Hauptschüler sehen sich selbst als Verlierer im Kampf um Ausbildungsplätze

(bikl/idw) Mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren blickt skeptisch (42 Prozent) oder sogar pessimistisch (10 Prozent) in die berufliche Zukunft. Das ist das Besorgnis erregende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Danach ist die Stimmung unter den Jugendlichen alles andere als hoffnungsfroh: Mehr als jeder dritte Jugendliche (39 Prozent) macht sich große Sorgen darüber, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen. 34 Prozent haben Angst davor, später in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.

07.08.2005 Artikel

Hauptschüler benachteiligt

Besonders ausgeprägt scheint der Pessimismus bei Jugendlichen mit einfacher Schulbildung. Zwei Drittel der Hauptschüler blicken mit negativen Gefühlen in ihre berufliche Zukunft. Sie sehen sich selbst als die großen Verlierer im Kampf um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Auch unter den Realschülern ist noch jeder zweite Jugendliche skeptisch, was seine Zu­kunftschancen betrifft. Mehr als vier Fünftel aller Jugendlichen sind der Meinung, dass Schüler mit einem Hauptschulabschluss bei der Lehrstellensuche und der anschließenden Arbeitsplatzsuche benachteiligt werden.

Bedrohliche Konsequenzen

"Unsere Studie zeigt, dass die Jugendlichen in Deutschland - insbesondere die Hauptschüler - durch die Misere am Arbeitsmarkt und den chronischen Lehrstellenmangel erhebliche Zukunftsängste haben", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Professor Heribert Meffert. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit habe bedrohliche Konsequenzen für die Volkswirtschaft. Jugendliche, die den Berufseinstieg verpassen, drohten zu Langzeitarbeitslosen zu werden, die für Jahrzehnte die Staatskasse belasten und dadurch nicht in die Sozialversicherungssysteme einzahlen können. Zudem würden, bedingt durch den demographischen Wandel, bereits im Jahr 2015 allein in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen mehr als drei Millionen Facharbeiter fehlen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hatte rund ein Drittel der 572.000 Ausbildungsanfänger im Jahr 2004 den Hauptschulabschluss, knapp die Hälfte den Realschulabschluss und nahezu jeder sechste die Hochschul- oder Fachhochschulreife.

Insgesamt sind knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Jugendlichen bereit, für ihr berufliches Vorankommen Opfer zu bringen. Grundsätzlich bekennt sich also die Mehrheit der Jugendlichen zu Leistung und Investitionen in die berufliche Zukunft. Immerhin ein gutes Drittel (37 Prozent) der Jugendlichen gibt jedoch privaten Interessen den Vorzug.

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass sich die Mehrheit der Jugendlichen (59 Prozent) bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz selbst in der Verantwortung sieht. Mit großem Abstand folgen die Eltern, bei denen 15 Prozent der Jugendlichen die Verantwortung für ihre berufliche Integration sehen, sowie Betriebe (10 Prozent), Schule (9 Prozent) oder der Staat (7 Prozent).

Wichtige Ratgeber: Die Eltern

Einen Mangel an Informationen zur Berufswahl beklagen die Jugendlichen nicht. Entscheidende Einflussgrößen zur Berufsorientierung sind in diesem Zusammenhang eigene Erfahrungen, etwa über Praktika, oder die Tätigkeit der Eltern. Broschüren und anderes Informationsmaterial spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Insgesamt ist die Berufswahl einer der wenigen Bereiche, in dem Jugendliche ihre Eltern noch um Rat fragen oder ihnen noch Kompetenz zusprechen. Freunde oder Lehrer sind als Ratgeber weniger wichtig. Immerhin nimmt das Internet unter 15 vorgegebenen Einflussgrößen den 7. Platz ein.

Weitere Informationen:

www.bertelsmann-stiftung.de


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