Diäten für Politiker - Diät für Pädagogen
Die geplante Diätenerhöhung der Landtagsabgeordneten stößt auch beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) auf Kritik: "Das Vorhaben ist mindestens ungeschickt und angesichts des strikten Sparkurses nicht konsequent", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München.
04.04.2011 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Er appellierte in einem Schreiben an die Abgeordneten der CSU und FDP im Bayerischen Landtag, die im Doppelhaushalt vorgesehene Nullrunde für Beamte und die Kürzung der Eingangsbesoldung für angehende Lehrkräfte noch einmal zu beraten und sich klar darüber zu werden, dass eine Erhöhung der Diäten nicht nachvollziehbar sei, wenn gleichzeitig andere Berufsgruppen massive finanzielle Einschnitte zu verkraften hätten. Nicht nur Lehrer seien unzufrieden mit der derzeitigen Politik. Erst am Wochenende hätten zahlreiche Eltern in einer spontanen Demonstration auf dem Münchner Odeonsplatz ihrem Ärger über massive Einsparungen im Bildungsbereich Luft gemacht und mehr Geld für Bildung sowie mehr Lehrer für ihre Kinder gefordert.
"Das ist ein beeindruckendes und ernst zu nehmendes Signal der Elternschaft", erklärte Wenzel. "Niemand kann mehr nachvollziehen, dass tausende junge und gut ausgebildete Lehrkräfte auf der Straße stehen oder bestenfalls mit Zeitverträgen abgespeist werden, wenn gleichzeitig Unterricht ausfällt und an Schulen Personal fehlt." Genauso wenig sei es nachzuvollziehen, dass die Taschen der Politiker mit Geld gefüllt werden, Schulen und Lehrer aber leer ausgehen.
"Ich kann gut verstehen, dass mit Ausgleichzahlungen die Inflationsrate abgefedert werden soll. Ich kann auch durchaus verstehen, dass Abgeordnete auf ihr Recht nach einer angemessenen Bezahlung pochen. Sie wissen, gerechte Bezahlung steigert die Motivation. Ich kann aber nicht verstehen, dass bei diesen Überlegungen andere Berufsgruppen ausgeschlossen werden", machte Wenzel klar. Die Abgeordneten sollten nicht vergessen, dass es viele Berufe gibt, die ebenso fordernd und kräftezehrend sind. Von der Inflationsrate seien außerdem alle betroffen.
"Zu den anstrengenden Berufen gehört zweifelsfrei auch der Lehrerberuf", stellte er klar. "Das Lehrersein erfordert hohes Engagement, Idealismus und setzt starke Motivation voraus." Dennoch müsse ausgerechnet diese Berufsgruppe massive finanzielle Einbußen verkraften: für die Beamten wurde eine Nullrunde angeordnet, angehende Lehrkräfte müssen sich mit der Herabsetzung der Eingangsbesoldung um rund 300 Euro abfinden. Die Ausgrenzung der Beamten von der allgemeinen Einkommensentwicklung, die Absenkung der Eingangsbesoldung und die geplante Nullrunde stellten nicht nur eine finanzielle Diskriminierung dar. "Sie werden von uns auch als Geringschätzung unseres Engagements und unseres Einsatzes durch die politischen Entscheidungsträger erlebt, was eigentlich noch schlimmer ist", beklagte Wenzel.
"Wenn Landtagsabgeordnete für ihre eigene berufliche Situation gute Bedingungen schaffen, müssen sie das auch für andere Berufsgruppen tun", verlangte der BLLV-Präsident und appellierte an die Politiker, noch einmal ernsthaft über Diätenerhöhungen bei gleichzeitigen Sparmaßnahmen nachzudenken. "Der aktuelle Haushaltsentwurf muss im Hinblick auf Nullrunde und Senkung der Eingangsbesoldung noch einmal intensiv und ausführlich diskutiert und neu verhandelt werden."
Das Schreiben an die Abgeordneten der CSU und FDP im Bayerischen Landtag ist im Internet unter www.bllv.de zu finden.
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