"Wäre jetzt nicht wieder ein bisschen mehr Geist geil?"
Der provozierend derbe oder dümmlich-flapsige Tonfall in mancher Werbung und den Fernsehshows der Privatsender hat auch auf die Sprache der Kinder und Jugendlichen abgefärbt. Da sich jedoch jede Masche nach einer gewissen Zeit totläuft, wäre es für Schüler nicht von Nachteil, wenn in den Medien jetzt wieder ein bisschen mehr Geist geil wäre, heißt es von Seiten des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg.
05.11.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergMit flotten Sprüchen wie "Geiz ist geil" oder "Lasst euch nicht verarschen" suggeriert die Werbewirtschaft jungen Menschen, dass solche Parolen aus den unteren Schubladen des Sprachschatzes angeblich alltägliche Ausdrucksweisen und keineswegs verwerflich sind. Auch die nachmittäglichen Gerichts- und Talkshows der privaten Fernsehsender tragen zu einem nicht unerheblichen Teil zur einschlägigen Wortschatzerweiterung bei Kindern und Jugendlichen bei.
Lehrer beobachten mit Sorge, dass durch eine primitivere Umgangssprache die Hemmschwelle für verbale Attacken sinkt. Die häufigere Form von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ist eine verbale, nicht die körperliche.
Wegen der rasanten Zunahme der Radebrech- und Gossensprache sowie wüster Schimpfwörter bereits aus nichtigem Anlass ist es notwendig, dass im Elternhaus und in der Schule wieder verstärkt Wert auf einen "guten Umgangston" gelegt wird. Dabei geht es nicht darum, den Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Jargon auszureden, mit dem sie sich bewusst oder unbewusst von den Erwachsenen abgrenzen wollen, sondern schlichtweg um Sprachschulung.
Höflichkeit - auch bei Schülern untereinander (!) - und eine gute Ausdrucksfähigkeit sind erstrebenswerte fächerübergreifende Lernziele oder, wie es in den neuen Bildungsplänen heißt, wichtige Kompetenzen. Kinder und Jugendliche müssen wieder zu einer "gepflegteren Umgangssprache" finden. Dabei können und sollen Eltern, Erzieherinnen und Lehrer behutsam Hilfestellung geben - vor allem durch deren Vorbild. "Vielleicht ziehen sogar das Fernsehen und die Werbebranche bald mit, wenn man auch dort wieder erkannt hat, dass ein bisschen mehr Geist geil wäre….", so der VBE-Sprecher.
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