Alles digital? Die Digitalisierung der Bildung
Durch die Nutzung von Medien ergeben sich neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung und der Vorbereitung auf das Berufsleben: Von digitalen Schulbüchern bis hin zu Vokabel-Apps, von Serious Games über Leseförderung bis zur Industrie 4.0. Doch sowohl Finanzierung und Ausstattung als auch Fragen von Datenschutz und Rechtssicherheit stellen das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Von Sandra Georg
14.12.2015 ArtikelWie können Lehrkräfte die Medienkompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler stärken? Welchen Wert hat das digitale Lernen in der Kita? Wie verbessern Wikis, Apps und Co den Lernerfolg? Und welche Rahmenbedingungen muss die Bildungspolitik dafür schaffen? Fest steht: Beim digitalen Lehren und Lernen gibt es in Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf. Laut der Studie International Computer and Information Literacy Study (ICILS) belegen deutsche Achtklässler mit ihrer Medienkompetenz im internationalen Vergleich von 21 Ländern nur einen Mittelfeldplatz und landen unter anderem hinter Tschechen, Kanadiern und Norwegern. Außerdem bezeichnen 54 Prozent von über 500 Schülern weiterführender Schulen bei einer Befragung im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM und der LEARNTEC die IT-Ausstattung an ihrer Schule als mittelmäßig oder schlecht.
Ausweitung der Kompetenzen, Einsatz von digitaler Technik
Während die digitale Qualifizierung in Kindertagesstätten laut einer Allensbach-Umfrage lediglich für 18 Prozent der Eltern relevant ist, zeigt sich bereits mit dem Wechsel in die Grundschule ein anderes Bild. Ein Großteil der Eltern unterstützt und fordert den Einsatz digitaler Medien und die Qualifizierung ihres Nachwuchses durch die Lehrkräfte. Dabei kommt es den Eltern vor allem darauf an, den Kindern einen reflektierten Umgang mit den neuen Medien und dem Internet beizubringen. Für die Lehrkräfte ist dagegen der didaktische Mehrwert entscheidend: Sie suchen nach Möglichkeiten, den Unterricht mit aktuellen Themen zu gestalten, den Lernerfolg ihrer Schülerinnen und Schüler zu sichern und die individuelle Förderung zu verbessern. Doch es mangelt sowohl an einer umfassenden Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte als auch an der Finanzierung von Hardware und Bildungsmedien.
Prävention bei Cybermobbing
Um den kompetenten Umgang mit der digitalen Welt zu zertifizieren, machen einige Schulen und Bundesländer sogenannte Internetführerscheine mit ihren Schülern. Denn auch wenn sie "digital native", d.h. in einer digitalen Welt aufgewachsen sind: Der Gefahren, die Cybermobbing oder Sexting bergen, sind sie sich oft nicht bewusst. Lehrerinnen und Lehrer sind sowohl für präventive Maßnahmen verantwortlich als auch für die Hilfe im Fall des Falles. Die Medienberatungen der Länder und auch die Polizeidienste helfen ihnen, die Mechanismen, die beispielsweise hinter Mobbing stecken, zu erkennen.
Digitale Kompetenzen sind abhängig vom Bildungsgrad
Nach Angaben einer Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet zeigt sich ein weiteres Problem: Da die digitale Kompetenz zu großen Teilen vom Bildungshintergrund der Eltern abhängt, ist man im Bereich Digitalisierung weit von Chancengleichheit entfernt. Das betrifft sowohl die unterschiedlich gute technische Ausstattung von Schülerinnen und Schülern als auch den individuellen Lernerfolg, der mit diesen digitalen Medien erzielt werden kann. "Wenn sich soziale Ungleichheiten im Netz reproduzieren, wächst die Bedeutung externer Sozialisationsinstanzen: Die Rolle von Schulen und Kindertagesstätten als zentrale Instanz für Wissens- und Kompetenzvermittlung (...) wird virulent", schreiben die Verantwortlichen der ICILS-Studie.
Fortschreitende Automatisierung der Arbeitswelt
Wesentlicher Treiber des digitalen Lehrens und Lernens ist die so genannte Industrie 4.0. Die fortschreitende Digitalisierung in der herstellenden Industrie ebenso wie im Dienstleistungsbereich stellt neue Anforderungen an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und damit auch an die Ausbildungsbetriebe und beruflichen Schulen. Diese stehen zudem einer neuen Generation von Azubis gegenüber: dem "Homo Zappiens" der Generation Y.
Info: VIRALE TRENDS BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
Selfies Unter Selfies versteht man Selbstporträts, die mit einer auf Armeslänge gehaltenen Digitalkamera oder einem Handy aufgenommen und in den sozialen Netzwerken gepostet werden. Dazu gehören auch Nacktbilder des eigenen Körpers. Laut einer Umfrage von Ashleymadison.com, einer Partnerbörse für außereheliche Abenteuer, unter 74.000 Nutzern ergab, dass 60 Prozent der befragten Männer und 52 Prozent der Frauen schon einmal ein Sex-Selfie gepostet haben.
Sexting Das Wort setzt sich aus Sex und Texting zusammen. Gemeint ist die private Kommunikation über sexuelle Themen per SMS. Dazu zählt auch das Verschicken von erotischem Bildmaterial des eigenen Körpers. Laut einer US-amerikanischen Studie von 2008 haben 20 Prozent der 13- bis 19-Jährigen bereits Sextings versendet und 48 Prozent der Jugendlichen solche empfangen.
Sporno Der Name ist eine Kombination aus Sport, Porno und Sex. Dabei geht es um die Darstellung sportlicher Körper im sexuellen Kontext, beispielsweise, wenn Fußballspieler als Unterwäschemodels posieren. Jugendliche kopieren diesen Trend und posten Fotos von sich, um die eigene Sexualität als Leistungsschau darzustellen.
Neknomination Der Begriff stammt aus dem englischen "nec your drink, nominate another". Dabei handelt es sich um ein Trinkspiel, bei dem die Teilnehmer einen halben Liter Bier auf ex trinken und sich dabei filmen, während sie im Anschluss spektakuläre Dinge tun. Das Video wird in den sozialen Netzwerken gepostet und drei weitere Mitspieler zum Mitmachen aufgefordert. Mehrere Jugendliche kamen dabei bereits zu Tode.
Digitales Lehren und Lernen von Kita bis berufliche Bildung und Qualifizierung ist Thema auf der didacta-Bildungsmesse 2016 in Köln:
VBM.camp
"Digitales Lehren und Lernen: Didaktik – Praxis – Prozesse"
20.2.2016
12.30 Uhr bis 16.30 Uhr
Congress Centrum Nord, Konferenzraum D.
Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen notwendig.
Mehr Informationen und Anmeldung unter www.vbmcamp.de
Frühe Bildung
Forum
didacta aktuell
Täglich
Forum didacta aktuell, Halle 6, Stand C 61
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft
Weitere Informationen unter: www.didacta.de
Schule/Hochschule
Sonderschau
Alt trifft Jung – Digitale Chancen gemeinsam entdecken!
Täglich
Halle 7, Stand A 24
Veranstalter: Stiftung Digitale Chancen
Workshop und Vorträge
Offene und datengetriebene Innovationen für Bildungsmedienanbieter
Anmeldung bis zum 12.02.2016: Alexandra Jobmann ( ).
19.02.2016
10:00 bis 12:00 Uhr
Congress-Centrum Ost, Congress-Saal 2
Veranstalter: IPN Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, DIPF Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Know- Center GmbH und Wikimedia Deutschland e. V. Kooperationspartner: Didacta Verband der Bildungswirtschaft
Preisverleihung
Deutscher Bildungsmedien-Preis – digita 2016
17.02.2016
16:00 Uhr
Forum didacta aktuell, Halle 6, Stand C 61
Veranstalter: IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft GmbH
Weitere Informationen unter www.digita.de
Forum Bildung
"Cyber-Mobbing an Schulen - Möglichkeiten der Prävention und Intervention"
16.02.2016
12:30 Uhr
Forum Bildung, Halle 6, E50/F5
Forum Bildung
"Social Media in der Schule: Abschalten und verbieten?"
20.02.2016
12:00 Uhr
Forum Bildung, Halle 6, E50/F51
Forum Bildung
"Bildung 4.0: Wer begleitet unsere Schüler/-innen in die digitale Zukunft?"
19.02.2016
13:30 Uhr
Forum Bildung, Halle 6, E50/F51
Forum Bildung
"Schule in der digitalen Welt: Wie wird sich Unterricht verändern?"
18.02.2016
13:30 Uhr
Forum Bildung, Halle 6, E50/F51
Forum Bildung
"Digitale Bildung" in der Schule: Ist sie bereits gescheitert?
20.02.2016
10:30 Uhr
Forum Bildung, Halle 6, E50/F51
Forum Unterrichtspraxis
"Cybermobbing & Sexting – Herausforderung für den Sozialraum Schule"
18.02.2016
15:00 Uhr
Forum Unterrichtspraxis, Halle 7, B50/C51
Forum Unterrichtspraxis
"Tablets, Smartphones und Apps im Unterricht sinnvoll einsetzen?!"
19.02.2016
11:00 Uhr
Forum Unterrichtspraxis, Halle 7, B50/C51**
Berufliche Bildung
Forum berufliche Bildung
Digitale Fitness: Welche Kompetenzen benötigen Ausbilder/innen und Lehrkräfte in Zukunft?
16.02.2016
13:30 – 14:15 Uhr
Forum Berufliche Bildung, Halle 9, Stand A36/B39
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft / Verband Bildungsmedien e.V.
VBM.camp
"Digitales Lehren und Lernen: Didaktik – Praxis – Prozesse"
20.2.2016
12.30 Uhr bis 16.30 Uhr
Congress Centrum Nord, Konferenzraum D.
Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen notwendig.
Mehr Informationen und Anmeldung unter www.vbmcamp.de
Forum berufliche Bildung
Prüfungsvorbereitung mit digitalen Medien
Zu Gast: Patrick Schmidt von brainyoo
17.02.2016
13:30 – 14:15 Uhr
Forum Berufliche Bildung, Halle 9, Stand A36/B39
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft / Verband Bildungsmedien e.V.
Forum berufliche Bildung
Projektvorstellung DiNöR: Ökonomische Bildung durch digitale Narration
Zu Gast: Judith Kunz von der Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V.
18.02.2016
14:30 – 15:30 Uhr
Forum Berufliche Bildung, Halle 9, Stand A36/B39
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft / Verband Bildungsmedien e.V.
Forum berufliche Bildung
Digitalisierung: Wie verändert sie die berufliche Bildung?
Es diskutieren
- Sophia Tiemann (Industrie- und Handelskammern in NRW)
- Wilhelm Schröder (Verband für Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs NW e.V. )
- Wilhelm Heuken (Currenta GmbH & Co. OHG)
19.02.2016
12:15 – 13:15 Uhr
Forum Berufliche Bildung, Halle 9, Stand A36/B39
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft / Verband Bildungsmedien e.V.
Interview
"Homo Zappiens": Wie lernen und arbeiten wir morgen?
18.02.2016
11:30 Uhr
Forum Berufliche Bildung, Halle 9, Stand A36/B39
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