Bayerische Kunstförderpreise in der Sparte Literatur für Karin Fellner, Stefanie Geiger und Luis Ruby

Die Bayerischen Kunstförderpreise in der Sparte Literatur 2008 stehen fest. Drei Preise mit je 5.000 Euro, einer davon dotiert von der Kester-Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck, gehen in diesem Jahr an die Lyrikerin Karin Fellner, die Schriftstellerin Stefanie Geiger für ihren Debütroman "Der Eisfürst" und den Übersetzer Luis Ruby. "Die Preisträger in diesem Jahr stehen für die Vielfalt literarischen Schaffens in Bayern. Besonders erfreulich ist, dass der Bereich der literarischen Übersetzung durch einen Förderpreis zur Geltung kommt", sagte Kunstminister Thomas Goppel am Freitag zu den Vorschlägen der unabhängigen Jury.

29.08.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Die Münchner Lyrikerin Karin Fellner wird für ihren zweiten Gedichtband "in belichteten wänden" ausgezeichnet, erschienen 2007 im yedermann Verlag. Beeindruckt hat die Jury die sprachliche Arbeit der sieben Gedichtzyklen, in denen sich die Grenzen zwischen Wahrgenommenem, Empfundenem und Imaginiertem auflösen. Als Kennerin lyrischer Traditionen und Gattungen finde Karin Fellner, so die Jury, im Spiel oder Bruch mit ihnen eine ganz eigene Art, über unsere Gegenwart zu sprechen. So wird beispielsweise im ersten Zyklus "futter" mit den Mitteln der Naturlyrik ein Migrantenschicksal erzählt. In "Motti" nimmt sie Bezug auf große weibliche Lyrikerinnen.

Stefanie Geigers Debütroman "Der Eisfürst" erschien im Frühjahr 2008 bei C.H. Beck. Die Jury würdigte das hochentwickelte Sprachbewusstsein der jungen Autorin, ihr Formgefühl und die poetische Qualität ihres Textes. Besonders hervorgehoben wurde die Komplexität der Thematik. Geiger habe einen Roman vorgelegt, der im Versuch der erzählenden Rekonstruktion von Vergangenheit verschiedene Perspektiven, aber keine endgültige Wahrheit entstehen lässt. Eine vielstimmige Geschichte mit Mut zu verblüffenden Einfällen sei dabei entstanden. 2005 und 2006 nahm die in Augsburg lebende Autorin am textwerk-Seminar des Literaturhauses München teil.

Die Jury würdigte Luis Rubys, Anglist und Hispanist, höchst gelungene literarische Erstübersetzung von Carlo Frutteros Kriminalroman "Donne informate sui fatti" mit dem Titel "Frauen, die alles wissen", erschienen 2008 bei Piper. Der Übersetzer sei besonders durch die Entwicklung verschiedener Figurenstimmen in dem multiperspektivischen Roman gefordert gewesen. Die Jury befürwortet die Auszeichnung im Bereich der literarischen Übersetzung in diesem Jahr besonders, weil mit dieser Auszeichnung auch ein Signal für die derzeitige Diskussion über die Situation der Übersetzer auf dem freien Buchmarkt erfolge.

Der Bayerische Kunstförderpreis soll begabte Nachwuchsautoren und ­autorinnen auf ihrem eingeschlagenen Weg bestärken und sie zur weiteren schriftstellerischen Entwicklung ermutigen. Die Preisträger müssen durch literarische Veröffentlichungen hervorgetreten sein, in Bayern wohnen und dürfen höchstens 40 Jahre alt sein. Kunstminister Thomas Goppel wird alle Bayerischen Kunstförderpreise, die auch an Künstler in den Sparten Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst verliehen werden, am 17.9.2008 in der Münchener Residenz überreichen.


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