Projekt "AG Südstadtkids" soll weiter ausstrahlen

"Probleme vor der eigenen Haustür erscheinen immer am schwierigsten - einfach, weil man sie selber lösen muss." An diesen Satz aus dem Projektbericht der "AG Südstadtkids" anknüpfend erläuterte Kultusstaatssekretär Karl Freller bei einer Pressekonferenz heute in Nürnberg die Besonderheiten dieses Projekts, dessen Hauptanliegen das sozial-integrative Lernen ist. So habe ihm die Idee, Jugendliche zu Stadtteilführern durch die Südstadt auszubilden, besonders gut gefallen.

20.06.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Die Jugendlichen zeigen auf diesen spannend gestalteten Führungen ihren Stadtteil durch ihre Brille. Die Teilnehmer an den Führungen werden so zu einem Perspektivenwechsel animiert: Sie begreifen, dass das vermeintliche ,städtische Problemgebiet? ein Stadtteil ist, in dem sich die Jugendlichen zu Hause fühlen", so Freller.

Das Gebiet der Nürnberger Südstadt hatte in den letzten 30 Jahren einen gewaltigen Strukturwandel und den Verlust von über 10.000 Industriearbeitsplätzen zu verkraften. Die Arbeitslosenquote ist mit Abstand die höchste in Nürnberg, die Hälfte der Arbeitslosen hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, 30 Prozent der 60.000 Einwohner sind nichtdeutscher Herkunft.

"Das Besondere am Projekt "AG Südstadtkids" ist, dass die Jugendlichen als Lernende und Zielgruppe des Projektes zwar alles das erlernen, was auch Gegenstand einschlägiger Qualifizierungsmaßnahmen ist. Aber sie tun dies in Eigenregie und in erster Linie für andere Lernende. Sie verbessern zweifellos ihre Sprach-, Medien- und Sozialkompetenz, erhöhen ihre Identifikation mit und verbessern ihre Integration in den Stadtteil, nehmen aktiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil und bringen sich dadurch in eine bessere Startposition für einen Ausbildungsplatz oder eine weiterführende schulische Ausbildung", unterstrich K. Heinz Eisfeld,

  1. Vorsitzender des Bayerischen Volkshochschulverbandes (bvv), der als Träger der Maßnahme fungiert.

Ein weiteres innovatives Projekt der "Südstadtkids" ist das Konzept, Jugendliche zu Moderatoren für die interkulturelle Elternarbeit zu machen. Viele Migranten haben noch Berührungsängste mit der Institution Schule und kümmern sich daher nicht ausreichend um den schulischen Erfolg ihrer Kinder. "Mit ihrem Konzept von Elternabenden, die speziell auf die Bedürfnisse eher bildungsferner oder nicht-deutscher Eltern zugeschnitten sind, setzen die ,Südstadtkids? an der richtigen Stelle an", so Staatssekretär Freller. Die Verknüpfung der schulischen Arbeit mit einer modernen und bedarfsgerechten Eltern- und Familienbildung, die konkret bestehende Defizite wie Sprachprobleme, Vernachlässigung oder Überforderung angeht, sei aus seiner Sicht unabdingbar.

Freller lobte in diesem Zusammenhang insbesondere die Offenheit, mit der das Nürnberger Bildungszentrum (BZ) in dieses Projekt eingestiegen sei. Über solche Projekte könne die Erwachsenenbildung auf die Eltern zugehen und auf sie einwirken. Dadurch ließen sich auch die Rahmenbedingungen für den schulischen Erfolg der Kinder verbessern. "Gerade auch der Bayerische Volkshochschulverband leistet hier Großartiges. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, im Verbund mit seinen Mitgliedseinrichtungen den Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung beständig und nachhaltig durch innovative Modelle weiter zu entwickeln", unterstrich Freller.

Bei den "Südstadtkids" handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Hauptschule am Hummelsteiner Weg, dem Netzwerk "Lernende Region Nürnberg" und dem Bayerischen Volkshochschulverband, die vom Bayerischen Kultusministerium mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. "Die enge Zusammenarbeit von Kommunen und Staat bei Projekten, die aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert werden, ist ein sichtbarer Beleg dafür, dass ein partnerschaftliches Zusammenwirken in der Praxis sehr viel besser funktioniert, als es uns manche Schlagzeilen über angeblich unüberwindliche Hürden glauben machen wollen", so Freller. Was die regionalspezifische Erwachsenenbildung des bvv anbelangt, habe Franken mit 29 von 51 ESV-geförderten Projekten die Nase vorn, betonte der Staatssekretär.

Der große Erfolg der "AG Südstadtkids" soll nun weiter ausstrahlen: Durch Multiplikatoren-Schulungen mit qualifizierten Lehrkräften werden die Südstadtkids das Konzept der Ausbildung von Stadtteilführern und Moderatoren für Elternabende auch an andere Hauptschulen tragen. Auch über die Hauptschulen hinaus wird der Erfahrungsschatz der "Südstadtkids" in Zukunft genutzt werden, so etwa bei verschiedenen ? vom BZ Nürnberg, mehreren Betrieben, dem Ausbildungsring ausländischer Unternehmer und Berufsschulen ? getragenen Projekten zur Unterstützung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund und Lernschwächen.

"Es freut mich ungemein, dass solche Projekte tatsächlich in der Praxis funktionieren und damit mehr sind als bloße Zeitgeistrhetorik", betonte Freller. Am meisten aber freue ihn, dass man den jungen Leuten ansehe, wie viel Spaß sie an ihrem Engagement haben.


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