Ausbildungsreport

BIBB-Report: Geringere Ausbildungschancen für Migrantenkinder

Wie erfolgreich junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, wird sehr stark von ihrem Schulabschluss beeinflusst. Welche schulische Qualifikation Jugendliche bei Abgang von der allgemeinbildenden Schule erreicht haben, hängt wiederum erheblich von der sozialen Herkunft ab: also von der Bildung und dem beruflichen Status der Eltern. Beim Übergang in die Berufsausbildung spielt dann die soziale Herkunft der Jugendlichen – neben dem Schulabschluss – nochmals eine große Rolle. So kommt es zu einer Benachteiligung von jungen Frauen und Männern, die unter ungünstigeren familiären Vo­raussetzungen ihre Schullaufbahn starteten und nun an der Schwelle zur Berufsausbildung oft mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Eine neue Analyse auf Basis der Übergangsstudie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2006 zeigt diese Zusammen­hänge sowohl für junge Frauen als auch für junge Männer mit und ohne Migrationshinter­grund auf. Die Ergebnisse sind veröffentlicht in der aktuellen Aus­gabe von BIBB REPORT, Heft 15/10.

16.11.2010 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Jugendliche überproportional oft die Hochschulreife er­reichen, wenn ihre Eltern über eine hohe Bildung verfügen und der Vater einen hohen beruf­lichen Status besitzt. Umgekehrt verlassen Kinder aus bildungsferneren, sozial schwächeren Familien die allgemeinbildende Schule besonders häufig ohne Abschluss oder mit Haupt­schulabschluss.

Eine große Mehrheit der Jugendlichen mit Studienberechtigung und guten Noten beabsich­tigt, nach Beendigung der Schule ein Hochschulstudium aufzunehmen, während nicht studi­enberechtigte Jugendliche größtenteils eine betriebliche Lehre anstreben – vor allem bei schlechteren Schulnoten. Dies liegt zwar zum großen Teil an den unterschiedlichen Zu­gangsvoraussetzungen zu den verschiedenen Ausbildungswegen, aber zusätzlich wirkt sich laut BIBB-Studie auch die soziale Herkunft auf die beruflichen Bildungsabsichten aus: Kom­men Jugendliche aus gut gebildeten, statushohen Elternhäusern, so neigen sie selbst bei gleichen schulischen Voraussetzungen deutlich seltener zu einer betrieblichen Lehre als Jugendliche aus weni­ger günstigen sozialen Verhältnissen.

Ob und wie rasch Jugendliche eine Lehrstelle finden, hängt stark von ihrer schulischen Qua­lifikation ab: Die Erfolgsaussichten sind eher gering, wenn kein Abschluss oder nur ein Hauptschulabschluss erreicht wurde und die Schulnoten schlecht sind. Dagegen sind die Aussichten besonders günstig bei einem mittleren Schulabschluss und guten Noten. Aber auch hier gibt es laut BIBB-Studie einen Zusammenhang mit der sozialen Herkunft: Verfügen Vater und Mutter über einen Berufsabschluss, so sind die Einmündungschancen in eine betriebliche Lehre für die Jugendlichen unabhängig von ihren schulischen Voraussetzun­gen besonders hoch. In diesen Familien kann durch die eigene Ausbildungserfahrung der Eltern offensichtlich eine wirksame Unterstützung bei der Lehrstellensuche geleistet werden. Hierzu sind Eltern ohne Berufsabschluss anscheinend weniger gut in der Lage.

Jugendliche mit Migrationshintergrund verlassen die allgemeinbildende Schule häufiger mit niedrigeren Schulabschlüssen und schlechteren Schulnoten als Jugendliche ohne Migrati­onshintergrund. Junge Migrantinnen und Migranten streben eine betrieb­liche Berufsausbil­dung allerdings genauso sehr an wie die deutsche Vergleichsgruppe. Der Übergang in die Berufsausbildung wird für Jugendliche mit Migrationshintergrund jedoch durch ihre schlech­teren schulischen Voraussetzungen und ihre ungünstigere soziale Herkunft er­schwert, ihre Eltern haben vielfach keinen Berufsabschluss und ihr Vater oft einen niedrigen berufli­chen Status.

Allerdings sind dies den BIBB-Analysen zufolge nicht die alleinigen Gründe für die schlech­teren Chancen von jungen Migrantinnen und Migranten bei der Suche nach einem Ausbil­dungsplatz. Ihre Aussichten auf eine Lehr­stelle sind verglichen mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund auch dann wesentlich geringer, wenn sie über die gleichen schuli­schen Abschlüsse und die gleichen sozioökonomischen Voraussetzungen verfügen. Es kommen also weitere Benachteiligungen hinzu, die in direktem Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund stehen. So könnten zum Beispiel auch die Rekrutierungsverfahren der ausbildenden Betriebe eine Rolle spielen.

Für Jugendliche, die aus sozial schwächeren Familien oder aus Familien mit einer Migrati­onsgeschichte stammen, nehmen die Schwierigkeiten im Laufe ihres Bildungsweges oftmals immer mehr zu. Bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz müssen sich diese Jugendlichen auf einem Ausbildungsmarkt behaupten, auf dem die Betriebe nach Leis­tungsgesichtspunkten entscheiden und vermeintlich leistungsschwächeren Jugendlichen, insbesondere bei einem Migrationshintergrund, eher selten eine Chance geben.

Angesichts der demografischen Entwicklung und des drohenden Fachkräftemangels, so das Fazit der BIBB-Studie, werden die Betriebe prüfen müssen, ob sie die Auswahlkriterien bei der Besetzung ihrer Lehrstellen un­verändert beibehalten. Die Wirtschaft wird aufgrund der demografischen Entwicklung künftig auf das gesamte vorhandene Arbeitskräftepotenzial angewiesen sein. Daher liegt es auch im Interesse der Betriebe, allen jungen Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft und Leistungsstärke – eine berufliche Qualifi­zierung zu er­möglichen. Die Potenziale dazu sind vorhanden, sie müssen aber besser ausgeschöpft wer­den.

Ausführliche Informationen enthält der neue BIBB REPORT, Heft 15/10:
"Ausbildungsplatz­suche: Geringere Chancen für junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund. BIBB-Analyse zum Einfluss der sozialen Herkunft beim Übergang in die Ausbildung unter Berück­sichtigung von Geschlecht und Migrationsstatus". Die Ausgabe kann kostenlos im Internet­angebot des BIBB unter www.bibb.de/bibbreport heruntergeladen werden.

Ansprechpartnerin im BIBB:
Dr. Mona Granato, E-Mail:


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