Erwerbslosigkeit der Eltern – Armutsrisiko Nummer eins für Kinder

Aspekte der Kinderarmut auch in Baden-Württemberg stellt Dr. Bernd Eggen in der Juniausgabe des Statistischen Monatshefts vor. In zwei Beiträgen geht es um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bundeslandes. Bei der Forschung und Entwicklung nimmt das Land einen Spitzenplatz ein, dagegen sind die Lohnstückkosten hierzulande im Vergleich zur internationalen Konkurrenz beachtlich hoch. Zwei weitere Beiträge befassen sich mit dem Thema Tourismus. Die mittelfristigen Entwicklungen in Baden-Württemberg werden untersucht und Auswirkungen der demografischen Veränderungen aufgezeigt, die zur Chance für die Tourismusbranche werden können, wenn sie sich mit ihren Angeboten auf die über 50-jährigen einstellt. Weitere Themen, z.B. zur Entwicklung des Personals im öffentlichen Dienst und zur Aufbereitung und Verwertung von Baustellenabfällen runden im aktuellen Statistischen Monatsheft die Vielfalt aus der amtlichen Statistik ab.

25.06.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Kinderarmut – auch in Baden-Württemberg?

Kinderarmut gibt es im Südwesten, zwar seltener als in Deutschland üblich, aber häufiger als in anderen europäischen, besonders skandinavischen Staaten. Wenn Kinder arm sind, dann fehlt es nicht nur an Geld, sondern oft auch an Bildung, Gesundheit, sozialen Kontakten und wohl nicht selten auch an Zuwendungen und Anregungen durch die Eltern. Das Leben der Kinder in Armut ist deshalb nicht einheitlich. Es reicht von Obdachlosigkeit über ein Leben in Heimen bis hin zum Aufwachsen in dauerhaft wirtschaftlich prekären Verhältnissen der Familie. Das Armutsrisiko Nr. 1 für Kinder ist die Erwerbslosigkeit ihrer Eltern. Auch der Blick nach Nordeuropa belegt dies: Sind beide Eltern erwerbstätig, ist auch die Armut der Kinder selten.

Forschung und Entwicklung in Baden-Württemberg: Ein Spitzenplatz im internationalen Vergleich

In Forschung und Entwicklung ist Baden-Württemberg international gut aufgestellt und verfügt über eine sehr gute technologische Basis. Mit einem Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt von 4,2 Prozent wurde ein neuer Rekordwert erreicht und international ein Spitzenplatz eingenommen. Diese sogenannte FuE-Intensität liegt beispielsweise noch höher als die der Hochtechnologieländer Japan und USA. Seit 1995 wurden die FuE-Ausgaben im Land auf dem bereits erreichten hohen Niveau kontinuierlich ausgeweitet, wobei die prozentualen Zunahmen deutlich über denen des Bruttoinlandsprodukts lagen. Unübersehbar sind auf der anderen Seite Aufholtendenzen bei Forschung und Entwicklung in einer Reihe von Ländern, wie z.B. in China.

Reale Lohnstückkosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen wandern im Allgemeinen dahin, wo das Kapital mehr Rendite erwirtschaftet. Über kostenorientierte Direktinvestitionen in Niedriglohnländer können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. In Rumänien lagen die industriellen Lohnkosten 2006 mit 2,45 Euro pro Stunde bei einem Vierzehntel des baden-württembergischen Niveaus. Um zu entscheiden, ob hohe Arbeitskosten verkraftbar sind, müssen sie allerdings in Relation zur Arbeitsproduktivität gesetzt werden. In Baden-Württemberg stehen einer hohen Produktivität überdurchschnittliche Arbeitskosten gegenüber. Damit sind die Lohnstückkosten im Vergleich zur internationalen Konkurrenz beachtlich. Als Konsequenz werden im Verarbeitenden Gewerbe Stellen oftmals umstrukturiert bzw. Stellen ungelernter Mitarbeiter abgebaut und durch Technologie- und Qualitätsvorsprünge die Wettbewerbsvorteile heimischer Produkte auf dem Weltmarkt gesichert.

Berufswahl und Lebensplanung von Mädchen: Gleichzeitig Gas geben und bremsen?

Überrascht nimmt die Fachwelt immer neu wahr, dass Mädchen heute in Bezug auf Studien- und Berufswahl zwar alles offen steht, diese sich aber dennoch nach wie vor häufig für frauentypische Berufe interessieren und entscheiden. Der demografische Wandel und in dessen Konsequenz der zu erwartende akute Mangel an qualifizierten Fachkräften, führt dazu, dass vielerorts Initiativen ins Leben gerufen werden, die dazu führen sollen, Mädchen für technische Berufe zu begeistern und den Anteil von Studentinnen in natur- und technikwissenschaftlichen Studienfächern zu erhöhen. Bei allen Anstrengungen, junge Frauen für die sich öffnenden Lücken zu begeistern, stellt sich die Frage, was eigentlich die Mädchen selbst dazu meinen. Nutzen sie diese Chancen?

Einwohnerdaten bei den Kommunen und in der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung - Landtagsanfrage und Stellungnahme

Der Gesetzgeber hat der amtlichen Statistik die Aufgabe übertragen, laufend den Einwohnerstand in den Gemeinden festzustellen und fortzuschreiben. Basis dieser statistischen Fortschreibung ist das Ergebnis der jeweils letzten Volkszählung, d.h. gegenwärtig auf dem Zählungsergebnis vom Mai 1987. Die Gemeinden selbst führen ihre Einwohnermelderegister hauptsächlich für melderechtliche Zwecke. Obwohl in beide Quellen die gleichen Fortschreibungskomponenten (Geburten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge) eingehen – allerdings mit unterschiedlicher Verarbeitungsmethodik - , sind zwischen den Einwohnerzahlen nach Ergebnissen der Melderegister und der statistischen Bevölkerungsfortschreibung zum Teil deutliche Differenzen festzustellen. Dies war Anlass einer Landtagsanfrage, deren Beantwortung im Beitrag wiedergegeben wird.

Tourismus 2007: Inlandsgäste verstärken Zuwachs

Vor dem Hintergrund einer schwachen Binnenkonjunktur war die Tourismusentwicklung des Landes in den letzten Jahren bis 2006 stets durch eine mehr oder weniger deutliche Zurückhaltung der Gäste aus Deutschland geprägt. Kräftige Zuwächse bei den ausländischen Gästen sorgten aber dafür, dass seit 2004 die Übernachtungen jeweils leicht anstiegen. Im Jahr 2007 zeigte sich demgegenüber ein deutlich verändertes Grundmuster. Angesichts verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingen profitierte auch das heimische Beherbergungsgewerbe von einer deutlich anziehenden Binnennachfrage, deren Anstieg sogar den Zuwachs bei den ausländischen Gästen übertraf. Im Mittelpunkt des Beitrags steht allerdings die mittelfristige Entwicklung der letzten Jahre, in der sich diese jüngste Veränderung nur bedingt niederschlug. Schwerpunkte bilden dabei die Unterscheidung zwischen nationalen und internationalen Gästen sowie eine Einordnung Baden-Württembergs in die bundesweiten Entwicklungslinien.

Demografischer Wandel als Chance

Wer hätte das gedacht? Aus dem Angst-Thema "Demografischer Wandel" wird ein Chancenthema für den Tourismus im Land. Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat beim Tourismustag auf der CMT in Stuttgart zu Recht aufgezeigt, dass die Alterung unserer Gesellschaft eben nicht nur Probleme schafft, sondern auch neue Möglichkeiten bietet. Schon heute gilt: Bei den sogenannten "Best Agern" – also Menschen über 50 – ist das Reiseland Deutschland überdurchschnittlich beliebt. Die reiseerfahrenen Senioren, die freilich nicht so genannt werden wollen, schätzen die hohe Qualität und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis baden-württembergischer Urlaubsziele und verfügen außerdem über beachtliche Kaufkraft. Gerade die vielfältigen Angebote im Bereich Kulinaristik, Wellness und Gesundheit, die wir im Land zu bieten haben, treffen den Geschmack der älteren Urlauber. Ein "Selbstläufer" ist das Geschäft mit der Zielgruppe "50 plus" freilich nicht. Die "Best Ager" sind anspruchsvolle Gäste, die Wert auf Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen. Betriebe, die zukunftsorientiert denken, tun gut daran, sich schon jetzt auf die Bedürfnisse älterer Gäste einzustellen.

Personal im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg

Die Ergebnisse der Personalstandstatistik 2007 zeigen einen anhaltenden Wandel im Beschäftigungsumfang. Während die Zahl des vollzeitbeschäftigten Personals weiterhin abnimmt, steigt im Gegenzug die Zahl der Teilzeitbeschäftigten. Darüber hinaus spiegelt sich in den Ergebnissen auch der seit längerer Zeit bestehende Wandel der Haushaltsstrukturen im öffentlichen Sektor deutlich wider. Durch Auslagerung von Aufgaben aus den Kernhaushalten in rechtlich unselbstständige oder rechtlich selbstständige Einrichtungen kommt einer Gesamtbetrachtung aller (letztlich) öffentlichen Arbeitgeber eine immer größere Bedeutung zu. So werden z.B. allein durch die Umwandlung der beiden Universitäten Stuttgart und Ulm zu Beginn des Jahres 2007 über 6 000 Beschäftigte nicht mehr im Kernhaushalt des Landes nachgewiesen. Auch die Umwandlung von zahlreichen kommunalen Kliniken in nun rechtlich selbstständige Einrichtungen verändern die "statistische" Personallandschaft.

Die Archivierung elektronischer Statistiken durch das Landesarchiv Baden-Württemberg

Vor gut fünf Jahren konnte die baden-württembergische Archivverwaltung erstmals ein digitales Archivale übernehmen: Die Volkszählung 1970. Heute liegen auch die Statistiken zu Geburten und Sterbefällen, zur Strafverfolgung und -vollzug und verschiedene andere Zählungen in dem Digitalen Magazin der Archivare des Staatsarchivs Ludwigsburg. Hier stehen sie nun neben den vom Statistischen Landesamt übernommenen Papierunterlagen, zu denen auch ältere tabellarische Auswertungen und eine Auswahl der Papierakten zählen. Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Statistischen Landesamt und dem seit 2005 unter neuem Namen firmierendem Landesarchiv wird in den nächsten Jahren durch eine bundesweit einheitliche Vereinbarung zwischen den Statistischen Ämtern und den zuständigen Archivverwaltungen auf neue Beine gestellt. Es liegen also genügend Gründe vor, um eine erste Bilanz ziehen zu können.

Aufbereitung und Verwertung von Bauabfällen in Baden-Württemberg

Ein wichtiger Bereich der abfallwirtschaftlichen Maßnahmen zur Verwertung von Abfällen ist die Aufbereitung von Bauabfällen. Durch deren Wiederverwendung als Sekundärrohstoffe werden insbesondere auch die Ressourcen entsprechender mineralischer Rohstoffe im Land geschont. Im Jahr 2006 wurden nach Behandlung in rund 300 Bauschuttrecycling- und Asphaltmischanlagen in Baden-Württemberg immerhin 8 Millionen Tonnen (t) an Bauabfällen der Wiederverwendung zugeführt. Das waren über 2 Mill. t oder gut ein Drittel mehr als 2004. Die Verwertungsquote für entsprechende Bauabfälle lag damit im Land bei über 90 Prozent. Hervorzuheben ist vor allem auch der in Folge der verbesserten Baukonjunktur deutlich verbesserte Absatz der Recyclingbaustoffe, der 2006 die zur Behandlung eingesetzte Menge sogar noch übertraf.

Im Blickpunkt: Kusterdingen im Landkreis Tübingen feiert 900-jähriges Bestehen

Der Ortsteil Kusterdingen der gleichnamigen Gemeinde – auf den "Härten" zwischen den Städten Tübingen und Reutlingen gelegen – wird 900 Jahre alt. Die Kommune im Landkreis Tübingen wurde mit der Gemeindegebietsreform Anfang der 70er-Jahre aus fünf ursprünglich selbstständigen Orten gebildet. Im Beitrag werden die langfristige Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde kurz skizziert und ausgewählte Ergebnisse zu deren aktueller Struktur und Entwicklung mit Hilfe von Daten aus dem Landesinformationssystem Baden-Württemberg (LIS) vorgestellt.


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