Neugierig bleiben
Das Berufsbildungspersonal in Deutschland hat Defizite bei der Medienkompetenz. Ein neues Blended Learning Fortbildungsformat des Bundesinstituts für Berufsbildung soll das ändern.
18.12.2023 Bundesweit Artikel Bildungspraxis, Vincent HochhausenSeit Jahren ist vom digitalen Wandel in der Arbeits- und Bildungswelt die Rede. Dennoch sind digitale Tools und Lernmedien in Deutschland immer noch nicht flächendeckend verbreitet, wie unter anderem Betriebsbefragungen des Bundesinstituts für Berufsbildung belegen. In diesen Umfragen wurde auch deutlich, dass ein Grund für die langsame Digitalisierung in der Berufsbildung die fehlende Medienkompetenz des Ausbildungspersonals ist: Zwei von drei Betrieben sahen hier 2020 Weiterbildungsbedarf. Diese Erkenntnis war für das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB der Anstoß, ein branchenübergreifendes Fortbildungsformat namens MIKA zu entwickeln, kurz für Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal. Das Format vermittelt in einer Mischung aus Präsenz- und Selbstlernphasen – also im Konzept des Blended Learning – Ausbildungspersonal Grundkenntnisse zur Nutzung digitaler Tools. „Wichtig ist uns dabei vor allem, dass die vermittelten Inhalte niedrigschwellig sind, also nicht auf einem zu hohen Niveau ansetzen“, erklärt Natalie Deininger, Projektkoordinatorin für die MIKA-Seminare beim BIBB.
Ausbilder zurück auf die Schulbank
Inhaltlich richten sich die Schulungen nach der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz aus und sind in sechs Teilbereiche gegliedert: digitale Welt verstehen, Daten schützen und sicher agieren, kommunizieren und kooperieren, Inhalte suchen und verarbeiten, Inhalte erstellen und teilen sowie Feedback und Reflexion. Methodisch steht handlungsorientiertes Lernen im Vordergrund. Die zwölfwöchigen berufsbegleitenden Kurse schließen die Ausbilder/-innen mit einer eigenen Projektarbeit ab, in der sie einen bestimmten Lerninhalt aus der Ausbildung digitalisieren – sei es die Auftragsannahme in kaufmännischen Berufen oder die Unterscheidung von Schraubenarten im Metallbereich. Das kann zum Beispiel mit eigenen Lernvideos erfolgen, deren Inhalte die Teilnehmenden in selbst erstellten Quizzen abfragen. Die Projektarbeiten werden auch in Padlets zusammengestellt, das sind digitale, multimediale Pinnwände. So lassen sich die Inhalte der Projektarbeiten auch untereinander teilen.
„Zum Glück sind Ausbildende neugierig“
- Die Fortbildung MIKA (Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal) vermittelt Grundkompetenzen zur Nutzung digitaler Hilfsmittel in der Ausbildung.
- Die 12-wöchigen Seminare verlaufen berufsbegleitend und teilen sich in Präsenzveranstaltungen, Selbstlernphasen und Webinare auf.
- Die Inhalte der Fortbildung sollen konstant weiterentwickelt werden.
Hier finden Sie ein Beispiel einer MIKA-Projektarbeit aus dem Friseurhandwerk.
Weitere Informationen zu MIKA.
Seit Ende 2022 werden die MIKA Seminare von Bildungsanbietern ausgerichtet. Die Trainerinnen und Trainer der Seminare müssen zuvor ein Zertifikat erwerben, damit sie die MIKA-Inhalte auch richtig vermitteln können. Zielgruppe für MIKA waren zunächst vor allem kleinere und mittlere Betriebe, aber tatsächlich bekunden auch größere Firmen Interesse daran, die MIKA-Seminare für ihre Mitarbeitenden anzubieten, sagt Deininger: „Das hat uns etwas überrascht.“
Bislang bieten rund 60 Bildungsinstitutionen die Seminare an, eine davon ist die Ausbilder Akademie. Deren Inhaberin Gabriele Weingärtner hat selbst ein Zertifikat als MIKA-Trainerin abgelegt. Das Angebot hält sie für wichtig. „Viele Ausbilderinnen und Ausbilder haben noch wenig Bezug zu digitalen Tools und deren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der betrieblichen Ausbildung“, sagt sie. „Aber Ausbildende sind neugierig – zum Glück!“
In der Zukunft sollen sich die Inhalte der MIKA-Seminare stetig verändern und weiterentwickeln, einerseits wegen des digitalen Wandels, aber auch, um neue Generationen von Ausbildenden anzusprechen, erklärt Deiniger: „Mittelfristig wird der Altersschnitt des Ausbildungspersonals wieder sinken – da können gegebenenfalls die MIKA-Inhalte etwas mehr digitales Grundwissen voraussetzen. Dazu muss sich das junge Fortbildungsangebot allerdings erst einmal bewähren.“ Da ist Deininger jedoch optimistisch: „In der Erprobungsphase war das Feedback der Teilnehmenden sehr gut.“
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:
BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 4/2023, S. 14-15, www.bildungspraxis.de
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