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Fachkräfte: Gelernt – und doch nie ausgelernt

Ob Inklusion, Demokratieerziehung oder Digitalisierung: Die Herausforderungen an pädagogische Fachkräfte steigen seit Jahren, umso wichtiger ist ihre berufliche Weiterbildung. Doch Anspruch und Realität klaffen beim lebenslangen Lernen auseinander.

12.11.2019 Bundesweit Artikel Anna Petersen
  • © www.pixabay.com Eine Ausbildung führt zwar zur Berufsfähigkeit, die Berufsfertigkeit aber bedarf in der Praxis einer organisierten Qualifizierung.

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Die Schulgesetze aller 16 Bundesländer formulieren es eindeutig: Lehrkräfte sind zur Fortbildung verpflichtet. Doch eine erste umfassende Bestandsaufnahme zur „Lehrkräftefortbildung in Deutschland“ resümiert: „Im föderalen Bildungssystem, das eigentlich auf Transparenz, Vergleichbarkeit und Kooperation – nach dem Motto ‚voneinander lernen‘ – angelegt sein müsste, ist häufig das Gegenteil zu beobachten.“ Laut Studienautor Peter Daschner mangelt es unter anderem an einer systematischen Erfassung des Fortbildungsbedarfs: „Es wäre wichtig, dass nicht der eine dies und der andere das macht, sondern dass die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam die großen Themen bearbeiten, etwa: Wie gehen wir mit Zuwandererkindern um? Wie packen wir die Inklusion und die Digitalisierung an?“ Zudem bemängelt die Studie: Ob bei Kongressen, in Kommissionen oder bei Beschlüssen: Die Lehrerbildung bezieht sich fast immer auf das Lehramtsstudium – und klammert das organisierte Weiterlernen der 800.000 Lehrkräfte im Beruf weitgehend aus.

Qualitätsoffensive im Ländle

Das Land Baden-Württemberg will die Lehreraus- und -fortbildung aktuell gleich mit zwei neuen Institutionen stärken: dem „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ (ZSL) und dem „Institut für Bildungsanalysen“. Für ZSL-Präsident Dr. Thomas Riecke-Baulecke müssen Führungskräfte beispielsweise „noch mehr hinsichtlich der Unterrichtsqualität qualifiziert werden“. Zudem brauche es „pädagogische Leitlinien sowie Fortbildungs- und Unterstützungsangebote in puncto digitale Medien“. Lehrerverbände begegnen den Neugründungen allerdings mit Kritik: „Wir befürchten, dass das Ziel einer Qualitätsverbesserung mit dem von Frau Dr. Eisenmann eingeleiteten administrativen Umbau in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht erreicht werden kann“, so der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Ralf Scholl. Mit den Regionalstellen werde eine zusätzliche Verwaltungsebene geschaffen, „die unnötig Ressourcen verschlingt und die Kommunikation und Verwaltung verkompliziert“.

Ob Schule oder Kita

Thematisches Angebot, Zeitaufwand, struktureller Aufbau: Ähnliche Stichpunkte wie bei der Lehrkräftefortbildung finden sich auch in der Studie der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) zur Bedeutung von Weiterbildung für das Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung. „Finanzierbare Veranstaltungen sind einerseits schnell ausgebucht, und andererseits ist es für die Fachkräfte schwer, (gleichwertige) geeignete Veranstaltungen zu finden, was auch an der heterogenen und unübersichtlichen Weiterbildungslandschaft liegt“, heißt es dort. Zudem seien die Lehrenden in Qualifikationshintergrund, Altersstruktur und Geschlechterverteilung den frühpädagogischen Fachkräften sehr ähnlich, was den multiprofessionellen „Blick über den Tellerrand“ vernachlässige.

In Deutschland werden pro Jahr rund 26,9 Milliarden Euro für die Weiterbildung ausgegeben. Den Großteil finanzieren Betriebe oder Teilnehmende. Laut Bertelsmann Stiftung sind die Ausgaben für die öffentliche Weiterbildung in den letzten 20 Jahren stagniert, 2015 besuchten nur 12,2 Prozent der Bevölkerung eine Fortbildung. 

Schlüssel zum Erfolg: die qualifizierte Fachkraft

Es ist kein Geheimnis: Eine Ausbildung führt zwar zur Berufsfähigkeit, die Berufsfertigkeit aber bedarf in der Praxis einer organisierten Qualifizierung. Und: Auf das qualifizierte pädagogische Personal kommt es an. Spätestens Bildungsforscher John Hattie hat in seiner Studie „Visible Learning“ bewiesen, dass für den Lernerfolg Aspekte der Unterrichtsqualität und der Lehrpersonen wichtiger sind als strukturelle, organisatorische, methodische und finanzielle Aspekte. Eine Erkenntnis, die sicherlich auch in anderen Bereichen der Bildungslandschaft eine Rolle spielt. Denn egal, ob Lehrkraft, Universitätsdozentin, Coach oder Erzieherin: Damit Weiterbildung zum zentralen Teil der Personalentwicklung und Professionalisierung werden kann, müssen auch Ressourcen für den Transfer der Weiterbildung in den pädagogischen Alltag zur Verfügung stehen. Fachkräfte benötigen nicht nur Zeit, an den Veranstaltungen teilzunehmen, sondern auch Zeit, um sie zu reflektieren, ihr neues Wissen im Alltag umzusetzen und mit der Kollegschaft zu teilen. Denn bereits der Industrielle Philip Rosenthal wusste: „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“

Was bieten PISA-Spitzenreiter in puncto Lehrerberuf – anders als Deutschland? Diese Frage beantwortet Bildungsforscher Prof. Dr. Andreas Schleicher in einem kurzen TV-Statement. Das vollständige Interview, geführt auf der didacta 2019, können Sie sich auf bildungsklick TV anschauen.

Vom 24. bis 28. März 2020 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Stuttgart zusammen. 

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  • Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Leiter Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL)

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Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2020 finden Sie unter
www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

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Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.

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