Lernentwicklungsuntersuchung ULME II

Prof. Dr. Dr. Rainer H. Lehmann von der Humboldt- Universität zu Berlin hat heute die Ergebnisse der im Auftrag der Behörde für Bildung und Sport vorgenommenen "Untersuchung von Leistungen, Motivation und Einstellungen" (ULME II) der Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen der teilqualifizierenden Berufsfachschulen vorgelegt.

12.05.2006 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Seit etwa 10 Jahren, beginnend mit LAU 5, hat Hamburg sich intensiv der wissenschaftlichen Erforschung von Lernausgangslagen und Lernentwicklungen zugewandt. Für die beruflichen Schulen wurde die Untersuchungsreihe "ULME" aufgelegt . ULME I – veröffentlicht im Frühjahr 2005 - bezog sich auf die Lernausgangslage zu Beginn der Ausbildung im dualen System und in Berufsfachschulen. Mit vorliegendem Forschungsbericht ULME II zur Lernentwicklung in teilqualifizierenden Berufsfachschulen hat die Behörde für Bildung und Sport ihre Vorreiterrolle in der empirischen Evaluation der beruflichen Bildungsgänge untermauert. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird ULME III veröffentlicht werden, in der die Kompetenzentwicklung in der dualen Berufsausbildung untersucht wird.

ULME II untersucht die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler, die überwiegend im Jahr 2002 die Ausbildung in den 6 Fachrichtungen der auf dem Hauptschulabschluss aufbauenden teilqualifizierenden Berufsfachschule begonnen und im Sommer 2004 ihren Abschluss erworben haben. Primäres Ziel dieser Bildungsgänge (wie der Handelsschule oder der Berufsfachschule Gesundheit) ist es, den Absolventinnen und den Absolventen die Aufnahme einer attraktiven Berufsausbildung im dualen System zu ermöglichen. Der Schultyp heißt "teilqualifizierend" weil in ihm schon einige berufliche Kompetenzen erworben werden. Ebenso wichtig ist, dass das Abschlusszeugnis in seinen Berechtigungen dem Realschulabschluss entspricht.

Insgesamt 1762 Schülerinnen und Schüler aus 35 Beruflichen Schulen haben an der Untersuchung teilgenommen. Von diesen sind 1543 in ULME I bereits getestet worden.

Zu den Erhebungsinstrumenten in ULME II zählen die standardisierten Fachleistungstests aus ULME I (Deutsch Leseverständnis, Mathematik, I und II, Englisch Leseverständnis und C Test, ein Fragebogen zu den Lernstrategien und der Schülerfragebogen). Neu hinzugekommen ist ein Fachtest Englisch und ein berufsspezifischer Test für die einzelnen Bildungsgänge Gesundheit, Ernährung und Hauswirtschaft, Sozialwesen, Wirtschaft, Elektrotechnik, Metalltechnik. Mit der Entwicklung der berufsbezogenen Tests ist Pionierarbeit im Rahmen der beruflichen Bildung geleistet worden. Es handelt sich um einen ersten Schritt zur Erfassung beruflicher Kompetenzen, und mit der schon in der Auswertungsphase befindlichen ULME III wird ein großer zweiter Schritt gemacht. Hauptziel der Untersuchung war die Gewinnung empirisch gesicherter Erkenntnisse zum Bildungsverlauf und zum Erwerb berufsspezifischer und berufsübergreifende Kompetenzen zum Abschluss der teilqualifizierenden Berufsfachschule.

Für die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler hat ULME II nachgewiesen, dass Lernschwächere sich in ihren Leistungen stärker verbessern als Leistungsstärkere. Vergleichbare Entwicklungen sind aus LAU bekannt.

Die derzeit von etwa 6.500 Schülerinnen und Schülern besuchten Fachrichtungen der teilqualifizierenden Berufsfachschule machen seit vielen Jahren Sorgen wegen der hohen Abbrecherquoten, der Zweifel bei der Vergabe der Berechtigungen des Realschulabschlusses und der Schwierigkeiten der Absolventen, einen Vertrag für eine duale Berufsausbildung zu erhalten. Seit 2002 wird deshalb im Rahmen des Projektes zur Reform des beruflichen Schulwesens an einer konzeptionellen Weiterentwicklung der teilqualifizierenden Berufsfachschule gearbeitet. Die zum Sommer dieses Jahres in Kraft tretende Reform wird dazu führen, dass mehr Gewicht auf den Kompetenzerwerb in Deutsch, Mathematik und Englisch gelegt wird und sich dies an den überregionalen Bildungsstandards orientiert. Die durch curricular veränderte berufliche Schwerpunktsetzungen erworbenen Teilqualifikationen werden besser zu den Anforderungen des Ausbildungsmarktes passen. Die zu diesem Zweck eingeführten Noten-Zugangsschwellen sind in ihrer Prognose-Validität künftig sehr viel höher als zum Zeitpunkt der ULME II-Untersuchung: Jetzt definierte Standards in den zentralen Abschlussprüfungen der Hauptschulen bilden ein verlässlicheres Fundament für nachfolgende Bildungsgänge.

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig:
"ULME II bestätigt die Notwendigkeit der Aufwertung der teilqualifizierenden Berufsfachschule durch die Notenschwelle. Nur leistungsstärkere Hauptschüler werden in diesem Bildungsgang gewährleisten, dass die Abbrecherquoten sinken und der erreichte mittlere Bildungsabschluss auch wirklich dem Realschulabschluss voll entspricht."


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