Bericht aus Brüssel

Mehr berufliche Weiterbildung und Stärkung der höheren Berufsbildung

Die EU-Kommission plant, im Frühjahr 2020 einen Empfehlungsvorschlag an die Mitgliedstaaten zur Zukunft der Beruflichen Bildung vorzulegen. Dazu will sie sich im Vorfeld inhaltliche und politische Anregungen aus den für Berufliche Bildung zuständigen Ministerien sowie von den relevanten Berufsbildungsakteuren in den EU-Mitgliedstaaten holen.

17.12.2019 Bundesweit Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag
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Die Kommission hatte deshalb für die Dezembersitzung des bei der Generaldirektion Beschäftigung angesiedelten Beratenden Ausschusses für Berufsbildung (ACVT), in dem Regierungsvertreter, Sozialpartner und Kammern aus den EU-Ländern vertreten sind, eine Orientierungsaussprache zur Zukunft der Beruflichen Bildung angesetzt und um die Präsentation guter nationaler Beispiele gebeten.

DIHK-Bereichsleiter Weiterbildung, Dr. Oliver Heikaus, sein Kollege Peter Thiele, Referatsleiter Berufliche Weiterbildung im Bundesbildungsministerium (BMBF), sowie Ulrich Nordhaus, Referatsleiter Europäische Bildungspolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im ACVT, nahmen dabei die Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) in den Fokus.

Diese ist von der Bundesregierung unter Federführung von BMBF und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit verschiedenen Strategiepartnern von Seiten der Wirtschaft, Gewerkschaften, Bundesländer und Bundesagentur für Arbeit entwickelt und im Juni 2019 der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Die NWS nimmt aus Sicht des DIHK zu Recht die berufliche Weiterbildung in den Fokus und trägt deren wachsender Bedeutung Rechnung. Denn werden Betriebe nach dem Handlungsbedarf in Bezug auf die Digitalisierung der Arbeitswelt gefragt, rangieren "mehr Weiterbildungsmaßnahmen" bei 87 Prozent der Unternehmen auf Platz eins, so Heikaus.

Die IHK-Organisation als wichtiger Player in der beruflichen Weiterbildung engagiert sich in diesem Kontext vor allem für die Stärkung der Höheren Berufsbildung. Das novellierte deutsche Berufsbildungsgesetz gibt hier zusätzliche Impulse.

Die vom DIHK seit langem geforderten neuen Abschlussbezeichnungen "Bachelor Professional" und "Master Professional" machen endlich auch sprachlich deutlich, dass Berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind. Sie unterstreichen zudem die Praxisnähe und die besonderen Fähigkeiten von Industriemeistern, Fachwirten oder Bilanzbuchhaltern.

Als weitere "Commitments" der IHK-Organisation zur NWS führte Heikaus eine Verbesserung der Weiterbildungsberatung der 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) vor Ort an – gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung. Auch werden die IHKs ihre Zusammenarbeit mit anderen Weiterbildungsakteuren vor Ort weiter optimieren. In den Unternehmensbefragungen der IHK-Organisation sollen zudem die Themenbereiche Digitalisierung und Weiterbildung verstärkt in den Fokus genommen werden.

Aber auch das Engagement der IHK-Organisation beim Thema Teilqualifikationen sowie in dem vom BMBF geförderten Modellprojekt ValiKom zum Sichtbarmachen informell erworbener Kompetenzen findet in der NWS Niederschlag.

Fragen und positive Kommentare seitens der EU-Kommission sowie aus zahlreichen Mitgliedstaaten zeigten, dass die NWS insbesondere mit ihrem breiten Beteiligungsansatz europaweit großes Interesse geweckt hat. Aus DIHK-Sicht kommt es nun entscheidend auf die Umsetzung der NWS an. Der DIHK wird seine Expertise in der Beruflichen Bildung auch in Zukunft auf EU-Ebene, insbesondere im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020, einbringen – im Interesse der Fachkräftesicherung der Wirtschaft.


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