Fördert Diskriminierung Gewalt bei Jugendlichen?
(red/pm) Die meisten Jugendlichen in der EU befürworten Gewalt nicht - und zwar unabhängig von ihrem Religionshintergrund. Demgegenüber laufen Jugendliche, die Opfer von Diskriminierung oder Gewalt wurden, eher Gefahr, selbst gewalttätig zu werden. Das ergab eine Befragung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) bei 3 000 Jugendlichen in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Nordirland (UK).
28.10.2010 Artikel"Bei Jugendlichen, die diskriminiert werden und sich sozial ausgegrenzt fühlen, und solchen, die Opfer von Gewalt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst anderen gegenüber gewalttätig werden, höher", erklärte der Direktor der Agentur, Morten Kjaerum. "Dies gilt für muslimische und nichtmuslimische junge Menschen gleichermaßen. Muslimische Jugendliche berichteten jedoch bei unserer Erhebung, dass sie häufiger diskriminiert und sozial ausgegrenzt wurden als nichtmuslimische. Wenn man die Ursachen von Gewalt angehen möchte, ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass Kinder nicht Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt werden."
Im Durchschnitt berichtete jeder vierte Jugendliche, dass er ungerecht behandelt oder schikaniert worden war. Muslimische Jugendliche in Frankreich und Spanien gaben erheblich häufiger als nichtmuslimische an, dass ihnen dies widerfahren war; im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) gab es zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Jugendlichen bei den Antworten auf diese Frage keinen Unterschied.
Viele der befragten Jugendlichen haben Gewalt erlebt (angefangen von Mobbing und anderen Formen emotionaler Gewalt bis hin zu eher körperlichen Formen der Aggression). Ferner wurde festgestellt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Viktimisierung und der Ausübung gewalttätiger Handlungen gibt.
In allen drei EU-Mitgliedstaaten, in denen die Erhebung durchgeführt wurde, war bei Jugendlichen, die sich sozial ausgegrenzt fühlten, und bei denjenigen, die aufgrund ihres kulturellen oder religiösen Hintergrunds, ihrer Hautfarbe oder Sprache Opfer von Gewalt geworden waren, die Bereitschaft zu emotionaler Gewalt (wie Hänseln oder Mobbing) gegenüber anderen höher als bei Jugendlichen, die sich nicht sozial ausgegrenzt fühlten oder aus den genannten Gründen nicht schikaniert worden waren. Insgesamt jedoch ist die Gewaltakzeptanz bei Jugendlichen gering, und es besteht auch kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und der tatsächlichen Ausübung von Gewalt.
Für die Forschungsstudie wurden im Zeitraum 2008-2009 in Frankreich, Spanien und im Vereinigten Königreich jeweils 1 000 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren befragt. Die Erhebung konzentrierte sich auf drei EU-Mitgliedstaaten, in denen Terroranschläge im Zusammenhang mit radikalislamischen oder städtischen Unruhen unter jugendlichen Einwanderern mit vorwiegend muslimischem Hintergrund stattfanden. Ziel der Untersuchung war es, die Erfahrungen und Einstellungen muslimischer wie auch nichtmuslimischer Jugendlicher in diesen Ländern zu untersuchen, um Ergebnisse vorlegen zu können, die bei der Gestaltung politischer Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung, sozialer Ausgrenzung und Integrationsproblemen förderlich sind.
Ziel der Erhebung der Agentur war es auch, mögliche Zusammenhänge zwischen den Erfahrungen Jugendlicher mit Diskriminierung, sozialer Ausgrenzung sowie Rassismus und ihrer Gewaltbereitschaft und der tatsächlichen Ausübung von Gewalt zu untersuchen.
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- Kurzfasung des Berichts
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