Internationale Projekte zur Erwachsenenbildung ausgezeichnet
Exakt 540 Erwerbslose aus 36 Dörfern in ländlichen Regionen Kirgisistans, in denen es keinerlei Bildungseinrichtungen gibt, konnten sich dank eines auf zunächst zwei Jahre angelegten Projekts bislang schon fortbilden. In jeweils 150 Schulstunden erlernten sie wichtige Grundlagen, um wieder ins Arbeitsleben integriert werden zu können oder sich erfolgreich selbstständig zu machen. Möglich macht dies der kirgisische Verband für Erwachsenenbildung, der für interessierte Gruppen vor Ort Workshops und Kurse organisiert sowie die Trainer vermittelt. In enger Kooperation mit den lokalen Behörden werden aus Dorfschulen oder auch Büchereien mobile Schulungsorte, in denen die Teilnehmer dann mit modernen Lehrmethoden unterrichtet werden. Für dieses Engagement wurde der Verband heute im Bonner Rathaus mit dem Grundtvig-Preis in der Kategorie der Nicht-EU-Länder ausgezeichnet.
22.06.2009 Pressemeldung Deutscher Volkshochschul-Verband e.V. (DVV)Der Preisträger innerhalb der EU heißt "VEPS": Das "Virtual European Prison School Project" der Europäischen Organisation für Bildung in Gefängnissen hat seinen Ursprung in Frankreich; inzwischen sind acht weitere EU-Länder beteiligt. Ziel und Ergebnis des Projekts ist der Aufbau eines Internet-Projekts für lernwillige Strafgefangene: Bildungsangebote sollen auf diese Weise zahlreicher, umfangreicher, innovativer und untereinander austauschbar werden. Die Teilnehmer erhalten ein breit gefächertes Programm in ihrer jeweiligen Muttersprache. Sie können beispielsweise auch Zertifikate und Abschlüsse aus ihrem Heimatland erwerben, wenn sie etwa im Ausland inhaftiert sind.
Mit dem Grundtvig-Preis werden seit 2003 herausragende transnationale Projekte mit Vorbildfunktion aus dem Bereich der Erwachsenenbildung prämiert. Thema dieses Jahres war "Kreative und innovative Wege, Hindernisse des Lernens zu überwinden": "Die Gründe, warum vielerorts Erwachsene Fort- und Weiterbildungsangebote nicht wahrnehmen, sind vielfältig. Diesen entgegen zu steuern, ist das erklärte Ziel. Die Teilnehmer mussten in ihrer Bewerbung nachweisen, dass ihr Projekt tatsächlich Früchte trägt und dass es übertragbar auf andere ist, also als Vorbild dienen kann", erklärte Sue Waddington, Präsidentin der EAEA, bei der feierlichen Zeremonie. "Wir freuen uns, dass wir mit den Siegern Projekte küren können, die sich in der ganzen Welt sehen lassen können und hoffentlich auch kopiert werden." Eine fachkundige Jury der "European Association for the Education of Adults" (EAEA), dessen Mitglied der Deutsche Volkshochschul-Verband seit vielen Jahren ist, hatte in diesem Jahr aus mehr als dreißig Bewerbern auswählen können.
Der Grundtvig-Preis soll die Teilnehmer in ihrer Arbeit inspirieren und sie enger zusammenbringen. Er hat einen hohen symbolischen Stellenwert und ist die erste Auszeichnung dieser Art weltweit. Die Sieger werden in 41 europäischen Ländern bekannt gemacht. Mit Geld- oder Sachpreisen ist der Preis nicht verbunden.
Der Award ist nach dem dänischen Theologen und Pädagogen Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783-1872) benannt, der als Gründer der Volkshochschulbewegung gilt und die Entwicklung von Erwachsenenbildung – speziell die non-formelle Erwachsenenbildung – in Europa, aber auch weltweit in großem Maße beeinflusst hat. Er hat den Bereich der Erwachsenenbildung mit einer grundlegenden und wegweisenden Philosophie zum lebenslangen Lernen bereichert: Grundtvig legte den Grundstein für die Entwicklung von Lernzentren in allen Bereichen, angefangen bei regionalen Bildungsinstitutionen bis hin zu Geld- und agrarwirtschaftlichen Verbänden. Dabei hob er den inneren Wert des Lernens als Grundlage für ein nützliches und angenehmes Leben besonders hervor. Das Förderprogramm der Europäischen Union im Bereich Erwachsenenbildung trägt seinen Namen.
Ansprechpartner: Uwe Gartenschlaeger, dvv international, Telefon: 0228-9756949, gartenschlaeger@dvv-international.de
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