Sachverständige kritisieren Forschungsdefizit bei Onlinesucht

(hib/OYE) Immer mehr Menschen erkranken an Onlinesucht. Schon heute gebe es zwei Millionen Onlinesüchtige in Deutschland, bestätigte Gabriele Farke, Initiatorin und Vorstandsvorsitzende des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige (HSO). Forschung sowie Heilungsangebote in Deutschland müssten verbessert werden, darin waren sich die Sachverständigen bei einer Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien am Mittwochabend einig. Grundlage der Anhörung war ein Antrag ([16/7836](http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/078/1607836.pdf)) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der die Unterstützung der Forschung und den Ausbau von Beratungs- und Therapiemöglichkeiten fordert.

10.04.2008 Pressemeldung Deutscher Bundestag

Raphael Gaßmann, von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) wies auf das Forschungsdefizit hin und erklärte: "Wir ahnen sehr viel und wir wissen sehr wenig". Es bestehe ein "extrem dringlicher Forschungsbedarf" in diesem Bereich.

Auch Professor Henning Scheich vom Leibniz-Institut für Neurobiologie kritisierte den Stand der Forschung. So sei zum Beispiel unklar, weshalb die illusionären sozialen Situationen eines Onlinespiels ein so starkes Suchtpotential auf junge Menschen ausübten. Erst durch psychologische Experimente könne man mehr über Auslöser und Gefahren der Sucht erfahren.

Der Forschungstand in asiatischen Länder sei zwar weiter voran geschritten, als in Deutschland, Ergebnisse können aber nicht ohne weiteres übernommen werden, erklärte Professorin Angela Schorr, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Medienwirkungsforschung. "Jedes Land hat je nach Medien-Mix unterschiedliche Phänomene", sagte sie. Deshalb müsse eine eigenständige deutsche Forschung entstehen.

Professor Hartmut Warkus vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Leipzig sieht zwar die interdisziplinäre Forschung als entscheidend in diesem Bereich an, man solle aber bei der Pädagogik beginnen.

"Grundsätzlich ist es so, dass das Störungsbild anerkannt werden müsste", forderte der Psychologe Klaus Wölfing von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nur eine Anerkennung durch die World Health Organisation (WHO) und den Staat würde zu einer Veränderung der Sachlage führen und die Finanzierung der Behandlung durch Krankenkassen ermöglichen.

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