"Das größte Wachstumsthema innerhalb der Verlagsbranche ist Bildung"
(red) Am 12. Oktober beginnt die Buchmesse 2011 in Frankfurt. Seit einigen Jahren steht auch das Thema Bildung ganz explizit auf ihrer Agenda. Die Buchmesse eine Bildungsmesse? Fragen dazu von [www.didacta-bildungsklick.tv](http://www.didacta-bildungsklick.tv) an Messedirektor Juergen Boos.
11.10.2011 ArtikelWelche Rolle spielt das Thema Bildung auf der Buchmesse?
Bildung und Buch lassen sich nicht trennen, seit Existieren der Buchmesse oder zumindest seit der Neugründung 1949 war das immer wichtiges Thema ob die Schulbuchverlage, ob die Lehrer, ob die Bibliothekare sich auf der Buchmesse gefunden haben. Wir haben das in den letzten Jahren noch ein bisschen stärker fokussiert, weil ohne Bildung wird nicht gelesen damit würden wir uns die Existenzgrundlage entziehen als Verleger – insofern ist Bildung für uns essenziell.
Aber die Buchmesse ist nicht als Bildungsmesse bekannt geworden ...
Nein die Buchmesse ist nicht als Bildungsmesse bekannt geworden. Sondern sie ist ein wirtschaftliches Ereignis in 1. Linie. Aber da die besondere Ware doch viel mit Bildung, mit Kultur zu tun hat, mit der Fähigkeit sich auseinanderzusetzen mit Inhalten mit Geschichten –steht die Buchmesse dafür viel mehr als für diesen geschäftlichen Marktplatz.
Ist das Thema Bildung also allgegenwärtig auf der Messe?
Das Buch lässt sich nicht von dem Thema Bildung trennen – das ist ein internationales Thema. Wir wollen in Frankfurt - wir haben in der Regel über 110 Länder vertreten -, dass man sich darüber austauscht: Wie geht man mit dem Thema Bildung, mit dem Thema Leseförderung mit dem Thema Erwachsenenbildung um? Wir sehen, dass es für die Verlage - aber auch für unser Publikum - sehr wichtig ist, wie sich Bildung entwickelt. Das große Thema ist spielerisches Lernen. Spielerisches Lernen hat aber wieder ganz viele Schnittstellen zu dem Thema was hilft uns das Digitale, was hilft uns das Elektronische, das Interaktive im Bereich Bildung. Aber ich glaube, Sie finden kaum eine Stelle, an der nicht Bildung drunterliegt auf der Messe.
Wie sprechen Sie die Bildungsinteressierten an?
In erster Linie ist unsere Zielgruppe dann der Bildungsvermittler, das heißt, wir versuchen, nicht nur den Gymnasiallehrer zu erreichen, den Deutsch-Leistungskurs-Unterrichtenden, sondern wir sind tatsächlich auch schon in der Grundschule unterwegs. Wir versuchen noch Dinge wie "Fußball trifft Kultur", dass wir Jugendliche und Kinder über Sport zum Lesen bringen – das ist eine offene Aktivität, die das ganze Jahr über mit Bundesligavereinen stattfindet – das ist ne ganz große Bandbreite. Wir sprechen auch die Branche an. Ich glaube das größte Wachstumsthema innerhalb der Verlagsbranche ist tatsächlich Bildung. Gerade in Ländern die im Moment in aller Munde sind Brasilien, Indien, China ist Bildung das größte Thema überhaupt. Wie habe ich bei einem riesigen Bevölkerungswachstum gleichzeitig bei einem wachsenden wirtschaftlichen Einkommen - wie kann ich das in Bildung umsetzen?
Bei der Buchmesse - der Name sagt es - geht es um Bücher, aber die Lernmedien entwickeln sich weiter …
Das Buch hat natürlich viele Ausprägungen. Wir haben vor einigen Jahren sicher das Buch einfach mit Papier gleichgesetzt. Das ist jetzt inzwischen sicher ganz falsch. Das Buch hat sich verändert. Das Buch ist die Geschichte und ob das auf Papier oder digital ist ob das als Hörbuch oder als Kino- oder Fernsehfilm existiert – das ist für die Geschichte eigentlich egal. Hauptsache ist, sie erreicht ihren Leser. Und da sind wir sogar in diesem Jahr noch einen Schritt weiter, weil wir die ganzen Mischformen haben. Wenn Verlage hingehen, aus populären Fernsehsendungen digitale Bücher machen, die wiederum mit dieser Fernsehsendung vernetzen, dann entsteht da was ganz Neues.
Die Buchmesse ist auch Lizenzmesse – gilt das auch für die Bildungsinhalte?
Natürlich sind Bildungsmedien dadurch, dass sie über Schulsysteme finanziert werden und unter kulturministerieller Hoheit liegen, ist das sehr ausdifferenziert. Das heißt, ich kann nicht einfach ein Schulbuch oder Bildungsinhalte von Deutschland nach Frankreich verpflanzen oder gar nach Lateinamerika. Das ist nicht so einfach. Auf der anderen Seite können wir, wenn wir die Anforderungen zusammenbringen und diesen internationalen Austausch fördern- und die großen Schulbuchverlage sind alle international - sehr viel bewirken. Es ist also auch eine Rolle von Frankfurt, Leute zusammenzubringen, um diese Bildungsinhalte an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen.
Wie wird sich der Bildungsbereich auf der Frankfurter Buchmesse weiterentwickeln?
Ich glaube, dass er weiter wachsen wird. Auf der einen Seite, wie gesagt, sehen wir riesige Märkte für Bildungsverlage wir sehen aber auch ein riesiges Bedürfnis. Es wird viel mehr in die Bildung investiert, es wird auch immer wichtiger im globalen Wettbewerb. Wir sehen, dass die Technologien weitergehen. Auch die haben inzwischen ihren Platz auf der Frankfurter Buchmesse. Und ich glaube, das liegt tief drin im Geschichtenerzählen, dass der Geschichtenerzähler auch immer einen gewissen Bildungsauftrag hat. Er will ja etwas mitteilen. Auch der Leser, der sich mit einem Buch auseinandersetzt, will nicht nur unterhalten werden, sondern das Lesen verändert ihn auch. Und damit sind wir wieder bei der Bildung - das ist inhärent, das liegt tief drin.
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