Weiterbildung muss Schule machen
(imi). Fortbildungen kosten Geld und Unterrichtsstunden. Dennoch besteht für Pädagogen aus guten Gründen eine Pflicht zur Weiterbildung. Die Vorstellung, etwas zu lernen, das dann für das ganze Berufsleben ausreicht, stimmte noch nie so ganz – und ist heute definitiv falsch.
17.06.2008 ArtikelWeiterbildung tut den Lehrern gut – jetzt und in Zukunft. Auf diesem Standpunkt steht auch der Wissenschaftliche Direktor des Deutschen Institutes für Erwachsenenbildung in Bonn, Prof. Dr. Ekkehard Nuissl von Rein. "Der moderne Lehrer, der, der Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet, sich in einer Wissensgesellschaft zurechtzufinden, muss nicht alles wissen oder können", argumentiert von Rein. Auch seien Fortbildungen nicht dazu da, fachliche Defizite zu beheben. Stattdessen sollen sie Kompetenzen erweitern, Entwicklungen ermöglichen und die ganze Schule stärken.
Lernen managen
Lehrerinnen und Lehrer müssen sich verstärkt damit anfreunden, in die Rolle des Lernhelfers, des Bildungsmanagers zu schlüpfen. Anders als bisher gerät dadurch auch die Diagnostik verstärkt ins Blickfeld. Entsprechende Instrumente müssen beherrscht werden, um überprüfen zu können, ob das unterrichtende und erzieherische Handeln die Schülerinnen und Schüler beim Aufbau von fachlichen, personalen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen unterstützt. Dr. Rainer M. Bodensohn, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Koblenz-Landau, bringt es auf den Punkt: "Die heute notwendigen Kompetenzen unterscheiden sich nicht von einem guten Manager."
Weiterbildung in Europa Pflicht
Zwischen öffentlichem Druck, politischen Vorgaben, schulinternen Anforderungen und persönlichem Anspruch sind manche engagierten Pädagogen hin und her gerissen. "Wenn ich weiß, im Kollegium sind viele krank, ziehe ich meine Anmeldung zu einer Fortbildung wieder zurück", berichtet eine Biologie-Lehrerin eines Frankfurter Gymnasiums.
"Egal", widerspricht eine Kollegin, "Fortbildung wird immer wichtiger. Ohne geht es nicht." Laut Eurydice, dem Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa, besteht in den meisten europäischen Ländern eine Weiterbildungspflicht für Lehrer. Diese ist entweder allgemein formuliert im Sinne einer grundsätzlichen Verpflichtung, das Wissen auf einem aktuellen Stand zu halten oder an einen zeitlichen Mindestumfang zu binden, wie zum Beispiel in Belgien, den Niederlanden, Finnland oder Schweden. Zehn Prozent der jährlichen Unterrichtsverpflichtung müssen etwa die Lehrerinnen und Lehrer in den niederländischen Schulen für Fortbildung aufwenden, in Finnland und Belgien sind es drei Tage pro Jahr.
In Deutschland machte Hessen von sich reden, als es 2005 begann, die Fortbildungsangebote für seine Pädagogen zu zertifizieren und mit Punkten zu versehen. Das liest sich dann zum Beispiel so: "Vom Reden zum Handeln. Soziale Kompetenzen fördern mit psychodramatischen Methoden. Akkreditiert zur hessischen Lehrerfortbildung mit 20 Leistungspunkten." 150 Punkte müssen so in drei Jahren zusammenkommen.
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Fort- und Weiterbildung bundesweit nach wie vor auf der fachspezifischen Weiterbildung. Doch der Trend geht – wenn auch langsam – in Richtung Erwerb von persönlichen Kompetenzen. Auch die schulinterne und in Einzelfällen gesponserte Weiterbildung, in der konkrete Maßnahmen auf Profil und Bedürfnisse der einzelnen Schulen zugeschnitten werden, erfreut sich steigender Beliebtheit. Immer begehrter sind außerdem kurze, kompakte Module statt mehrtägiger Fachveranstaltungen.
Schulleitung muss Signale geben
Neben der Bereitschaft jedes einzelnen, sich weiter zu qualifizieren, nimmt Nuissl von Rein insbesondere die Schulleitungen in die Pflicht. Von ihnen fordert er, die Fortbildungen zu systematisieren und sich zu überlegen: Welche Fortbildungen machen für meine Schule Sinn, welche bringen uns weiter, welcher Kollege ist für welches Thema geeignet?
Dr. Uwe Bettscheider, Leiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Bonn, kann da nur zustimmen: "Fortbildungen sind absolut notwendig und müssen systematisch ausgebaut werden. Doch dies wird uns nicht immer leicht gemacht. Ganz konkret: Ich suche zurzeit Weiterbildungsmodule für individuelle Förderung im Englischunterricht. Dann brauchen wir dringend Angebote für die Vorsitzenden der Fachkonferenzen, um sie dabei zu unterstützen, mehr Verantwortung für die Qualität des Unterrichts übernehmen zu können."
Darauf zu warten oder zu drängen, dass es für einen bestimmten Bedarf auch das passende Angebot gibt, kann eine mühsame Angelegenheit sein, die das knappe Zeitbudget von Schulleitungen zusätzlich belastet. Und wenn die Fortbildung dann absolviert ist und ein Kollege kommt motiviert zurück an seinen Arbeitsplatz? Dazu Bettscheider, selbst Moderator in der Schulleiterfortbildung: "Das Thema ist nicht einfach zu diskutieren. Klar brauchen wir Fortbildung, aber wir brauchen auch Zeit, um das umzusetzen und zu implementieren, was wir neu gelernt haben. Und hier hakt es. Helfen könnten hier andere Strukturen, wie zum Beispiel Arbeitsplätze in der Schule. Lehrerinnen und Lehrer hätten dadurch die Möglichkeit, neu gewonnene Impulse aus Fortbildungen gemeinsam zu diskutieren und in neue Unterrichtseinheiten einzuarbeiten."
Tipps zum Thema:
Die Technische Universität Dortmund hat – wie viele Unis – ein Zentrum für Weiterbildung, in dem auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer angeboten werden: www.zfw.uni-dortmund.de/lehrer/
Die Uni Bochum bietet einen Überblick vor allem über fachspezifische Fortbildungen: www.ruhr-uni-bochum.de/zfl/Lehrerfortbildung/index.html
Auch die Kultusminsterien informieren über entsprechende Angebote, zum Beispiel in Baden-Württemberg: www.lehrerfortbildung-bw.de
Die Angebote der Bezirksregierungen finden Sie auf den entsprechenden Internetseiten, für die Bezirksregierung Köln z.B. unter www.lehrerfortbildung.bezreg-koeln.nrw.de/
Die Gewerkschaften, z. B. die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), kümmern sich ebenfalls um das Thema: www.weiterbildung.gew-nrw.de
Nicht zuletzt bieten auch die Schulbuchverlage Fort- und Weiterbildung an: www.klett.de (Link zu Veranstaltung oben)
Kompakt:
Auf dem Weg zum kompetenten Wissensmanager kommt kaum ein Pädagoge an der Verpflichtung zur Weiterbildung vorbei. Der Trend geht zu kurzen, kompakten Angeboten, zu schulinternen Weiterbildungen und zu solchen, die persönliche Kompetenzen stärken.
Ansprechpartnerin:
Janna von Greiffenstern
Telefon: 07 11-66 72-15 35,
Erstveröffentlichung: Klett Themendienst
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