Ahnen/Hering: Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation überschreitet Rekordmarke von 100 Millionen Euro

Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation hat in diesem Jahr eine Rekordmarke erreicht und mit der Bewilligung des 631. und 632. Projekts seit ihrem Bestehen die Gesamtfördersumme von 100 Millionen Euro überschritten. Die Stiftung gilt als Innovationsmotor, der das wissenschaftliche und wirtschaftliche Geschehen im Land positiv beeinflusst, bilanzierten Wissenschaftsministerin Doris Ahnen und Wirtschaftsminister Hendrik Hering heute bei einer Pressekonferenz. Seit 1993 fördert die Stiftung erfolgreich Projekte aus der gesamten Innovationskette, von der Grundlagenforschung, der anwendungsorientierten Forschung über die Förderung neuer Technologien bis hin zum Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft des Landes.

31.08.2009 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

In 2008 förderte die Stiftung 28 Projekte im Umfang von insgesamt 5,7 Millionen Euro. Davon wurden 9 Vorhaben am Standort Mainz, 14 am Standort Kaiserslautern und 5 an anderen Standorten realisiert. Auch in der frühen Nachwuchsförderung ist die Stiftung engagiert. Auch im vergangenen Jahr förderte sie Schulen, die beim Landeswettbewerb ´Jugend forscht´ erfolgreich waren sowie Schulen mit einer besonders hohen Quote von Jungforscherinnen mit insgesamt 10.000 Euro.

"Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation ist ein exzellentes Förderinstrument, mit dem wir innovative Vorhaben in Zukunftstechnologien flexibel und schnell unterstützen können", erklärte die Vorsitzende der Stiftung, Ministerin Ahnen. Dies reiche von der Kommunikations- über die Biotechnologie bis hin zur Medizin. "Damit trägt die Stiftung ganz wesentlich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zu erhalten und weiter auszubauen."

"Die Projekte der Stiftung Innovation vernetzen Wirtschaft und Wissenschaft. Dies ist angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise wichtiger denn je. Unternehmen, die über neueste Technologien verfügen, werden den Weg aus der Wirtschaftskrise schneller und nachhaltiger bewerkstelligen können", sagte Minister Hering.

In vielen Fällen habe die Stiftung den Grundstein dafür gelegt, andere Drittmittelgeber aus dem öffentlichen oder privaten Bereich mit ins Boot zu holen oder Impulse für Neugründungen von Firmen zu geben, führte Ministerin Ahnen aus. Hochschulen profitierten von Anschubfinanzierungen, durch die sie ihre Profilbildung intensivieren oder Sonderforschungsbereiche einrichten konnten. Auch am Aus- und Aufbau von Forschungsinstituten und Kompetenzzentren mit internationaler Reputation sei die Stiftung oft maßgeblich beteiligt gewesen, wie beispielsweise die Gründung zweier Fraunhofer Institute in Kaiserslautern zeige.
Neue Kooperationen wie etwa zwischen Physikern und Medizinern der Universität Mainz wurden durch Stiftungsaktivitäten geknüpft. Sie entwickelten in einem interdisziplinären Projekt eine Methode zur Untersuchung von Lungenkrankheiten; das hier hergestellte polarisierte Helium wird inzwischen weltweit versandt. Andere Projekte wiesen einen deutlichen sozialen Bezug auf. So würden im Bereich der Hausautomatisierung derzeit mit Stiftungsunterstützung Methoden und Produkte entwickelt, die ein selbstbestimmtes Wohnen älterer Menschen erleichtern.

"Diese Beispiele verdeutlichen anschaulich das Kernanliegen der Stiftung, nämlich Projekte zu ermöglichen, die Wissenschaft und Wirtschaft voranbringen und die der Gesellschaft von Nutzen sind", so Ministerin Ahnen.

Dass Wissenschaft und Technologie spannend, anschaulich und nah an der Praxis sind, machten Forscherinnen und Forscher aus Mainz und Kaiserslautern bei der Präsentation der "Jubiläumsprojekte" deutlich, die für die Rekordmarke von 100 Millionen Euro gesorgt hatten.

´Impfung´ gegen Krebserkrankungen

Prof. Dr. Stephan Grabbe aus der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz stellte sein Projekt im Bereich der Immuntherapie vor: Diese Behandlungsmöglichkeit hilft dem Körper durch Stärkung des eigenen Immunsystems dabei, eine Tumorerkrankung zu bekämpfen. Im Prinzip ist dies eine Art ´Impfung gegen den Krebs´. Die Herausforderung dabei ist, die normalen immunologischen Prozesse im Körper so zu steuern, dass das Immunsystem für Tumorzellen sensibilisiert wird, möglichst ohne eigene gesunde Zellen zu zerstören. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Impfung würde diese ´Antitumor-Impfung´ aber erst erfolgen, wenn die Erkrankung eingetreten ist und entartete Zellen gezielt bekämpft werden müssen.
Krebserkrankungen gehören immer noch zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und werden durch die steigende Lebenserwartung der Menschen noch stärker in den Fokus rücken. Das Projekt ist daher potentiell von erheblicher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung, könnte es doch eine Plattformtechnologie entwickeln, mit der Impfstoffe gegen eine Vielzahl von Infektionskrankheiten und Tumorerkrankungen auf einfache Weise produziert werden könnten.

Die virtuelle Fabrik, gesteuert über einen 3D-Bildschirm

Besonders anschaulich präsentierte Prof. Dr. Didier Stricker vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern sein Projekt mit dem Prototyp eines Multi-Touch Tisches. Ein Tischbildschirm wird statt mit Maus und Tastatur nur mit den Fingern bedient und ist gleichzeitig Steuerungs- und Präsentationsmittel. Hier entstehen 3D-Welten, durch die man sich mit Hilfe dieses Touchscreens bewegen und vielfältige Aktionen auslösen kann. Bedienung und erzeugte Bilder gehen ohne externe Steuerungsbefehle direkt ineinander über. Prof. Stricker führte beispielhaft durch eine "Virtuelle Fabrik", die eingesehen, gesteuert und überwacht werden kann. Der Benutzer kann Bauteile auswählen, aktuelle Prozessdaten dazu abfragen, Warnungen lokalisieren oder die Position von Service-Technikern in Echtzeit visualisieren und diese gleichzeitig per Video-Konferenz zuschalten.

Infos:
Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation wurde 1991 durch das Land Rheinland-Pfalz gegründet und mit einem Stiftungsvermögen von rund 100 Millionen Euro ausgestattet.

Erste Erlöse aus dem Stiftungskapital konnten 1993 für Fördermaßnahmen eingesetzt werden. Seitdem stehen jährlich 5 bis 6 Millionen Euro zur Förderung der Grundlagenforschung, der anwendungsorientierten Forschung, des Einsatzes neuer Technologien und für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft des Landes zur Verfügung.

Seit 1993 wurden 632 Forschungsprojekte mit insgesamt rund 100 Millionen Euro unterstützt.

Alle Angelegenheiten der Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung beschließt der Vorstand. Das Kuratorium berät den Vorstand in allen Fragen der Förderung von Innovation zur Verwirklichung des Stiftungszwecks. Dem Kuratorium gehören 15 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik des Landes Rheinland-Pfalz an.

Die Geschäftsstelle unterstützt den Vorstand und das Kuratorium bei ihren Aufgaben und führt die laufenden Geschäfte der Stiftung. Geschäftsführerin ist die Ministerialdirigentin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Brigitte Klempt.


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