Gestik und Mimik in Höchstgeschwindigkeit

"Gebärdensprache ist unsere Muttersprache", erklärt Gebärdensprachdozent Stephan Straßer. Anlässlich des 60. "Tags der Gehörlosen" hat die wissen.de-Redakteurin Susanne Böllert die Gebärdensprachschule des Gehörlosenverbandes München und Umland besucht. Im Interview mit Stephan Straßer erfährt sie, worin die wesentlichen Unterschiede zwischen der Gebärdensprache und der Sprache der Hörenden liegen, welch enorme Bedeutung der Kommunikation unter Gehörlosen zukommt und warum ein Gehörloser Deutsch wie eine Fremdsprache erlernen muss. Das gesamte Interview ist auf [www.wissen.de/gebaerdensprache](http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/Specials/gebaerden_sprache/index.html) zu lesen.

22.09.2011 Pressemeldung Wissen.de

Der Tag der Gehörlosen ist ein internationaler Gedenktag, der jedes Jahr am letzten Sonntag im September stattfindet. 1951, vor genau 60 Jahren, wurde er von der "World Federation of the Deaf" (Weltverband der Gehörlosen) ins Leben gerufen. In Deutschland wird er seit Mitte der 70er Jahre begangen. wissen.de nimmt diesen Tag zum Anlass, der faszinierend lautlosen Sprache Raum zu geben.

Derzeit leben etwa 80.000 gehörlose Menschen in Deutschland. Einer von ihnen ist Stephan Straßer, der seit 2010 die Gebärdenschule des Gehörlosenverbands in München leitet. Er selbst bezeichnet Gehörlose als eine eigene kulturelle Minderheit, die sich insbesondere über ihre Sprache definiert: Kommunikation nimmt unter den Gehörlosen eine enorme Bedeutung ein. Nur untereinander klappt sie problemlos, während die Verständigung zwischen Hörenden und Gehörlosen schnell ins Stocken gerät. Auch wissen.de-Redakteurin Susanne Böllert wäre ohne die Hilfe der Gebärdendolmetscherin Susann Schmidt verloren gewesen: Denn meist erschließen sich die vielschichtigen Zeichen in Mimik und Gestik nicht intuitiv, sondern sie sind Teil eines ausgeklügelten Zeichensystems, das zu erlernen mehrere Jahre dauert. Da Sprache und Denken in einem engem Zusammenhang stehen, spiele sich auch die Gedankenwelt eines Gehörlosen nicht wie bei Hörenden in Wörtern und Sätzen, sondern in mimischen und gestischen Gebärden ab, so Straßer. Die Muttersprache eines Gehörlosen ist die Gebärdensprache – die Sprache Deutsch muss zusätzlich gelernt werden. Glücklich äußert sich der Gebärdensprachdozent über die technischen Fortschritte, die den Austausch der Gehörlosen untereinander, aber auch die Verständigung zwischen Gehörlosen und Hörenden enorm erleichtern: Chatprogramme wie Skype, Faxe, E-Mails und soziale Netzwerke beschleunigten die alltägliche Kommunikation gewaltig.

Zum "Tag der Gehörlosen" rückt wissen.de die Verständigung zwischen Gehörlosen und Hörenden auf spielerische Weise in den Fokus: Auf www.wissen.de animiert ein Videorätsel, Stephan Straßer von den Lippen zu lesen und den flinken Händen des Gehörlosen zu folgen. In insgesamt fünf Videos stellt er je einen Satz in Gebärdensprache vor. Die wissen.de-Fans können nun zwischen drei Antwortoptionen wählen, welche Bedeutungen hinter den nonverbalen Zeichen stecken mögen. Schnell wird hier klar, wie hochkomplex und dynamisch die beeindruckende Sprache aus Gestik und Mimik sein kann. Die Auflösung gibt´s natürlich auf wissen.de.

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