßen auf zwei Unbekannte: das andere Schriftsystem (die Schriftzeichen anstelle des lateinischen Alphabets) und die andere Sprachfamilie (sino-tibetisch anstelle von indo-europäisch). Deutschsprachige Lerner begeben sich also in zweierlei Hinsicht auf ein neues Terrain.

3. Der Sprachkurs Plus Chinesisch setzt auf besondere Techniken und Merkhilfen. Inwiefern finden die Lerner hier Unterstützung?

Der entscheidende Schachzug beim Lernen einer derart fremden Sprache besteht darin, sie gerade nicht als Fremdsprache, sondern als Freundsprache zu lernen. Das heißt, das Potential, das jeder Lerner mitbringt, kann trotz der Andersartigkeit des Chinesischen gezielt genutzt werden, indem das Neue mithilfe von Assoziationen, Bildern, aber auch durch Kontraste mit den schon vorhandenen Wissensnetzen verknüpft wird.

Die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns besteht ja nicht darin, wie ein Schwamm alles Neue aufzunehmen, sondern wie ein Filter zu sondieren, wobei nach Vertrautem, Bekanntem, und Relevantem gesucht wird, Dinge also, zu denen es bereits Bezugspunkte gibt. Genau das berücksichtigen wir bei dem Lextra-Chinesisch-Kurs: Wir setzen vor allem auf Cluster, also Verbindungen und Verknüpfungen von lebendigen, anschaulichen Inhalten. So zeigen wir beispielsweise, welche Bilder in den Schriftzeichen verborgen sind. Für den Anfänger ist es oft ein erstes Schlüsselerlebnis zu sehen, dass ein komplexes Schriftzeichen aus mehreren einzelnen Zeichen zusammengesetzt ist, die wie eine kleine Geschichte den Sinn des Ganzen erzählen können.

Bei allen anderen Kurswerken, die mir bekannt sind, wird der Lerner an dem entscheidenden Punkt alleine gelassen, bei der Frage: Wie merke ich mir das bloß? Hier Lösungen und Lernstrategien zu bieten wie die Schlüsselwortmethode, Ankersysteme, Bilder und Merkgeschichten war unser großes Ziel, und die Illustratorin, die dies in prägnante Strichzeichnungen umgesetzt hat, hat so nebenher selbst einige Hundert Schriftzeichen gelernt.

4. Wer sich in einem anderen Kulturkreis zurechtfinden will, braucht Hintergrundwissen. Sie arbeiten selbst auch als Trainerin für interkulturelle Kommunikation und sensibilisieren im Sprachkurs Plus für die Besonderheiten des chinesischen Alltags. Welche Informationen sind für den Anfang beispielsweise besonders wichtig?

Die Goldene Regel lautet hier, vorsichtig mit schnellen Urteilen zu sein! Viele Dinge sind in China anders codiert, als man es von seiner Herkunftskultur gewohnt ist, und man zieht leicht die falschen Schlüsse und schätzt Situationen nicht richtig ein, wenn man das andere zugrunde liegende System an Werten und Verhaltensregeln nicht kennt. Das gilt beispielsweise für das in China – und allgemein in Asien – sehr häufige Lächeln oder den anderen Gebrauch der Wörter "Ja" und "Nein". Hier entstehen sehr schnell Missverständnisse und Frustrationen, da ein "Ja" automatisch als Zustimmung gedeutet wird, ein "Nein" gar nicht wahrgenommen wird und das viele Lächeln als Maske oder Unaufrichtigkeit verstanden wird.

So wie man vor einer Reise für seine technischen Geräte überlegt, ob man den passenden Adapter dabei hat, genauso sollte man sich deshalb vorab informieren, inwieweit für die Kommunikation sowie das Leben und Arbeiten vor Ort auch kulturelle Adapter nötig sind, damit die Systeme kompatibel sind und störungsfrei laufen.

5. Welche Hilfestellungen bietet der Sprachkurs Plus Chinesisch deutschsprachigen Lernern darüber hinaus im Gegensatz zu anderen Kursen?

Bei allen Redewendungen und Dialogen wird neben der Wiedergabe in Schriftzeichen, der offiziellen Pinyin-Umschrift und der deutschen Übersetzung auch eine Wort-für-Wort-Übersetzung geboten. Der Lerner hat so die direkte Zuordnung von chinesischem Wort zur deutschen Entsprechung vor Augen und erhält ein klares Bild zu Struktur und Grammatik im chinesischen Satzbau. Darüber hinaus bieten wir einen sehr ausführlichen Wortschatzteil, in dem die mehrsilbigen Wörter auch in ihre Einzelbestandteile zerlegt sind. Der Lerner erfährt so z. B., dass das chinesische Wort für Computer wörtlich "elektronisches Gehirn" heißt. Diese "Auflösung" mehrsilbiger Wörter hat den großen Vorteil, dass das zu lernende Wort zum einen einprägsamer wird, zum anderen werden dadurch automatisch weitere Wörter mitgelernt, auf denen dann an anderer Stelle aufgebaut werden kann.
Und zum Dritten bietet der Sprachkurs Plus eine kontrastive Phonetik, bei der besonders die Aspekte herausgearbeitet sind, die für den deutschen Lerner Schwierigkeiten in der Aussprache bereiten.

Ansprechpartner

Cornelsen Verlag GmbH
Irina Groh
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mecklenburgische Str. 53
14197 Berlin
Telefon: +49 30 897 85-563
Fax: +49 30 897 85-97-563
E-Mail: Irina.Groh@cornelsen.de
Web: www.cornelsen.de/presse


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