Stellungnahme von Bildungs- und Wissenschaftsministerium Rheinland-Pfalz zum "Bildungsmonitor 2006"

Die Aussagen des "Bildungsmonitors 2006", den die vom Arbeitgeberverband Metall ins Leben gerufene "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)" und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) heute veröffentlicht haben, sind – wie schon in den Vorjahren – mit gebührender Skepsis zu bewerten.

24.08.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Die Staatssekretäre der rheinland-pfälzischen Ministerien für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur sowie für Bildung, Frauen und Jugend, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Michael Ebling, betonten, auch wenn die Studie Rheinland-Pfalz jetzt "deutliche Verbesserungen beim Bildungssystem" bescheinige, bleibe doch die – auch von führenden Bildungsforschern mehrfach geäußerte – Kritik aus den Vorjahren bestehen, dass für den "Bildungsmonitor" teilweise Indikatoren verwendet würden, die für die Qualität von Bildungssystemen nicht aussagekräftig seien, und dass die Methoden zur Erstellung des vorgelegten Rankings wissenschaftlich fragwürdig und zum Teil zumindest nicht nachvollziehbar seien.

Die Fragwürdigkeit der verwendeten Indikatoren zeigt sich exemplarisch an der herausgehobenen Bewertung des Anteils von Studienanfängern in Bachelorstudiengängen als Messgröße für das Tempo der Umstellung auf die neuen Studiengänge, so Hofmann-Göttig. Im Unterschied zu anderen Bundesländern realisiere Rheinland-Pfalz eine zügige Umstellung, bei der gleichzeitig die Qualität der neuen Studiengänge garantiert ist. Im Unterschied zu vielen anderen Bundesländern würden nur solche Bachelor/Master-Studiengänge zugelassen, die bereits über ein Qualitätssiegel durch eine offizielle Akkreditierung verfügten. Trotzdem liege das Land bei dem Anteil von auf BA/MA umgestellten Studiengängen an der Gesamtzahl der Studiengänge an den Hochschulen in Rheinland-Pfalz mit 26,9 % nahe an dem bundesweiten Durchschnittswert von 34,1 %. Während die neuen Studiengänge in Rheinland-Pfalz aber zu 100 % akkreditiert seien, liege dieser Anteil bundesweit lediglich bei 40,2 %.

Schwer verständlich bleibe die Bewertung der rheinland-pfälzischen Hochschulen auch angesichts der von den Autoren des "Bildungsmonitor" selbst lobend hervorgehobenen Leistung des Landes, mehr erfolgreiche Akademiker zu produzieren, als es nach seiner Bevölkerungsgröße bräuchte. Aufgrund der Attraktivität des Hochschulstandortes Rheinland-Pfalz kämen seit 1999 mehr Studierende aus anderen Bundesländern zum Studium nach Rheinland-Pfalz als Rheinland-Pfälzer außerhalb des Landes studierten. Dieser Herausforderung werde die Landesregierung durch das ab 2005 greifende Hochschulprogramm "Wissen schafft Zukunft" von zusätzlich 25 Millionen Euro pro Jahr gerecht, das ab 2008 noch einmal um 12,5 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werde. Dies müsse in einer Untersuchung, die als "Leistungscheck der Bundesländer" firmiert zu einer positiven Gesamtbewertung führen, so Hofmann-Göttig. Kritisierten die Autoren der Studie doch selbst, dass beispielsweise Bayern Studienplätze verknappt und auf den Zuzug von Akademikern setzt, die in anderen Bundesländern ausgebildeten werden. "Das unterstreicht, dass wir gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Bundesländer brauchen. Dafür hat Rheinland-Pfalz mit dem Vorteilsausgleich einen zukunftsweisenden Vorschlag unterbreitet", unterstrich Hofmann-Göttig:

"Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, die Qualität von Bildung in den Schulen und Hochschulen landesweit zu verbessern und die Chancengerechtigkeit zu steigern", betonten Hofmann-Göttig und Ebling. Der Bildungsstaatssekretär verwies auf drei im "Bildungsmonitor 2006" explizit genannte Kennziffern.

Nachdem seit dem vergangenen Schuljahr alle Grundschulen vom 1. Schuljahr an integrierte Fremdsprachenarbeit anbieten, liege der Anteil der Grundschülerinnen und -schüler, die in Rheinland-Pfalz eine Fremdsprache lernten, mittlerweile deutlich über den im "Bildungsmonitor" verzeichneten 70 Prozent.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die freiwillig oder auf Beschluss der Klassenkonferenzen, ein Schuljahr wiederholten, habe im vergangenen Schuljahr bei 2,2 Prozent gelegen, während der "Bildungsmonitor 2006" diesen Anteil mit 2,9 Prozent beziffere.

Und: Die kritische Anmerkung der Studie, was die Schulabschlüsse von ausländischen Schülerinnen und Schülern angehe, relativiere sich beim Blick auf die neuesten Zahlen von 2005 sehr deutlich, hielt Ebling fest. Der Anteil ausländischer Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die ohne Abschluss ihre Schullaufbahn beendeten, sei 2005 deutlich gesunken. Die Wahrscheinlichkeit sei damit für Ausländerkinder um den Faktor 2,0 höher als für deutsche Schülerinnen und Schüler, nicht aber um den Faktor 2,7 wie vom "Bildungsmonitor 2006" ausgewiesen.

"Rheinland-Pfalz wird den auch von den Initiatoren der Studie anerkannten Kurs fortsetzen und die frühe Bildung durch das Programm ,Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an´ weiter verbessern sowie das Ganztagsschulangebot weiter ausbauen", betonte Michael Ebling. Diese Maßnahmen dienten ebenso – wie andere bereits eingeleitete Reformen in dem geschlossenen Gesamtkonzept des Landes – dazu, die Qualität von schulischer Bildung und die Chancengleichheit weiter zu steigern.


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