Lebenslanges Lernen noch keine Selbstverständlichkeit

(iwd) Die Zeiten sind passé, als es langte, in der Jugend einen Beruf erlernt zu haben. In vielen Jobs ist das Know-how von heute schon morgen wieder überholt. Lebenslanges Lernen heißt daher die Devise – doch zu wenige folgen ihr bislang.

16.09.2004 Artikel
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Die Politik hat das lebenslange Lernen zum Top-Thema erklärt. Im Jahr 2001 wurde eine Expertenkommission beauftragt, Finanzierungsmodelle zu entwerfen. Das Gremium hat seine Erkenntnisse kürzlich vorgestellt – demnach tut sich in puncto Weiterbildung zu wenig: Laut Berichtssystem Weiterbildung hat im Jahr 2000 ein knappes Drittel der Bevölkerung im Alter von 19 bis 64 Jahren an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen. Am aktivsten waren die 35- bis unter 50-Jährigen.

Bei den älteren Jahrgängen lässt das Interesse an neuem Know-how für den Job rapide nach – noch nicht einmal jeder Fünfte jenseits der 50 erweiterte im Jahr 2000 sein Wissen. Besonders nachdenklich stimmt die Zurückhaltung bei denjenigen mit den schlechtesten Jobaussichten:

Von den Beschäftigten ohne Berufsabschluss hatten laut Kommissionsbericht im Jahr 2003 mehr als 60 Prozent der 19- bis 44-Jährigen nie eine Weiterbildung absolviert, unter den Älteren waren es sogar drei von vier.

Als wissensbegierigste Gruppe erwiesen sich die Akademiker.

Dass das Interesse an Auffrischung des Know-how nachlässt, wenn die Gedanken stärker etwa um Familiengründung oder Häuslebau kreisen bzw. der Lebensabend bereits in Sicht rückt, zeigt auch die jüngste Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes (Grafik): Verbrachten die 18- bis 24-Jährigen 2001/2002 täglich gut anderthalb Stunden mit Lernen, waren es bei den 25-Jährigen bis Mittvierzigern nur 20 Minuten. Danach ist mit Lernen weitgehend Schluss.

Den Fachleuten bereitet auch Sorge, dass nur wenige Menschen gewillt sind, selbst in das Training der grauen Zellen zu investieren: Von denen, die sich bislang nicht weitergebildet haben, würde ein Viertel nichts, knapp ein Drittel maximal 100 Euro zahlen. Von den bereits Weiterbildungs-Aktiven will nur jeder fünfte nur bis zu 100 Euro dazugeben; knapp die Hälfte würde maximal 500 Euro berappen.

Am Geld soll das lebenslange Lernen nach den Vorstellungen der Expertenkommission aber nicht scheitern.

Sie schlägt deshalb vor: Bildungsförderungsgesetz. Unter dem Dach eines solches Gesetzes sollen Leistungen wie BAföG, familiengebundene Zahlungen oder die Aufstiegsweiterbildung gebündelt und neu strukturiert werden. Kindergeld und Kinderfreibeträge wären als Bildungsgeld direkt den jungen Erwachsenen auszuzahlen und nicht den Eltern. Dass zahlreiche Gesetzesänderungen und auch eine Grundgesetzänderung erforderlich sind, rückt den Wunsch in den Bereich des weniger Realistischen.

Als ersten Schritt empfiehlt die Kommission daher ein: Erwachsenenbildungsförderungsgesetz. Das Nachholen schulischer und beruflicher Abschlüsse soll demnach mittels staatlicher Zuschüsse, Darlehen und Kredite gefördert werden. Neu ist das keineswegs, geschieht derlei doch schon im Rahmen des Sozialgesetzbuches III.

Ein weiterer Vorschlag lautet: Bildungssparen. Damit mehr Menschen in Sachen lebenslanges Lernen die Initiative ergreifen, will die Kommission das Vermögensbildungsgesetz um ein Bildungssparen erweitern, an dem auch Minderjährige teilnehmen können. Bei Erwerbstätigen sollten die Arbeitgeber etwas beisteuern. Die Kommission meint, dass dies einkommens- und vermögensschwachen Bevölkerungsgruppen finanzielle Anreize bietet, ein Bildungskapital aufzubauen. Dieses sollte durch zinsgünstige Bildungskredite ergänzt werden.

Lautet das Ziel zum einen, die Menschen zu mehr Eigenverantwortung und -initiative zu animieren – ertönt doch wieder der Ruf nach Vater Staat arg laut: So besteht das Gros der Experten auf einer flächendeckenden und öffentlichen Grundversorgung für die allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung sowie staatliche Unterstützung beim Nachholen von Schulabschlüssen.

Vor dem Hintergrund der Ebbe in den öffentlichen Kassen geradezu traumtänzerisch wirkt dann der Appell an die Kommunen, einen Prozentsatz ihrer Haushaltsmittel für die Förderung der Weiterbildung lockerzumachen.

Zu marktwirtschaftlichen Lösungen, wie sie etwa Bildungsgutscheine darstellen, konnte sich die Kommission dagegen nicht durchringen. Dabei könnten WeiterbildungsWillige auf diese Weise selbst entscheiden, wo und wie sie das gewünschte Know-how am besten und günstigsten bekommen.

Der Bericht der Expertenkommission "Finanzierung lebenslangen Lernens" kann hier abgerufen werden (.pdf-Format).

Quelle und alle Rechte: iwd – Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, © Deutscher Instituts-Verlag


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