Jugendliche testen: "Ist das mein (Traum)Beruf?"
(red) Beinahe jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab, bei den Köchen, Kellnern oder Gebäudereiniger sogar jeder Zweite. Was läuft schief und wie kann man Jugendliche bei ihrer Berufswahl besser unterstützen? Das wollten wir von Michael Schulte von der Servicestelle Bildungsketten beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wissen.
20.02.2013 ArtikelHerr Schulte, Berufsorientierung ist unterdessen Gegenstand in allen Schulformen und geht vielfach über das traditionelle Praktikum hinaus. Trotzdem brechen erschrecken viele Auszubildende ihre Lehre ab. Was läuft falsch?
Michael Schulte: Ein Grund könnte sein, dass manche Jugendliche ihre Entscheidung noch nicht gereift getroffen und noch nicht alle Kriterien für sich geklärt haben. Dann greifen manche zu ihrem Traumberuf, ohne genau zu wissen, was dahinter steckt. Erst in der Ausbildung merken sie, dass ihre Vorstellungen nicht zur Realität passen. Und dann kann es zu einem Abbruch kommen.
Ändern lässt sich das dann nicht mehr…
Michael Schulte: Doch, es gibt zum Beispiel die Initiative VerA der gemeinnützigen Stiftung Senior Experten Service. Dieses Projekt kümmert sich um Jugendliche, die Probleme in ihrer Berufsausbildung haben. VerA stellt diesen Jugendlichen ehrenamtliche Ausbildungsbegleiterinnen und –begleiter für eine regelmäßige 1:1-Begleitung zur Seite. Vertrauenspersonen, die Stärke und Orientierung vermitteln und damit Hilfe zur Selbsthilfe für die Jugendlichen leisten. Über 2.000 Begleitungen hat VerA erfolgreich vermittelt.
Und wie sieht es mit der Orientierung vor der eigentlichen Berufswahl aus?
Michael Schulte: Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Jugendliche ausschöpfen sollten, wenn sie vor der Berufswahl stehen. Zunächst sollten sie klären: Welche Interessen und Fähigkeiten habe ich? Bin ich eher der handwerklich orientierte Typ, oder liegen meine Stärken im Gestalterischen, in der Technik oder der Kommunikation? Welches Berufsfeld würde mir Spaß machen und was kann ich ausschließen? Es empfiehlt sich, dabei so früh wie möglich die Berufsberatungder Bundesagentur für Arbeit in Anspruch zu nehmen. Im Gespräch mit den Berufsberaterinnen und -beratern können sich die Jugendlichen zum Beispiel über Berufe informieren. Die Berufsberatung ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte bei der Berufsorientierung, weil sie auch Perspektiven aufzeigt und die Jugendlichen sich so auch für andere berufliche Optionen öffnen können.
Und welche Aufgaben übernehmen die Schulen?
Michael Schulte: Viele Schulen bieten eine strukturierte Berufsorientierung an, die im Lehrplan verankert ist. Dazu zählen zum Beispiel Praktika in Betrieben oder überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Ein weiteres Beispiel ist das Berufsorientierungsprogramm (BOP), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: In Werkstatttagen haben die Jugendlichen zwei Wochen Zeit, mindestens drei Berufsfelder praxisnah kennenzulernen.Und: Schüler brauchen auch Unterstützung durch die Eltern. Es lohnt sich, mal die Eltern zu fragen: Wie war das eigentlich damals bei euch, warum habt ihr euch für diesen Beruf entschieden?
Auf der Messe selbst können sich die Jugendlichen auch informieren?
Michael Schulte: Ja, auf der Messe selbst gibt es zum Beispiel die Aktion "Kompetenzen entdecken im Maschinenbau – die TeStation". Jugendliche haben die Möglichkeit, Ausbildungsberufe der Maschinenbaubranche praktisch kennenzulernen und ihre Kompetenzen zu messen – ein Beispiel für die erfolgreiche Projektförderung des JOBSTARTER-Programms. Die Übungen dauern 30 Sekunden bis zehn Minuten - und am Ende bekommen sie eine Auswertung, die ihnen bei ihrer Berufsorientierung hilfreich sein kann.
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BildungskettenDazu auf der didacta
Forum Ausbildung/ Qualifikation
Thementag Berufsorientierung
20.02.2013, 11:00 – 15:00 Uhr11:00 Uhr: Jugendliche präventiv fördern: Der konzeptionelle Ansatz der Initiative Bildungskette
Diskussion zwischen Ulrich Schuck (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Wolfgang Koch (Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen), Moderation: Nikolas Tribes, WDR 3
13:30 - 14:00 Uhr: Berufsorientierung. Kompetenzen entdecken im Maschinenbau - die TeStation
Aktion zum Mitmachen des JOBSTARTER-Projekts "TeSten in Ostwestfalen-Lippe". Berufsorientierung für Jugendliche und Schulen. Referentin: Charlotte Malycha, Diplom-Psychologin. Moderation: Nicolas Tribes, WDR 3
14:00 Uhr: Podiumsdiskussion der BMBF-Initiative Bildungsketten zum Thema: "Traumberuf oder Albtraum? – Wie gelingt Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben?"
Es diskutieren: Ute Jungherz (Berufseinstiegsbegleiterin, Jugendhilfe Köln), Wolfgang Figgen (Lehrer sowie Studien- und Berufswahlkoordinator, Kath. Hauptschule Großer Griechenmarkt, Köln), Schülerin in der Berufseinstiegsbegleitung, 10. Klasse, Köln, Vertreter/in eines Unternehmens (angefragt), Hans Josef Kahlen (Ausbildungsbegleiter der Initiative VerA, Erpel)
Halle 05.2 Stand B068 C069
Aktion zum Mitmachen des JOBSTARTER-Projekts "TeSten in Ostwestfalen-Lippe".
Berufsorientierung für Jugendliche und Schulen20.02.2013, 15:50 - 16:20 Uhr,
21.02.2013, 12:00 - 12:30 Uhr,
In der TeStation® haben Jugendliche die Möglichkeit, Ausbildungsberufe der Maschinenbaubranche praktisch kennenzulernen und ihre Kompetenzen zu messen. Didacta-Gäste können an den TeStationen® Werkzeuge, Materialien und Arbeitsweisen der verschiedenen Berufe ausprobieren. Dafür stehen mehrere Übungen bereit wie Kugelrutsche, Schraubenspucker, Gegenspieler und Fliegender Wechsel. Eine Übung dauert 30 Sekunden bis 10 Minuten. Dabei erhalten die Teilnehmenden einen objektiven Eindruck von ihren Fähigkeiten und Talenten.
Referentin: Charlotte Malycha, Diplom-Psychologin, Moderation: Volker Groß, Radio Bonn-Sieg
Von der Schule in die Wirtschaft - die Talent Company baut Brücken.
Gefördert im Rahmen von JOBSTARTER - dem Ausbildungsstrukturprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.19.02.2013, 14:10 - 14:25 Uhr und 20.02.2013, 15:30 - 15:45 Uhr
Die "Talent Company" ist ein Projekt der im Rahmen von JOBSTARTER geförderten Strahlemann-Stiftung. Das Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel ist es, die Ausbildungsplatzsituation von Jugendlichen zu verbessern. www.jobstarter.de Referenten: Mike Bridger, Strahlemann-Stiftung , Dagmar-Eva Mempel, Strahlemann-Stiftung
KAUSA Jugendforum – Zeig` die Stärken, die du hast!
23.02.2013, 12:00 - 12:20 Uhr und 23.02.2013, 15:20 - 15:40 UhrJugendliche mit Migrationshintergrund sollen die gleichen Chancen beim Start ins Berufsleben haben wie alle anderen. Beim KAUSA Jugendforum 2012 erkundeten sie ihre Talente, um ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern. In der Veranstaltung berichten die Jugendlichen und Betreuer über ihre Erfahrungen, führen einen Rap auf und bieten Besuchern die Teilnahme an einer Improvisations-Übung an. Das KAUSA Jugendforum 2012 wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. KAUSA ist Teil des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER beim Bundesinstitut für Berufsbildung. www.kausa-jugendforum.de, www.jobstarter.de
Teilnehmer: junge Teilnehmende des KAUSA Jugendforums 2012, Birgit Günster, KAUSA Jugendforum Coach, André Grabinski, KAUSA Koordinierungsstelle Ausbildung bei Selbständigen mit Migrationshintergrund.
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