Deutscher Kulturrat

Gut und Böse im Internet

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, äußert sich zu den aktuellen medienpolitischen Herausforderungen in der digitalen Welt.

01.07.2013 Pressemeldung Deutscher Kulturrat e.V.

Die Digitalisierung ist ein Epochenumbruch in mannigfacher Hinsicht. Auch tradierte Vorstellungen über das Verhältnis von Künstlern, von Vermittlern und von Nutzern gelten seither nicht mehr in gleichem Maße wie in der analogen Welt.

Aus Sicht des Deutschen Kulturrates gibt es keinen Gegensatz zwischen Kultur und Internet. Kulturpolitik und Netzpolitik gehören – auch auf parlamentarischer Ebene – zwingend zusammen, sind aufeinander bezogen, eng miteinander verflochten, ein Gegen- oder Nebeneinander erweist sich letztlich als unproduktiv. Das Internet muss frei nutzbar sein, aber es ist kein rechtsfreier Raum. Die informationelle Selbstbestimmung als Teil der Privatsphäre und Freiheit jedes Einzelnen darf nicht zur Disposition gestellt werden. Ihre Grenze findet die Freiheit jedoch in der Verletzung der Grundrechte Dritter.

Der Deutsche Kulturrat fordert

…, einen ungehinderten Zugang zum Internet, um so allen Bürgern Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Dabei müssen die Rechte aller Beteiligten im Prozess der kulturellen Teilhabe gewahrt werden.

…, in die Vermittlung von Medienkompetenz zu investieren. Als weitere öffentliche Aufgabe bleibt, für die Transparenz auch in Form von Suchalgorithmen zu sorgen und sicherzustellen, dass der Zugang zu und die Auswahl von Informationen im Internet nicht durch wirtschaftliche oder politische Interessen behindert oder verfälscht wird.

…, dass Geschäftsmodelle im Internet nicht zu Lasten der Kultur- und Medienschaffenden gehen und jede Nutzung von Werken angemessen vergütet wird.

…, dass künstlerische Arbeit geachtet, geschützt und bei Nutzung eines Werks vergütet wird sowie weiterhin als geistiges Eigentum vererbbar sein muss. Nur der Künstler kann entscheiden, auf eine Vergütung seines Werkes zu verzichten.

…, die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internetzeitalter neu zu bestimmen. Der Deutsche Kulturrat wird hierzu Modelle vorlegen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Informations-, Bildungs-, Unterhaltungs- und Kulturauftrag im Rahmen seiner Entwicklungsgarantie in der digitalen Welt nachkommen kann, ohne in eine Nischenposition verdrängt zu werden oder den Wettbewerb zu verzerren.

… Bund und Länder auf, ausreichend Ressourcen zur Sicherung des kulturellen Erbes in der digitalen Welt bereit zu stellen und sich verstärkt mit der Sicherung digitaler Kunstwerke auseinanderzusetzen.

… eine gleichberechtigte Teilhabe der Kultur- und Medienschaffenden an der Ausgestaltung des digitalen Raumes. Die Kulturpolitik darf dabei nicht allein durch die technische Entwicklung und deren Möglichkeiten bestimmt werden.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Gerade heute, in Zeiten des globalen Überwachungswahnsinns, muss gesagt werden, dass das Internet wie kein anderer Medienträger vielfältige Gelegenheiten der positiven Teilhabe und der sinnvollen Interaktion bietet. Selbst umfängliche Informationen können blitzschnell, global und preiswert bereitgestellt und mit weiteren Quellen und Fakten verknüpft werden. Weltweite Zugangsmöglichkeiten und Informationen alleine schaffen aber noch keine Demokratie, denn Demokratie basiert auch auf der Beteiligung aller am Willensbildungsprozess; das Internet macht diese Aushandlungsprozesse der verschiedenen Gruppen und Individuen nicht überflüssig. Es kann sie aber unterstützen und transparenter machen – und auch unübersichtlicher und es kann, wie gerade bekannt geworden, auch als weltweites Spionage- und Überwachungsinstrumentarium missbraucht werden. Das Internet ist nicht gut oder böse, seine Nutzer schon."

Die aktuelle Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu "Kultur und Medien in der digitalen Welt" finden Sie unter: www.kulturrat.de/detail.php?detail=2576&rubrik=4


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