Wirtschaft und Politik schmieden zum 11. Mal "Bündnis für Ausbildung"
Die Akteure auf dem Ausbildungsmarkt bündeln erneut ihre Kräfte für bessere Zukunftsperspektiven junger Schleswig-Holsteiner: Gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften, der Arbeitsverwaltung sowie den Kommunen hat die Landesregierung heute in Kiel (5. Juni) zum elften Mal seit 1997 das "Bündnis für Ausbildung" geschmiedet. "Und auch diesmal werden wir dank der hohen Ausbildungsleistung unserer Betriebe das hochgesteckte Ziel erreichen, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen in unserem Land ein Ausbildungs- oder Qualifizierungsangebot zu unterbreiten", versprach Wirtschaftsminister Dietrich Austermann.
05.06.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur Schleswig-HolsteinNach den Worten des Ministers sollten die Betriebe die vergleichsweise hohe Nachfrage nutzen, weil viele Unternehmen bereits heute schon einen Mangel an geeigneten Bewerbern beklagen. "Häufig ist das Berufswahlspektrum der Schulabsolventen viel zu eng und attraktive Berufe geraten zu wenig in das Blickfeld", so der Minister. Um auf die maritimen Berufe aufmerksam zu machen, findet die diesjährige Vertragsunterzeichnung auf dem Kreuzfahrtfahrschiff "Color Fantasy" statt, das von angehenden Schifffahrtskaufleuten der Firma Sartori & Berger und von Auszubildenden der Color Line GmbH betreut wird. Austermann: "Die Betriebe sollten bedenken, dass künftig rückläufige Schülerzahlen einen Mangel an gut ausgebildeten und motivierten Nachwuchskräften nach sich ziehen werden. Wer jetzt ausbildet, hat künftig gut qualifizierte Fachkräfte und erhöht damit seine Wettbewerbsfähigkeit." Die Zahl der Schulabsolventen mit Real- oder Hauptschulabschluss werde bis 2010 um 14 Prozent und bis 2020 um 26 Prozent zurückgehen. Daher werde man künftig stärker ungenutzte Potentiale von Ausbildungsbewerbern ausschöpfen müssen.
Jürgen Goecke, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, betonte: "Der in einigen Branchen absehbare Fachkräftemangel ist kein 'Schicksal'. Bevor er zum Wachstumshemmnis für Schleswig-Holsteins Wirtschaft werden kann, sind alle Arbeitsmarktpartner gefordert." Dem Bündnis für Ausbildung komme dabei besondere Bedeutung zu. "21.859 Ausbildungsverträge wurden 2007 abgeschlossen. Es muss unser Ziel sein, in diesem Jahr deutlich mehr als 22.000 Verträge abzuschließen. Die Chancen dafür sind nicht schlecht. So ist die Zahl der bei uns bisher gemeldeten Ausbildungsplätze im Vergleich zum Vorjahr - Mai-Daten - um 13,6 Prozent auf 13.274 gestiegen."
Dies sei für die Bundesagentur besonders erfreulich, da eine Ausbildung noch immer der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit sei. Diesen Sachverhalt dokumentierten die so genannten 'qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten'. "Die Arbeitslosenquote von Geringqualifizierten ohne Berufsabschluss" - so Goecke - "liegt in Westdeutschland bei 23,7 Prozent. Bei denjenigen, die eine Ausbildung abgeschlossen haben, erreicht sie nur 7,4 Prozent." Angesichts dieser Zahlen könne er nur an alle Betriebe appellieren: "Melden Sie uns in den nächsten Wochen und Monaten weitere Ausbildungsplätze. Jeder Ausbildungsplatz ist eine zusätzliche Chance für unsere Jugendlichen." Die Schülerinnen und Schüler forderte er auf: "Nutzen Sie unsere Berufsberatung und die Berufsinformationszentren (BIZ) in ihrer regionalen Agentur für Arbeit. Bei über 350 Ausbildungsberufen ist es sinnvoll, sich umfassend zu informieren und auch über Alternativen zum Wunschberuf nachzudenken."
Vor diesem Hintergrund appellierte Austermann an die Schulabgänger, ihre eigene Verantwortung frühzeitig wahrzunehmen. "Bereits in der 8. Klasse sollten die Schüler versuchen, einen für sich tauglichen Beruf zu identifizieren. Dazu sollten insbesondere Praktika genutzt werden. Sie bieten die beste Einstiegsmöglichkeit in Ausbildung." Zudem erinnerte der Minister an konkrete Hilfsangebote der Landesregierung wie etwa die Akquirierung von Teilzeitausbildungsplätzen für junge Mütter, die Ausbildung und Integration für Migranten (AIM) gemeinsam mit der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein oder die verbesserte Berufsorientierung für noch nicht ausbildungsreife oder schulmüde Schulabsolventen.
IHK-Präsidentin Margarete Böge erinnerte daran, dass die konjunkturelle Entwicklung in Schleswig-Holstein "erfreulicherweise auch den Ausbildungsmarkt beflügelt" habe. So hätten die die IHKs in Schleswig-Holstein bis zum 31. Mai diesen Jahres ein Plus von 326 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr (7,05 Prozent) verzeichnet. Diese Entwicklung sei mit einem Plus von derzeit 2,2 Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen auch bei den Handwerkskammern in Schleswig-Holstein erkennbar. "Schon jetzt spüren einige Branchen den Fachkräftemangel. Betriebe, die regelmäßig auf hohem Niveau ausbilden, können der demografischen Entwicklung auch bei guter Konjunktur gelassener entgegensehen", so Böge weiter. Die Ausbildungsbetriebe könnten aber nicht die groben Defizite aus Schule und Familie reparieren. Daher begrüßen die Kammern die präventiven Ansätze des Handlungskonzepts Schule und Arbeitswelt von Land und Bundesagentur. Denn Bildung sei die entscheidende Voraussetzung für Wachstum, Beschäftigung, die Teilhabe am Wohlstand und die Verhinderung von Armut.
DGB-Chef Peter Deutschland mahnt unterdessen an, die öffentliche Debatte anders zu führen: "Anstatt vor allem leistungsschwächere Jugendliche auszugrenzen und ihnen jede positive Perspektive abzusprechen, müssen wir ihnen klarmachen, dass wir sie brauchen und dass jeder Ausbildungsplatzsuchende auch tatsächlich einen Platz bekommt. Ich freue mich natürlich über den Anstieg der Ausbildungsstellen, nur darf das nicht über zwei Dinge hinwegtäuschen: Erstens ergibt sich der Anstieg aus einem historischen Tiefstand bei den Ausbildungsplatzzahlen. Und zweitens sind überdurchschnittlich viele Jugendliche in schulischen Programmen untergebracht, wodurch die Statistik natürlich aufgehellt wird. Wir haben also noch viel Arbeit vor uns", so Deutschland.
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